12 vom 12 im Mai

Der Tag beginnt ziemlich früh, denn der Zug Richtung Ostwestfalen fährt schon um kurz nach 8 Uhr ab. Ich pirsche mich sicherheitshalber nicht wie üblich über Münster, sondern über Hannover und Bielefeld an mein Ziel heran. Am Münsteraner Hauptbahnhof ist des Katholikentags wegen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen und irgendwie ist die Verbindung sowieso gerade kaputt, mutmaßlich aufgrund von Bauarbeiten.

Unterwegs
Unterwegs

Die Bahnlektüre ist zwar kein reines Freizeitvergnügen, aber dringend notwendig, um mein gesundes Dreiviertelwissen über elektronische Seekarten aufzupeppen. Abgesehen davon interessiert mich das Thema auch privat. Aus der BSH-Bibliothek konnte ich zwar nur die dritte Auflage ergattern, alle Exemplare der aktuellen liegen in Dauerausleihe auf diversen (mutmaßlich Rostocker) Schreibtischen. Macht aber für den Anfang nix – für das Draufschaffen der Grundlagen reicht’s.

"The Electronic Chart"
“The Electronic Chart”

Der Anschluß in Bielefeld ist etwas auf Kante genäht, aber alle Züge sind einigermaßen pünktlich und ich somit auch. Meine Mutter empfängt mich am Zielbahnhof.

Aus dem Fenster ihres Gäste-/Nähzimmers sieht man ein kleines Stück der Gegend, in der ich aufgewachsen bin. (“Viel Gegend und hinter der Gegend noch mehr Gegend.”)

Gegend
Gegend

Ich mache einen kleinen Rundgang durch den Garten.

Wisteria
Wisteria
Clematis
Clematis

Zum Mittagessen gibt es Wildschweinfrikadellen. Es ist schon ziemlich praktisch, diverse Jäger in der Verwandtschaft zu haben.

Vom Wildschwein
Vom Wildschwein

Wir essen, schwatzen und halten Mittagsschlaf. Zum Kaffee gibt es Waffeln mit Rhabarberkompott und Vanillesauce.

Waffeln
Waffeln

Danach ist uns nach Bewegung und wir fahren zum Steinhorster Becken.

Steinhorster Becken
Steinhorster Becken

Leider habe ich kein Teleobjektiv dabei, daher als Textergänzung: Das ist ein Storchennest. Mit Storch.

Meister Adebar
Meister Adebar

Die Ems ist an dieser Stelle von “schiffbar” noch weit entfernt.

Ems
Ems

Am Abend backe ich einen Muttertags-Käsekuchen vor. Das Rezept an sich ist einfach, aber der Kuchen belegt für 3 1/4 Stunden den Backofen, bei drei verschiedenen Temperaturstufen, und muß dann noch mindestens acht Stunden gekühlt werden. Das wichtigste Werkzeug ist daher der Timer.

Cheesecake in the making
Cheesecake in the making

Ach guck, Judith Rakers. Ob sie wohl HSV-Fan ist?

(Un-)Absteigbar
(Un-)Absteigbar

Nach der Tagesschau geben wir uns den ESC in voller Länge und kriechen dann ermattet ins Bett.

Fortsetzung folgt (im Juni).


“12 von 12” ist ein Fotoprojekt für Blogger, wobei es mittlerweile auch viele Mitstreiter ohne Blog auf Twitter und Instagram gibt. Die gemeldeten Blogeinträge des heutigen Tages werden hier gesammelt.

In Concert: stargaze mit David Bowies “Blackstar” in der Elbphilharmonie

Drei Tage ist der Auftritt von stargaze, Anna Calvi, Soap&Skin, Lætitia Sadier und Jherek Bischoff in der Elbphilharmonie jetzt her und ich bin immer noch zwiegespalten.

Einerseits mag ich stargaze und die Idee hinter diesem Ensemble und Musikerkollektiv, und sei es nur deshalb, weil sie zu den Mitwirkenden des mir für alle Zeit unvergeßlichen “Possibly Colliding”-Konzerts im Barbican gehörten. Die Arrangements der Songs gefielen mir sehr und der Baßmann – der Baßmann!

Andererseits hatte ich Schwierigkeiten mit dem Gesang. Was die eine der drei Damen zu viel wollte, kam von den anderen beiden zu wenig und irgendwie ging das alles mit dem Instrumentalpart nicht recht zusammen. Insbesondere von der Dynamik her. Ein Teil davon läßt sich unter Umständen auf meinen Sitzplatz zurückführen – 12 A in der vierten Reihe, das ist einfach zu nah an der Bühne bei einem verstärkten Konzert in der Elphi – aber ich bin ziemlich sicher, daß es mir auf einem klanglich besser gelegenen Sitz nicht viel anders ergangen wäre. Auch kann ich die Konzertbesucher verstehen, die nach der letzten Zugabe verwundert auf ihre Uhren blickten und sich Fragen zur Relation von Ticketpreis und Veranstaltungsdauer stellten. Beginn war um 20 Uhr und bis 21:45 Uhr sollte der Abend laut Programmheft dauern. Um kurz nach 21 Uhr war jedoch bereits alles vorbei und eine Pause war von vornherein nicht eingeplant.

Der Genuß war also nicht ganz ungetrübt. Trotzdem hätte ich den Abend nicht missen wollen – allein der wahrhaft unsterblichen Musik David Bowies wegen.

In Concert: Kent Nagano, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg und Singer Pur in der Elbphilharmonie

Die Karte für dieses Sonderkonzert im Rahmen des Internationalen Musikfests hatte ich eigentlich nur deshalb gekauft, weil ich Kent Nagano und die Philharmoniker noch nicht in der Elbphilharmonie gesehen und gehört hatte und an Tickets für die regulären Termine einfach nicht heranzukommen war. Erst Monate später ging mir auf, an was für eine besondere Konstellation ich dadurch geraten war: eine keineswegs lineare Zeitreise durch fünf Jahrhunderte sakraler Musik unter Mitwirkung des Vokalensembles Singer Pur.

Wann und warum genau Singer Pur auf meinem Radar erschienen sind, kann nicht leider nicht mehr nachvollziehen. Immerhin hat es eine CD in meine Sammlung geschafft und wenn ich auch ansonsten unbedingter Fan des Hilliard Ensembles bin: Die vier Herren aus Großbritannien treten aus Altersgründen inzwischen nicht mehr auf, das Ensemble wurde im Dezember 2014 aufgelöst. Wer (Renaissance-)Vokalmusik auch live hören möchte, muß also sowieso umsteigen – warum nicht auf Singer Pur? Ein Gegenargument wollte mir bei der Performance nicht einfallen. Großartig.

Dann waren da noch die zwei Stücke von Arvo Pärt, “Summa” und “Orient & Occident” für Streichorchester. Selten genug zu hören in Hamburg (Wieso eigentlich? Oder gucke ich einfach nur falsch?). Und Wagner, das Parsifal-Vorspiel! Eigentlich will ich Wagner nicht mögen, viel zu pompös und sowieso, der Typ an sich, so überhaupt nicht meine Fraktion. Aber es hilft nichts, jedes Musikstück von diesem Mann – live gespielt – kriegt mich ausnahmslos. Widerstand scheint zwecklos.

Zum Schluß wurde es anstrengend: Das Stück “Et exspecto resurrectionem mortuorum” von Olivier Messiaen klang nicht jedem der Zuhörer wie Musik in den Ohren. Allmählich gewöhnen sich meine an die des 20. Jahrhunderts; es ist immer noch mehr (manches Mal zugegebenermaßen fassungslose) Faszination als Genuß, aber es wird. Insbesondere bei den letzten beiden Sätzen erwies es sich von Vorteil, hinter dem Orchester zu sitzen. Tamtams, Gongs, Röhren- und Kuhglocken kamen zum Einsatz und beschäftigten nicht weniger als fünf Schlagwerker. Ganz großes Kino. Ein winziger Abzug in der B-Note: Vielleicht lag es an meiner Position, aber zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, daß die Herren mit dem Rest des Orchesters nicht ganz synchron waren.

Dabei mag auch die saaleigene Überakustik eine Rolle gespielt haben. Jedes (Ein-)Atmen von Kent Nagano war zu hören, das Knarzen des Fagotts, das Geräusch der Stuhlbeine auf dem Bühnenboden jedes Mal, wenn die Kontrabaßspieler zu einer Attacke ausholten. Wer die Ohren davor nicht zu verschließen suchte, konnte somit nicht nur die Musik hören, sondern auch, wie sie entstand. Ich mag das ja. Zunehmend.

Apropos Ohren verschließen: Das Publikum machte dieses Mal einen deutlich konzerterfahreneren Eindruck und die offenbar unvermeidlichen Nies- und Hustenattacken gingen mehrheitlich im Orchestersound unter. Lediglich beim ersten Vokalstück nach der Pause war eine kleine Disziplinarmaßnahme notwendig (“Schhhhh!!!”) und die Dame, deren Mobiltelefon fröhlich pfeifend mitten in eine der Messiaenischen Generalpausen einbrach*), hat mir eher noch leid getan. Der Trulla hingegen, die ihr Gerät während desselben Stücks überhaupt nicht unter Kontrolle bekam und schließlich aus reiner Not eine Jacke darum wickelte, sei gesagt: Zeitgenossen, die an ihrem Handy weder den “Aus”- noch den “Leise”-Knopf kennen, sollten mit lebenslänglichem Saalverbot belegt werden. Oder das Ding an der Tür abgeben müssen.

(Ist doch wahr.)


*) Ob man das auch im Radio gehört hat? NDR Kultur war schließlich live dabei…

Im Rückstand

Um den Faden nicht komplett zu verlieren, hilft jetzt nur noch Kompaktverbloggen. Es folgen zweimal Theater und zweimal Musik.

“Antigone” mit Bodo Wartke und Melanie Haupt im Schmidts Tivoli

Darauf war ich sehr gespannt: Wie gehen ein hochdramatisch klassisches Werk und Klavierkabarett zusammen? Zwar hatte Bodo Wartke zuvor schon mit “König Ödipus” unter Beweis gestellt, daß man Sophokles auch humorvoll präsentieren kann, ohne respektlos zu wirken. Aber “Antigone” ist da noch einmal eine andere Liga. Abgesehen davon wird einem bei näherer Betrachtung des Stücks mehr und mehr bewußt, wie geradezu unangenehm aktuell dieser Stoff eigentlich ist. So gab es nicht wenige Momente während der öffentlichen Generalprobe (bzw. inoffiziellen Premiere), in denen im Raum gebannte Stille herrschte und einem das Lachen im Halse stecken blieb. Nachdem alle Tode gestorben sind, sitzen Bodo Wartke und Melanie Haupt auf der Bühne, reflektieren das Geschehene und schaffen das nahezu Unmögliche: die Transformation von Tragik und Moral zu einem mitreißend gesungenen Plädoyer für die Notwendigkeit des zivilen Ungehorsams. Auch das kann Unterhaltung. Hut ab!

“Junk” im Deutschen Schauspielhaus

Ganz anders das Haus, der Ansatz, der Aufwand und naturgemäß das Publikum, aber ebenso aktuelles Thema: Ayad Akhtars Stück “Junk” erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Investmentbankers, der das Finanzsystem auf den Kopf stellt, indem er aus Schulden Geld macht. Daß bei seinen Hochrisikooperationen regelrechte Blasen entstehen und real existierende Werte, Unternehmen und Arbeitsplätze zerstört werden, nimmt Robert Merkin billigend in Kauf. Die komplexen Abläufe hinter dem Geschäft mit den Ramschanleihen (“Junk”) so zu erklären, daß man als Laie zumindest ansatzweise den (Aber-)Witz versteht, ist eine Schwierigkeit des Stücks. Text wie Regie meistern das gut. Der Anfang ist etwas zäh, aber dann bildet sich der Spannungsbogen, nicht zuletzt durch das laufend gesteigerte Tempo, und die letzten Minuten lassen erahnen, warum in diversen Kritiken das Wort “rasant” verwendet wird. Obwohl nach wahren Begebenheiten erzählt, kamen mir einige Figuren überstilisiert vor. Ich fürchte allerdings, daß es sich dabei um reines Wunschdenken handelt – die Wahrscheinlichkeit, daß sich das alles genau so oder wenigstens sehr ähnlich abgespielt hat, ist vermutlich erschreckend hoch. Wie dem auch sei, “Junk” hat mir gut gefallen. Auch schauspielerisch und vom Bühnenbild her.

Federico Albanese in der Elbphilharmonie

Es hätte ein perfekter Abend werden können, denn Federico Albaneses filigrane Mischung aus Elektronik, Klavier und Streichern und die sensible Akustik des Großen Saals der Elbphilharmonie sind quasi füreinander geschaffen.

Doch leider spielten weite Teile des Publikums nicht mit. Zu wenige ernsthaft Interessierte und zu viele, zum Teil mit Bussen aus dem Umland herbeigekarrte Menschen zumeist fortgeschrittenen Alters saßen in den Rängen. Vermutlich hegten nicht wenige davon die Erwartung eines “schönen” Konzerts mit einem italienischen Pianisten in dem sagenumwobenen Haus an der Elbe. Und so kam es, wie es kommen mußte: Geraschel, Geflüster, Geklapper, aus dem Saal Gerenne; von den durch die gefühlt sechs bis acht im Raum befindlichen offenen Tuberkulosen komplett verhusteten und verröchelten Passagen fange ich gar nicht erst an, da riskiere ich am Ende noch einen Shitstorm. Ein Genuß war das jedenfalls nicht. Schade.

Nils Frahm in der Elbphilharmonie

Daß ich dem allerersten Auftritt von Nils Frahm in der Elbphilharmonie nur ein Viertel eines Blogbeitrags widme, möge mir bitte verziehen werden. Es war schon mein zweites Konzert der “All Melody”-Tour und die seinerzeit geäußerte Hoffnung, daß zwischen Januar und April ein weiteres Level erreicht werden könnte, erfüllte sich vollends. Hatte ich in Köln noch ungefähr 30% des Konzerts in den Bauch atmen müssen, so waren es jetzt 70%. Nur die aktuelle Liveversion von “Sunson” ist mir (noch?) etwas zu hektisch, da wäre weniger eventuell mehr. Der gegenüber der Bühne leicht erhöhte Blick aus 13 I bot ein perfektes Sichtfeld, der Platz ist absolut wasserflaschensicher und entpuppte sich zudem als frei von störenden Nebengeräuschen. Wobei ich das begeisterte Mitschnarren der ortsansässigen Orgelpfeifen nicht mitzähle. Da hatte die Orgel im Kölner Pendant noch ganz andere Töne produziert. Apropos Orgel, über den “Panflötengenerator” werde ich wohl noch eine Weile schmunzeln und ich finde es keineswegs bedauerlich, daß der Steinway keine Blutspritzer abbekommen hat. (In die Hand hacken beim Messerschärfen, du meine Güte. Und das als Tastenmensch!) Das einzig Furchtbare an dem Abend: Er ist jetzt vorbei. Die Vorfreude auf die Musik einer meiner allerliebsten Künstler in einem meiner allerliebsten Konzertsäle – wie Geburtstag, Weihnachten und alle anderen Fest- und Feiertage zusammen! – wird mir fehlen.

So, und ab jetzt läuft es hier wieder im üblichen Takt! Ich werde mich zumindest bemühen…

12 von 12 im April

Das mit der Beitragsfrequenz muß ganz unbedingt wieder besser werden, sonst stehen hier am Ende nur noch “12 von 12”-Beiträge! Momentan kann ich meine Schreibfaulheit aber noch mit dem just erfolgten Jobwechsel entschuldigen. So etwas bindet bekanntermaßen Kapazitäten.

Mein Tag beginnt seit Anfang April deutlich früher als bisher. Das Schöne daran ist die Freiwilligkeit. Gleitzeit ist super!

Die erste Sorge des Tages gilt den im März noch nicht geschlüpften Tomatenkindern, die inzwischen kurz vor der Pubertät stehen.

Tomatenkinder
Tomatenkinder

Die S-Bahn-Station ist immer noch Baustelle, aber im nächsten Monat soll alles endlich fertig sein. Mal sehen, ob’s klappt.

Baustelle
Baustelle

Mein neuer Arbeitsweg führt am Stintfang vorbei. Auch von meinem neuen Büro aus kann ich die Glasenuhr im Glockenturm hören…

Am Stintfang

… und “Rickmer Rickmers”, “Cap San Diego” und Elbphilharmonie sehen. Hach. Hamburg.

Am Stintfang

In unmittelbarer Nachbarschaft gibt sich Deutschlands nördlichster Weinberg frühlingshaft.

Am Stintfang

Am Schreibtisch sind verschiedene Kleinigkeiten zu erledigen, die gestrige ganztägige Schulung zu verdauen und dann sind da noch diverse Ordner und Mappen, deren Inhalt mich dem künftigen Verantwortungsgebiet näherbringen soll. Bei soviel Input vergeht die Zeit wie im Flug.

Da ich noch verabredet bin, mache ich einigemaßen pünktlich Feierabend. Auf der Suche nach dem Geldautomaten entdecke ich eine grüne Tauschzelle.

Tauschzelle
Tauschzelle

Bis zu den “Tanzenden Türmen” und der U-Bahn-Station St. Pauli sind es von dort aus nur ein paar hundert Meter zu Fuß.

Tanzende Türme
Tanzende Türme

Weiter geht’s in die Schanze, Frau Sinnundverstand und Herrn Buddenbohm treffen.

Schanze
Schanze

Danach mache ich mich auf den Weg nach Hause.

Heimweg
Heimweg

Ein paar Schritte weiter wird’s gelb. “Nichts reimt sich auf Forsythien.”

Das gelbe Grauen
Das gelbe Grauen

Die letzten beiden Bilder stammen aus dem Balkongarten: Erbsen, Radieschen…

Erbsogram
Erbsogram

… Rosmarin und Schnittlauch starten nach der Wärme des letzten Wochenendes durch…

Schnittlauch
Schnittlauch

… die Erdbeeren scheinen dagegen noch skeptisch und ob der Thymian wirklich durch den Winter gekommen ist, wird sich wohl in den nächsten Tagen entscheiden.

Ich bastele mir ein Abendessen, diesen Blogbeitrag und begebe mich anschließend rechtschaffen müde mit einem Buch in die Horizontale.

Fortsetzung folgt (im Mai).


“12 von 12” ist ein Fotoprojekt für Blogger, wobei es mittlerweile auch viele Mitstreiter ohne Blog auf Twitter und Instagram gibt. Die gemeldeten Blogeinträge des heutigen Tages werden hier gesammelt.

Reklame

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Ich stehe seit dieser Woche wieder in Lohn & Brot! Und nicht irgendwo, sondern bei einer Bundesbehörde mit rund 500 Mitarbeitern am Standort Hamburg (und rund 850 insgesamt), dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Das ist ganz schön spannend, wenn man bisher nur die (sogenannte) freie Wirtschaft und Betriebsgrößen bis ca. 50 Kollegen gewohnt war.

Wir kennen den echten Norden

Insbesondere die Orientierung, sowohl im Gebäudekomplex als auch in den Strukturen, ist nicht ganz trivial. Ich weiß zwar in etwa, welche Aufgaben das Haus im einzelnen hat, aber die Details sind noch einmal eine ganz andere Sache. Da trifft es sich günstig, daß am 21. April 2018 anläßlich des 150. Jahrestags der Eröffnung der Norddeutschen Seewarte ein Tag der offenen Tür anberaumt wurde. Das Haus in der Bernhard-Nocht-Straße 78 ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet, es wird ein Kinderprogramm angeboten und an den St. Pauli Landungsbrücken lädt eines der drei hauseigenen Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiffe zum Open Ship.

BSH, BSH, wie tief ist das Wasser?

Der Deutsche Wetterdienst nebenan macht übrigens auch mit.

Hast Du das auf dem Schirm?

Kommt alle!

12 von 12 im März

Und wieder ist er da, der Zwölfte. März! Hat das Jahr nicht gerade erst… schon gut, schon gut. Ich hör ja auf.

Es ist ein untypischer Montag, weil ich zurzeit zwischen Baum (= alter Job) und Borke (= neuer Job) hänge. Voraussichtlich ab April wird sich mein Tagesablauf entscheidend ändern und ich bin schon sehr gespannt darauf. Heute kann ich es dagegen noch ruhig angehen lassen.

Kindergarten

Die kleine Wasserflasche auf der Fensterbank ist ein untrügliches Zeichen dafür, daß ich mit der Tomatenanzucht begonnen habe. Offensichtlicher sind nur noch die beiden als Wachstumslampen dienenden Neonröhren, die jeden Morgen pünktlich um 6 Uhr anspringen, Zeitschaltuhr sei Dank.

Kindergarten
Kindergarten

Die Tomatenkinder haben sich allerdings einen anderen Tag zum Schlüpfen ausgesucht. Angesichts der Wetteraussichten kann ich ihnen das kaum verübeln.

Irgendwas mit Seekarten
Irgendwas mit Seekarten

Im Wohnzimmer liegen derweil grob sortierte Stapel mit Seekarten herum – eine Wochenendbeschäftigung, die noch des Abschlusses harrt.

Appe Kappe
Appe Kappe

Zunächst geht es aber zum Einkaufen. Ich stutze über ein Fundstück im nachbarlichen Vorgarten.

Frühlingsboten
Frühlingsboten

Im Supermarkt will man mit Blumen und bunter (Oster-)Deko Frühlingsgefühle wecken. Klappt heute eher so mittel.

HVV-Card
HVV-Card

Gegen Mittag mache ich mich auf Richtung Schanzenviertel. Am Automaten teste ich meine brandneue HVV-Card. Die ist leider nicht vergleichbar mit der Londoner Oyster Card; das Tarifsystem bleibt deutsch-kompliziert. Der bargeldlose Erwerb der gewünschten 2 Zonen-Wochenkarte klappt immerhin reibungslos.

Slàinte!
Slàinte!

In der Schanze bin ich zum Mittagessen verabredet. Die Runde ist lebhaft und die Portionen sind reichlich. Zum Nachtisch gibt’s Schnaps (bzw. Likör)…

Cohen+Dobernigg
Cohen+Dobernigg

… und einen kurzen Blick auf das stets verlockende Angebot der freundlichen Buchhandlung vor Ort.

Wetter
Wetter

Auf dem Weg nach Hause schiebe noch eine Besorgung ein. Der Blick auf den Telemichel verrät: So richtig hell wird es heute nicht mehr.

Der blonde Hans
Der blonde Hans
Der Glitzer ist geblieben
Der Glitzer ist geblieben

Abends geht es zum Social Media-Kulturstammtisch ins St. Pauli-Museum. Beim #SMSKulturHH tauschen sich vornehmlich im Kulturbereich tätige Social Media-Menschen (bzw. im Social Media-Bereich tätige Kulturmenschen) aus. Die Veranstaltungen sind aber auch für privat Aktive und Interessierte offen und finden an wechselnden Orten statt.

Jan Himp und die kleine Brise
Jan Himp und die kleine Brise

Wieder zuhause angekommen, widme ich mich zum Abschluß des Tages einer Bildungslücke. Das Buch steht schon seit einer ganzen Weile in meinem Regal und hat mindestens zwei Umzüge mitgemacht, nur zum Lesen bin ich bisher nicht gekommen. Aber jetzt!

Fortsetzung folgt (im April).


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In Concert: Kimmo Pohjonen mit “Ultra Organ” in der Elbphilharmonie

Kürzlich berichtete ich von einem “Blind Date” im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Vor einigen Tagen wiederholte sich für mich diese Erfahrung, und zwar durch ein quasi geerbtes Ticket für das Konzert von Kimmo Pohjonen.

Über Pohjonen wußte ich zuvor lediglich, daß er Finne ist und Akkordeon spielt. Da springen einem ungefragt sofort diverse (Tango-)Klischees ins Kopfkino. Pohjonen und seine Crew, bestehend aus Mikko Helenius (Orgel), Tuomas Norvio (Elektronics) und Otso Vartianen (Licht), zerlegten diese in rund 70 Minuten vollständig. “Ultra Organ”, so der Titel des Werks, kombiniert (die Elbphilharmonie-)Orgel mit einem über weite Strecken tonverfremdeten Akkordeon, Gesang und Stimme, elektronischen Elementen und Samples. Einen wesentlichen Beitrag zur andersweltlichen Atmosphäre des Abends trug dazu das Lichtdesign bei. Man wähnte sich zwischenzeitlich in einer eiszeitlichen Höhle, den Gesängen eines Schamanen lauschend, dann wieder auf weiter Fläche, dann wieder in einer Kathedrale.

Ob das Gehörte handwerklich Weltklasse war, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich habe klangveränderte Klaviere, Stimmen, Gitarren und Harfen erlebt und gemocht; bei Kimmo Pohjonen und seinem Hightech-Akkordeon sprang der Funke nicht ganz über. Beim Gesamtkunstwerk “Ultra Organ” hingegen schon. “Ist das nun sakral oder eher teuflisch?”, fragt das Programmblättchen. Das sind in diesem Fall wohl irrelevante Kategorien. Es reicht vollkommen, zu sagen: Es war in jeder Hinsicht beeindruckend.

Widerspruch

Ich habe da neulich einen Text bekommen, per WhatsApp.

*! Bitte Teilen !* 
Nicht ein einziger Kulturkreis geht uns so auf die Nerven, plündert uns so aus, terrorisiert ganze Stadtviertel wie diese fanatische Primatenkultur mit ihren mittelalterlichen Unsitten & Gebräuchen.
Mit keinem einzigen Zuwanderer, der zum Arbeiten!!! nach Deutschland kam, musste man je über Integration, Eingliederungsmaßnahmen, Sicherheitsrisiko….. sprechen.
Kein GRIECHE brauchte Schilder, dass man unsere Frauen nicht vergewaltigen darf, kein JAPANER musste darauf hingewiesen werden, dass man Frauen nicht ans Auto bindet und durch die Straßen schleift, kein SPANIER musste darauf aufmerksam gemacht werden, dass man Frauen nicht auflauert, nicht antanzt, kein BRITE, IRLÄNDER, NIEDERLÄNDER benötigte überteuerte Flirtkurse oder man musste ihnen zeigen, wie man richtig Frauen anbaggert und poppt.
Keinem THAILANDER wurde je erklärt, dass man Frauen nicht angrapschen darf.
Wir brauchten wegen ITALIENERN keine Armeslänge Abstand und für CHINESEN kein Pfefferspray oder eine Waffe.
Im Zug konnte man vollkommen Axt-frei fahren.
Integration war und ist für Griechen, Italiener, Vietnamesen, Russen und viele andere Nationalitäten eine Selbstverständlichkeit.
Diese Menschen sind ein Teil unserer Kultur geworden und haben unseren Alltag wirklich bereichert.
ABER NICHT DAS VOLK AUS DEM MORGENLAND MIT IHREN ENDLOSFORDERUNGEN…
“Ich will hier eine Moschee, ich will nur Halal Essen, ich will islamische Feiertage, ich will abgetrennte Bereiche in Schwimmbädern, ich habe 4 Frauen und 25 Kinder und habe keine Zeit zum Arbeiten, ich will ein Haus, ein Auto und Geld sonst mache ich Rabatz, meine Kinder fahren nicht mit zur Klassenfahrt, alle Ungläubigen müssen getötet werden usw. usw.”
KOSTE ES WAS ES WOLLE!!!
Es wird geraubt, überfallen, verprügelt, vergewaltigt und gemordet, als wäre dies das Selbstverständlichste von der Welt!
Wir wollen hier keine Idioten, die unser Leben nach ihren Vorstellungen gestalten wollen!
Klemmt euch eure Wunderlampe unter den Arm, setzt euch auf euren Teppich und fliegt zurück hinter den Bosporus oder nach Afrika!
Die Mehrheit der Europäer wird euch dankbar sein.
 *! Bitte Teile !* 

Das hat mich zunächst fassungslos hinterlassen und in der Folge einige Tage beschäftigt. Ob mein Widerspruch den Adressaten erreicht, ist fraglich. Ein Grund, ihn zusätzlich hier zu veröffentlichen.

Lieber Herr Dr. Sch.,

es geht nicht, ich kann diesen Text einfach nicht unwidersprochen lassen. Was nutzt es, wenn ich gegen den Thor Steinar-Laden in Barmbek, eine NPD- oder Pegida-Demonstration auf die Straße gehe, aber in Ihrem Falle kneife, nur, weil Sie so nett sind – ansonsten? Gar nichts.

Sie schreiben, dass jeder ein Recht auf eine eigene Meinung hat, aber nicht auf eigene Fakten.

Schauen wir uns zunächst den von Ihnen geteilten Text an. Fällt das bei Ihnen unter Meinung? Dann haben wir schon da unterschiedliche Definitionen. In meinen Augen handelt es sich um schlichte Hetze.

Da sind zunächst die Begriffe “Kulturkreis”, “Primatenkultur” und “Volk aus dem Morgenland”. Es bedarf keiner großer Interpretationsanstrengung, um den Islam als Feindbild in diesen Zeilen zu erkennen. Als positive Gegenbeispiele werden Griechen, Japaner, Spanier, Briten, “Irländer”, Niederländer, “Thailander”, Italiener, Chinesen, Vietnamesen und Russen angeführt. Und das auf eine dermaßen platt pauschale Art und Weise, dass ich mich frage, wie ein intelligenter und empathiefähiger Mensch, der Sie zweifelsohne sind, diesen Kram auch nur mit der Zange anfassen kann.

Argumente gefällig? Bitte sehr.

  1. Hier werden Äpfel (Glaubenszugehörigkeit und eine diffuse Regionalbezeichnung) mit Birnen (Nationalität) verglichen. Stellen Sie sich vor: Es gibt vietnamesische Moslems! Wie übrigens auch türkische Christen. Oder syrische. Ich kenne welche.
  2. Auch aus der Türkei und Nordafrika sind Gastarbeiter eingewandert, haben sich integriert und unsere Kultur bereichert. Essen Sie gerne Döner, Lahmacum oder Falafel? Waren Sie schon einmal im Hamam? Großartig. Heiße (sic!) Empfehlung!
  3. “… kein SPANIER musste darauf aufmerksam gemacht werden, dass man Frauen nicht auflauert, nicht antanzt…” Ach nein? Waren Sie mal in einer spanischen Disko? Als Frau, mit einer Gruppe von Frauen, ohne männliche Begleitung? Probieren Sie’s mal aus! Ähnlich üble Erfahrungen habe ich beispielsweise auch mit Italienern und Franzosen gemacht. Und, Überraschung! vor allem mit Deutschen. Und ich meine damit das, was einige Zeitgenossen “Biodeutsche” nennen.
  4. “… kein BRITE, IRLÄNDER, … benötigte überteuerte Flirtkurse oder man musste ihnen zeigen, wie man richtig Frauen anbaggert und poppt.” Glauben Sie mir, gerade diese Zielgruppe hätte das bitter nötig.
  5. “Im Zug konnte man vollkommen Axt-frei fahren.” “Früher war alles besser?” Come on, give me a break!
  6. “ABER NICHT DAS VOLK AUS DEM MORGENLAND MIT IHREN ENDLOSFORDERUNGEN… ” Hier kommen wir zum Thema Fakten. Wer fordert? Wem gegenüber? Was genau? Mit welchen Erfolgsaussichten? Ich hätte gern ein paar (belegbare) Beispiele. Davon ab: Unvernünftige und dreiste Forderungen sind kein Privileg einzelner Glaubensrichtungen oder Nationalitäten; stellen kann man sie immer und es wird fleißig davon Gebrauch gemacht in Politik und Gesellschaft. Die meisten dieser Forderungen landen da, wo sie hingehören: in der Tonne. Haben Sie so wenig Vertrauen in unsere Demokratie? Ich gebe unumwunden zu, meins hat nach dem Einzug der AfD in den Bundestag etwas gelitten. Und dennoch!
  7. “… ich will nur Halal Essen…” Es gibt einen Unterschied zwischen einer Pauschalforderung (von der Sie mich erst überzeugen müssen, siehe Punkt 6) und einer Rücksichtnahme auf religiöse Speisevorschriften. Was machen Sie mit dem gläubigen Christen, der in der Fastenzeit keinen Alkohol und keine Süßigkeiten anrührt und sich an Freitagen grundsätzlich fleischlos ernährt? Wenn schon der Begriff “halal” fällt, warum nicht auch gleich “koscher”? Oder sind Mitbürger jüdischen Glaubens erst beim nächsten Mal mit an der Reihe?
  8. “… ich will islamische Feiertage…” Nochmal: Wer fordert? Wem gegenüber? Fun fact: Im Norden Deutschlands wird dieser Tage voraussichtlich die Einführung eines neuen Feiertags beschlossen. Es handelt sich um den Reformationstag. Soweit zum Thema Islamisierung des Abendlandes.
  9. “… ich habe 4 Frauen und 25 Kinder …” Schönes Klischee! Ist mir noch nicht begegnet. Ok, sechs oder acht Kinder mit einer Frau, das schon. Wissen Sie was? Meine Mutter ist eines von dreizehn Geschwistern. Einige meiner Tanten und Onkel setzten diese Tradition fort, wenn auch in etwas kleinerem Rahmen. Alles Asoziale?
  10. “… und habe keine Zeit zum Arbeiten, …” Wenn Sie wüssten, wie viele Geflüchtete arbeiten, studieren oder eine Ausbildung absolvieren wollen, aber durch Bürokratieauswüchse daran gehindert werden. Wenn Sie wüssten, wie viel Diskriminierung Nachkommen von Einwanderern auch in der x-ten Generation noch aushalten müssen, nur weil sie keinen deutsch klingenden Namen tragen. Das betrifft den Arbeits- genauso wie den Wohnungsmarkt.

Ja, es gibt Ghettobildung und Parallelgesellschaften. Ja, es gibt Viertel in deutschen Städten, da wähnen Sie sich in einem völlig anderen Kulturkreis. Ja, es gibt Sozialbetrug, Radikalisierung, islamistische Gewalt; es gibt Vergewaltigungen und sogar Morde. Ich stelle das nicht infrage. Aber ich mache nicht “den Islam” dafür verantwortlich. Sondern die Tatsache, dass es gute und böse Menschen unter allen Glaubensrichtungen und Nationalitäten gibt, unter seit jeher hier Ansässigen, Zugewanderten und hierher Geflüchteten. Und dass wir uns nicht wundern müssen über manches, wenn wir viele Menschen ohne Perspektive auf enge Räume zusammenpferchen und die, die es dennoch aus dieser Mühle geschafft haben, systematisch und vor allem pauschal ausgrenzen.

Wenn es etwas gibt, auf das das Wort “mittelalterlich” zutrifft, dann ist es dieser Text. Ohne Differenzierung wird an den Pranger gestellt – ja, wer eigentlich? Nichts Genaues weiß man nicht. Meine katholisch-ostwestfälische Erziehung allein sträubt sich schon gegen solch eine krude Gemengelage. Packen Sie noch Logik und Sachlichkeit dazu und das Ding verpufft vollends.

Um zum guten Schluss noch einmal einen Anglizismus zu bemühen: You can do (much) better!

Ich glaube daran.

Beste Grüße,
Susanne Dirkwinkel