In Concert: Helge Schneider in der Elbphilharmonie

Ich bin leidenschaftliche Verfechterin der musikalischen Vielfalt in der Elbphilharmonie und habe diese Position an dieser und an anderen Stellen bereits mehrfach verteidigt. Warum also nicht auch Helge Schneider und Band mit ihrer gekonnten Mischung aus (Jazz-)Musik und Klamauk im Großen Saal antreten lassen, zwei ausverkaufte Abende lang!

Schön schräg war’s, und als ich schon dachte, schräger wird’s nicht mehr, stieg Helge Schneider hoch zum Orgelspieltisch und holzte sich mehr schlecht als recht durch “Auf der Reeperbahn nachts um halb eins”.

Nun hatte ich erst ein paar Tage zuvor anläßlich des “Tags der Orgel” an einer Präsentation der Elbphilharmonie-Orgel durch Thomas Cornelius teilgenommen. Wir lernten dabei, daß die über 4.700 Pfeifen auf sechs Ebenen aufgeteilt sind: Chorwerk, Hauptwerk, Schwellwerk, Solowerk, Großpedal und Fernwerk. Das Fernwerk befindet sich im Klangreflektor über der Bühne; das ist dieser runde Pilz, aus dem bei Bedarf auch Lautsprecher abgeseilt werden können. Die längste, hölzerne Pfeife ist über 10 Meter lang und erklingt mit 16 Hertz – ein sehr tiefes Wummern, irgendwo in der Magengegend spürbar und kaum als Ton zu identifizieren. Die kürzeste besteht aus einer Metalllegierung, mißt 11 Millimeter und ihre 15.600 Hertz nimmt man als sehr hohes Fiepen wahr – wenn man die Frequenz überhaupt hören kann (ich konnte – Hörtest bestanden!). Zu den zahlreichen Besonderheiten gehört, daß die metallenen Orgelpfeifen mit einer speziellen Beschichtung versehen sind. Sie können daher angefaßt werden. Das ist normalerweise tabu, weil es den Klang beeinträchtigt. Und was für ein Klang das ist, wenn jemand am Spieltisch sitzt, der dieses Instrument wirklich gut kennt! Absolut irre. Mir stehen immer noch sämtliche Nackenhaare zu Berge, wenn ich nur daran denke.

Zurück zu Helges Ausflug an die Pfeifen. Nein, für ein solches Spektakel hat Philip Klais dieses Ausnahme-Instrument ganz bestimmt nicht gebaut und ja, es war zweifelsohne ein Sakrileg, was Helge Schneider damit angestellt hat. Aber was für ein Spaß! Das halten Haus und Saal aus. Und die Orgel erst recht.

Nachtrag

Worüber ich in den letzten 14 Tagen bisher nicht gebloggt habe:

  1. HAM.LIT 2018,
  2. das “Blind Date” im Kleinen Saal der Elbphilharmonie,
  3. Christian Löffler bei “le concert abstrait” im Planetarium Hamburg.

HAM.LIT, die “Lange Nacht junger Literatur und Musik”, ist grundsätzlich super. Nur platzt die Veranstaltung langsam aber sicher aus allen Nähten. Das Gedränge nahm zwischenzeitlich ein Ausmaß an mit dem ich nicht kompatibel bin. Mein persönliches Highlight war der Auftritt von Hundreds im Ballsaal des Uebel & Gefährlich. Schade nur, daß ein Großteil der Anwesenden die komplette Performance zerquasselte. Sie verpaßten auf diese Weise die mutmaßlich einmalige Gelegenheit, Hundreds-Klassiker in einer aufs Wesentliche reduzierten Fassung für Klavier und Gesang zu genießen.

Beim “Blind Date” in der Elbphilharmonie kauft man für 25 Euro die Katze im Sack. Alles ist möglich: Klassik, Kammermusik, Jazz, Folk, Elektronik; weitere Vorinformationen gibt es nicht. Der zweite Termin der neuen Reihe wurde von Remy van Kesteren bestritten, einem holländischen Harfenisten. Van Kesteren entspricht so gar nicht dem Klischee, daß diesem Instrument anhaftet und spielte sowohl eine Konzert- als auch eine Deltaharfe solo, geloopt und mit elektronischen Elementen. Nur eine Handvoll Besucher des komplett ausverkauften Saals verließen diesen vorzeitig – völlig legitim, man kann bei einem Blind Date eben auch mal daneben liegen. Der Künstler nahm es sportlich; die Mehrzahl blieb und spendierte Standing Ovations. Im Eintrittspreis ist ein Freigetränk enthalten, als Anregung, sich nach dem Konzert an der Bar mit dem oder den Künstlern austauschen zu können. Das ist leider nur ein theoretischer Wert, denn auch der kleine Elphi-Saal faßt noch zu viele Menschen, als daß dies in aller Ausführlichkeit möglich wäre. Zudem ist das nach den Renovierungsarbeiten wieder in vollem Umfang zugängliche Foyer baulich nicht gerade ideal dafür. Trotzdem, eine hochgelungene Veranstaltung! Ich bin nach Möglichkeit wieder dabei. Und Remy van Kesteren kommt auf meine Liste.

Und Christian Löfflers Auftritt bei “le concert abstrait”? Ich machs kurz: Prädikat “besonders planetarisch”.

12 vom 12 im Februar

Es ist ein bißchen still geworden an dieser Stelle in den letzten Tagen, was verschiedene Gründe hat. Da kommt “12 von 12” gerade recht, um die Beitragsproduktion wieder anzukurbeln.

Schneetreiben
Schneetreiben

Das Wetter verspricht laut Vorhersage, bunt zu werden. Am Morgen ist es erst einmal weiß. Ich habe ein paar Besorgungen zu erledigen und mache mich nach dem Frühstück auf dem Weg zu meiner Hausarztpraxis. Als ich kurz nach Anfang der Sprechstunde dort eintreffe, hat sich das Wartezimmer bereits aufs Treppenhaus ausgeweitet. Ich mache auf dem Absatz kehrt und begebe mich zu meiner nächsten Station Richtung Innenstadt.

Ohne Moos nix los
Ohne Moos nix los

An der U- und S-Bahnstation Jungfernstieg begegnet mir ein kreativ plaziertes Stück Kapitalismuskritik.

Apfelkram
Apfelkram

Da ist es irgendwie stimmig, daß ich auf dem Weg ins Apfelhaus bin, mit einem klitzekleinen Apfelproblem. Seit ich äpfele, und das ist jetzt schon eine ganze Weile, ist es das allererste Problem, mit dem ich zum Support muß. Erfreulicherweise ist die Sache innerhalb von Minuten geklärt und kostet mich keinen Cent.

Schlump
Schlump

Die nächste Station befindet sich nahe des U-Bahnhofs Schlump. Wer am Schlump ausgestiegen ist, merkt das spätestens, wenn er auf der Ausgangsebene angelangt ist. Der intensive Kräuterbonbon-Lakritz-Geruch, der vom “Süßen Pavillon” in der Bahnhofshalle ausgeht, ist ein eindeutiges Identifikationsmerkmal.

Katzentempel
Katzentempel

Mein Weg führt mich am Café Katzentempel vorbei. Dem würde ich zu gerne einen Besuch abstatten. Da ich aber auf manche Katzen (nicht auf alle!) allergisch reagiere, mache ich das Foto lieber von draußen.

Auch die zweite Besorgung ist schnell erledigt. Um die Mittagszeit geht es nochmal los zum Supermarkt.

Frühlingsboten
Frühlingsboten

Die Schneeglöckchen im Schrebergarten sind schon nicht mehr ganz frisch. Dabei ist nach dem viel zu warmen und nassen Januar jetzt endlich der richtige Winter eingezogen. Mit wenigstens ein bißchen Schnee.

Badmini
Badmini

Ich passiere einen Parkplatz und schmunzele über dieses Batmobil.

Schwan
Schwan

Nicht alle Hamburger Schwäne sind im Winterquartier. Dieser wohnt ganzjährig am Harzloh.

Helau & Alaaf
Helau & Alaaf

Ein Zugeständnis an das Datum: der Baileys-Berliner zur Kaffeezeit.

Impfbuch
Impfbuch

So gestärkt wage ich einen zweiten Anlauf beim Hausarzt. Im Moment habe ich noch die Muße, mich für die fällige Impfauffrischung eine knappe Stunde ins Wartezimmer setzen zu können. Impfskeptiker sind mir ein komplettes Rätsel. Wer im 21. Jahrhundert lebt, Zugang zu Impfungen hat und trotzdem an Tetanus krepieren will: nur zu. Vielleicht reicht es ja zu einer Sondererwähnung bei den Darwin Awards. Apropos: Charles Darwin wäre heute 209 Jahre alt geworden.

Glücksbringer
Glücksbringer

Auf dem Weg finde ich ein Zwei-Cent-Stück auf der Straße. Es ist bereits der zweite Glücksmünzenfund des Tages. Ich kenne jemanden, der sich sehr darüber freuen wird.

Schneetreiben
Schneetreiben

Als ich die Praxis verlasse, wird es schon dunkel. Und es schneit wieder.

Den Abend verbringe ich mit kleineren Aufräumarbeiten, einem Süßkartoffelsüppchen und einem Film.

Fortsetzung folgt (im März).


“12 von 12” ist ein Fotoprojekt für Blogger, wobei es mittlerweile auch viele Mitstreiter ohne Blog auf Twitter und Instagram gibt. Die gemeldeten Blogeinträge des heutigen Tages werden hier gesammelt.

In Concert: Nils Frahm in der Kölner Philharmonie

Die Tickets für den Auftritt von Nils Frahm in der Kölner Philharmonie waren lange vor Ankündigung der “All Melody”-Tour in den Vorverkauf gegangen und ich erinnere mich noch gut, wie ich tagelang zögerte. Es erschien mir einerseits unwahrscheinlich, daß es das einzige Frahm-Konzert bleiben würde. Andererseits war die Schlußfolgerung Köln gleich Philharmonie macht Hamburg gleich Elbphilharmonie logisch, mit allen Vor- und Nachteilen, Stichwort Kartenbeschaffung. “Ach was, es ist ein Wochenende, und wahrscheinlich bist Du dann praktischerweise sowieso schon in Düsseldorf auf der Bootsmesse”, dachte ich, und versuchte, den Saalplan mit meinen Erinnerungen an den letzten Besuch vor über zwanzig Jahren in Einklang zu bringen. Ich erwarb schließlich eine Karte in der Preiskategorie zwei, im festen Glauben, einen schönen Rangplatz mit freiem Blick, aber weitem Abstand zur Bühne ergattert zu haben.

Im Foyer wunderte ich mich noch kurz, daß sich der Eingang zu Block D im Untergeschoß befand. Als ich den Saal betrat und das System der Reihennummerierung begriff, schwante mir, daß ich das mitgeführte Monokular eventuell nicht benötigen würde. Die Stufen und Reihen abzählend arbeitete ich mich immer weiter nach vorne vor, um schließlich auf einem Einzelplatz direkt am linken Bühnenrand zu landen.

So sehr ich es liebe zu beobachten, wie Musik entsteht: Gesehen werde ich dabei nicht so gerne. Gerade wenn es um Töne geht, die das Potential haben, mich an meine Grenzen zu bringen. Ein Grund, warum ich Parkettplätze meide. Aber da war er nun, mein höchstpersönlicher Präsentierteller, ohne Ausweichmöglichkeit aufgrund der vollbesetzten Ränge. Augen auf beim Ticketkauf…

Das Unbehagen verschwand jedoch, sobald Nils Frahm die Bühne betrat und zu spielen begann. Meine Sicht war trotz der exponierten Lage teilweise eingeschränkt, der Mann auf der Bühne befand sich augenscheinlich im Tunnel zwischen seinen Instrumenten und suchte beim Blick ins Publikum stets die Weite. Gefährlich wurde es nur einmal: Die kleine Mineralwasserflasche, die mitten im Laufweg stand, wurde glücklicherweise von einer Monitorbox abgebremst und war nur noch etwa zu einem Drittel gefüllt.

Man konnte an der einen oder anderen Stelle hören, daß die Tour gerade erst begonnen hat. Einigen der frischeren Stücke fehlte noch der allerletzte Schliff zum sehr speziellen frahmtypischen Live-Flow, der das regelmäßige Besuchen von Konzerten unersetzlich macht. Die Konserve, selbst in Form einer Liveaufnahme, erfaßt es einfach nicht. Genauso wenig wie ich imstande bin, in kluge Worte zu kleiden, was da auf der Bühne, im Raum und in mir selbst passiert. Man läßt sich ein, das Denken setzt aus und dann ist da nur noch Klang, der einen je nach Tagesform fliegen oder aber rettungslos ertrinken läßt. Jedes Mal wieder. Eine Erfahrung mit ganz erheblichem Suchtpotential, und das ist in meinem Fall noch sehr milde ausgedrückt.

Ich bin gespannt, wie sich das im Entstehen befindliche Gesamtkunstwerk “All Melody” weiterentwickelt. Bis April wird die nächste Stufe wohl schon gezündet sein.

Dann werde ich allerdings schräg hinter der Bühne sitzen. In sicherem Abstand.

An diesem Tag

Man kann über Facebook behaupten, was man will, aber es kann extrem praktisch sein. Gerade zu Kommunikationszwecken. Eines meiner Lieblingsfeatures ist die Erinnerungsfunktion, “An diesem Tag” (“On this day”) genannt. Da kommt, das kann man so einstellen, morgens um kurz nach 8 Uhr eine Pushmeldung aufs Telefon, die einem zeigt, was heute vor einem Jahr war. Oder vor zwei Jahren. Oder drei. Das beinhaltet natürlich nur das facebookeigene Gedächtnis, aber wenn man wie ich regelmäßig dort postet, und sei es nur den Link zum neuesten Blogartikel, kommt an manchen Tagen ein interessantes Mosaik zustande.

Die Liste von heute morgen:

Es hat eine Weile gedauert, bis Isabel und Maximilian mich zu einem Auftritt bei “Was machen die da” überreden konnten und es war ein ziemlich merkwürdiges Gefühl, auf diese Weise in der Netz-Öffentlichkeit zu stehen. Gar nicht so angenehm im ersten Anlauf.

Als die ersten Reaktionen eintrudelten, verschwand mein Unbehagen jedoch schnell. Ich lernte gleich eine ganze Reihe neuer Leute kennen, bekam viel Anerkennung, führte einige Diskussionen über Teile des Inhalts und meiner im Text geäußerten Meinung und begriff überhaupt nach Jahren erstmalig, daß das, was ich da gemacht habe, ein ziemlich außergewöhnlicher Job war. Etwas, auf das man stolz sein kann, etwas, was nicht jede(r) kann und macht. Aus meinem Tunnel heraus kam es mir gar nicht so vor, zumal zum Zeitpunkt des Interviews nicht, irgendwann zwischen Tagesgeschäft, Katalogredaktion, Messevorbereitung und den übrigen Widrigkeiten des Arbeitsalltags.

Was seinerzeit angestoßen wurde, auch bezüglich meines Selbstverständnisses, hat Wellen geschlagen. Und es nutzt mir gerade im Moment, denn den Job gibt es mittlerweile nicht mehr und so forsche ich zurzeit nach einer neuen Nische. Der Möglichkeiten sind erfreulich viele, ich ermittele gewissermaßen in alle Richtungen und die ersten Resonanzen sind vielversprechend. Die für mich erreichbaren Dinge mit Meer, Schiff und/oder Seekarten(-daten) sind dabei besonders rar gesäht, aber ich bin an einigem dran, die Grundidee ist ja weiterhin charmant. Auch aus diesem Grunde nutze ich die Gelegenheit, den Artikel aus dem (Facebook-)Archiv ins relative Rampenlicht des Susammelsuriums zu holen.

Wie sagt man so schön im Angelsächsischen? To whom it may concern.

(Jahres-/Konzert-)Rückblick 2017

2017 war aus verschiedenen Gründen ein ziemlich exzessives Konzert- bzw. Kulturjahr. Diesen Takt werde ich in den kommenden zwölf Monaten voraussichtlich nicht halten können. Wobei ja schon im Januar – aber das kommt dann; eins nach dem anderen. Zunächst der Rückblick! Besonders auffällig ist in diesem Jahr der stetig steigende Jazz- und Opernanteil. Ein Schelm, der da auf mein Geburtsdatum schielt: Noch gelingt es mir, bei einschlägigen Veranstaltungen den Schnitt zu senken. Was mich selten freut, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Die bemerkenswerten Premieren:

Neue Orte:

Die Wiederholten:

Ich sah außerdem vier Operninszenierungen in der Staatsoper Hamburg:

  • “Die Frau ohne Schatten” von Andreas Kriegenburg,
  • “La Traviata” von Johannes Erath,
  • “Lulu” von Christoph Marthaler und
  • “Otello” von Calixto Bieito.

Anders als in den letzten Jahren habe ich dieses Mal keinen ersten Platz zu vergeben. Ich erinnere viele schöne, intensive und kuriose Konzertmomente: Barbara Hannigans “Lulu”, ein Kaddish für Sir Jeffrey TateElgar in London, Martin Kohlstedt ohne Strom, die Rauchschwaden in der Kantine am Berghain oder Jarvis Cockers Krawatte, um nur einige zu nennen. Aber das Konzert des Jahres 2017, nein, dafür waren es vielleicht doch zu viele und vor allem zu viele verschiedene.

Was die Wahl des Veranstaltungsortes angeht, so kann es in diesem Jahr nur eine geben: die Elbphilharmonie natürlich. Unglaubliche fünfzehnmal habe ich im vergangenen Jahr mit einem Konzertticket in der Hand die Tube betreten, sechzehn Veranstaltungen waren es ingesamt. Und nein, es wird nicht langweilig. Dafür sorgt schon die Vielfalt der dort auftretenden Künstler. Fortsetzung folgt!

In Concert: Martin Kohlstedt in der Elbphilharmonie

Das Jahr 2017, das steht seit einer Weile schon fest, wird mir als überaus anstrengende Angelegenheit in Erinnerung bleiben, die gerade zum Ende hin einiges zu Wünschen übrig ließ. Die Details erspare ich den geneigten Lesern – die Wiederholungstäter unter euch werden eh mitbekommen haben, wo der Hase zurzeit (noch) im Pfeffer liegt.

Was die Erfüllung musikalischer Wünsche angeht, habe ich allerdings wenig Grund zur Klage. Eine entscheidende Rolle spielten dabei beinahe zwangsläufig die beiden Säle der Elbphilharmonie. Man muß im Prinzip als (Wahl-)Hamburgerin nirgendwo mehr hinfahren. Früher oder später kommen sie alle.

Zu meinen heimlicheren Hoffnungen gehörte es, daß Martin Kohlstedt bei seinem heutigen Auftritt im Großen Saal möglichst viel Zeit am Flügel verbringen würde. Bei den beiden Konzerten zuvor in der Astra Stube und im Volt hatte es schon aus Platzgründen “nur” zu einem elektronischen Setup gereicht. Was mir zwar gut gefiel, aber, auch auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhole: Ich bin nun einmal hemmungslos pianozentriert. In anderen Worten: Das Rhodes kriegt mich, Elektronischeres ebenso, gerne auch alles in Kombination, abgedreht, ausufernd und -fransend, mit allem und scharf. Aber niemals so sehr wie jede akustische Variante. Wobei es auch für diese Regel eine (einzige) Ausnahme gibt. Dazu dann mehr im neuen Jahr.

Daß in der Elbphilharmonie zumindest das Vorhandensein eines Konzertflügels zu erwarten war – geschenkt. Allein, das Album zur Tour heißt “Strom” und klingt im Unterschied zu den Vorgängern “Tag” und “Nacht” auch danach. So war von vorneherein klar, daß der Flügel nicht nur in Gesellschaft auftreten, sondern streckenweise auch klangverfremdet zum Einsatz kommen würde.

Es blieb daher, auf die mir bereits bekannten X-Faktoren zu hoffen: Raum, Zeit, Publikum(-sreaktion), Tagesform. Und tatsächlich geschah, was ich zwar nicht für unmöglich, aber doch für recht unwahrscheinlich gehalten hatte: Martin Kohlstedt zog zur vorletzten Zugabe alle Strippen und widmete sich ausschließlich dem Konzertflügel. Unverstärkt.

Ich habe keine Worte dafür. Auch nicht für den Abend insgesamt. Nur diese: Lieber Martin, ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergeht. In Hamburg und überhaupt.

Wir sehen uns.

In Concert: Barbara Hannigan und Ludwig in der Elbphilharmonie

Ich war ja diese Woche auch noch bei Barbara Hannigan und Ludwig in der Elbphilharmonie und komme einfach nicht dazu, darüber zu schreiben. Dabei war das so toll. Der Debussy, die “Verklärte Nacht”, die Lulu-Suite sowieso und erst recht der Gershwin.

Wer sich von Barbara Hannigan als Dirigentin ein genaueres Bild machen will, sollte sich unbedingt die Dokumentation “Premières répétitions” anschauen, die bis zum 12. Januar 2018 in der arte-Mediathek abrufbar war.