The Show must go online (8)

Mir geht allmählich die Puste aus. Keine Sorge, nicht generell – wenn man von der situationsbedingt schwankenden Tagesform einmal absieht. Sehr wohl aber, was diese Serie angeht. Heute daher nur ein paar Kleinigkeiten.

Gestern fand “Keiner kommt – alle machen mit” nicht statt. Ich erwähnte das Soli-Festival vor rund sieben Wochen im ersten Teil. Heute wurde die Spendensumme veröffentlicht:

Starkes Ergebnis. Schönster Tweet übrigens dazu von der HOCHBAHN: “Keiner kommt und wir bringen Euch auch nicht hin.”

Ich habe an dieser Stelle eine Livestream-Reihe unterschlagen, die nach über dreißig Episoden mittlerweile eingestellt wurde: Hope@Home bei ARTE Concert. Dafür gab es keinen besonderen Grund. Außer vielleicht, dass Daniel Hope meiner Werbung nicht bedurft hätte – die Wohnzimmerkonzerte waren ein durchschlagender Erfolg mit Zuschauern und -hörern rund um den Erdball. Im britischen Guardian erzählt Hope die Entstehungsgeschichte. Meine Lieblingsfolgen: Episode 20 mit Sir Simon Rattle und Magdalena Kožená und die finale Episode mit Max Richter und Joy Denalane. Alle Videos sind zur Zeit noch abrufbar.

Museen und Gedenkstätten dürfen mittlerweile wieder Besucher empfangen, auch in Hamburg. In einigen Bundesländern gilt das auch für Kinos und zumindest in Sachsen sollen ab dem 15. Mai auch Theater, Opern- und Konzerthäuser wieder öffnen können. Allerorten wird noch nach praktischen Lösungen gesucht, wie sich die geltenden Hygieneregeln umsetzen lassen. So lassen die Bamberger Symphoniker beispielsweise den Aerosolausstoß von Holz- und Blechblasinstrumenten untersuchen.

Wo ich übrigens komplett raus bin: Autokino/-konzerte/-diskos und dergleichen mehr. Nicht nur, weil ich kein Auto besitze und seit Jahren auch keines mehr gefahren bin. Die Vorstellung erscheint mir atmosphärisch schlicht unschön. Da sitze ich doch lieber allein vorm Fernseher. Für die Künstler mag sich das dagegen anders darstellen: Vor einer Reihe hupender Blechkisten zu spielen ist wahrscheinlich besser als gar kein (sichtbares) Publikum zu haben.

The Show must go online (7)

Elbphilharmonie und Laeiszhalle haben verlängert: Bis wenigstens 31. August wird es keine Konzerte geben. Damit fällt auch der diesjährige Elbphilharmonie Sommer flach. Keine Überraschung mehr – nichtsdestotrotz frustrierend. Die Programmvorstellung der Spielzeit 2020/21 sollte Mut und Hoffnung machen, so Intendant Christoph Lieben-Seutter. Fürs erste wohl nicht mehr als das, denn niemand weiß, ob und wie es ab September weitergehen kann. Was natürlich bei weitem nicht nur für diese beiden Spielstätten gilt…

Auch das New Bedford Whaling Museum musste umdisponieren: Der diesjährige “Moby-Dick Marathon” findet online statt. Die ersten 14 Episoden stammen aus dem Archiv, ab Episode 15 lesen zufällig ausgewählte Freiwillige in ihren jeweiligen vier Wänden.

Ebenfalls ins Netz verlegt wurde das Berliner Theatertreffen, inklusive einer Grundsatzdebatte über Sinn und Unsinn des Streamens von Theaterproduktionen. Das Theatertreffen ist eine Veranstaltung, die mich unter normalen Umständen nicht sonderlich interessierte. Aber jetzt, wo ich es kann, zappe ich höchstwahrscheinlich mal rein – soweit mein Diskussionsbeitrag zum Thema “Stoppt das Streaming!”. Die sechs Stücke sind jeweils nur für 24 Stunden “on Demand” verfügbar. Mit Ausnahme des Bochumer “Hamlet”, den es noch bis Ende Juli in der ZDF Mediathek im Rahmen der Reihe “Starke Stücke” zu sehen gibt.

Ganz anderes Genre: Die (Corona-)Zeichnungen von Chaz Hutton sind sicher dem einen oder der anderen bekannt. Nein? Auch nicht diese? Ich mag ja auch den hier. Und ganz besonders den. Bislang fehlt die neue Kategorie im Shop. Mal sehen, wie lange noch.

Zur Musik.

Überwiegend eher nicht meine Baustelle, aber wem es gefällt: Die Telekom organisiert zusammen mit Rolling Stone, Musikexpress und Metall Hammer #DaheimDabei-Konzerte mit Künstlern wie Sasha, Doro, Rage, Nik West, Eric Fish und Gavin Rossdale, gestreamt auf der Plattform MagentaMusik 360. Dort ist übrigens noch immer das Geisterkonzert von James Blunt in der Elbphilharmonie abrufbar. Am 11. März war das, quasi zwei Minuten vor dem Lockdown, in der Woche, in der es endgültig Ernst wurde. “Kein Fan von @JamesBlunt, aber schwer beeindruckt davon, wie der Mann das gerade durchzieht vor leerem Haus. Vollprofi. Respekt”, twitterte ich an jenem Abend. Gilt noch.

Deutlich ein paar Nummern kleiner, dafür persönlicher: Bei den SofaConcerts kann man personalisierte Musikbotschaften und Live-Musik per Videochat buchen.

Noch viel persönlicher weil wahrhaftig live sind die 1:1 Concerts mit Mitgliedern des SWR Symphonieorchesters, des Staatsorchesters Stuttgart und der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Ein verständlicherweise regional stark begrenztes Angebot. Aber vielleicht finden sich ja Nachahmer.

Apropos wahrhaftige Livemusik, es soll in Hamburg Straßenzüge geben, in denen regelmäßig (semi-)professionelle Balkonkonzerte stattfinden. Nur liegt das mir bekannte Beispiel dummerweise in einer Wohngegend weit jenseits meiner Preisklasse. (Ja, ich bin neidisch!)

Einen habe ich noch (via Alex Ross): Katzenmusik im Wortsinne. Der zieht euch die Schuhe aus. Versprochen.

Hätte, hätte, Infektionskette

Eigentlich wär ich jetzt gerade nicht in Hamburg, sondern auf der Ostsee. Das übliche “Statt Postkarte”-Foto entfällt aus sattsam bekannten Gründen. Aber nicht ersatzlos! Ich biete ein 1A-Symbolbild aus dem nahegelegenen Stadtpark, die Bildunterschrift: “Vandalismus in Zeiten von Corona”. Adam und seine ähnlich verunstaltete Eva (Oskar Ulmer, 1933) wurden mittlerweile wieder gereinigt. Sie sind Kummer gewohnt: “Verzierungen” kommen mehrfach im Jahr vor, werden aber normalerweise unterhalb der Gürtellinie platziert. Bei Eva gerne auch in Brusthöhe.

Wo ich schon dabei bin, kann ich auch schnell noch zwei neue Lieblings-Splitscreen-Performances und einen Klassiker beisteuern.

Da sind zum einen Manu Delago und Douglas Dare mit “Wherever you are”, aufgenommen im Rahmen des “Sea Change 2020“. Das komplette Festival wurde ins Netz verlegt und ich glaube beinahe, ich muss da nochmal stöbern.

Via Kiki. Vierunddreißig Jahre. Puh. Die Extended Version ist eine der wenigen von mir erworbenen Maxi-Singles aus dieser Zeit, die sich bis heute in meinem Besitz befinden.

Ja, ich weiß: uralt (2009)! Und gar nix mit Corona! Aber hebt zuverlässig die Laune und meine hat es gerade nötig.