Risiken und Nebenwirkungen

Es läuft zwar noch, aber ich möchte schon jetzt über das diesjährige Harbour Front Literaturfestival berichten. Später im Monat werde ich nicht mehr dazu kommen (eine Klausur droht) und vorhin sind mir endlich ein paar brauchbare Sätze eingefallen zu dem, über das ich einerseits auf diesem Kanal nicht in Ausführlichkeit schreiben möchte, das andererseits aber auch nicht gänzlich unerwähnt bleiben kann – jedenfalls spätestens seit der #Segelsexbuch-Premiere nicht mehr. Dazu später.

eat.READ.sleep mit Sven Regener in der FABRIK

Als Erstes hatte ich mir die Live-Aufzeichnung der 70. Folge des NDR-Podcasts „eat.READ.sleep“ aus dem Programm gepickt: „Würstchen im Schlafrock mit Sven Regener“. Es gibt diverse Menschen in meinem Umfeld, die mich zum regelmäßigen Hören des Podcasts anstiften wollen. Ihr habt alle Recht! Trotzdem ich verweigere mich dem weiterhin. Aus reinem Selbstschutz. Jede Folge bedeutet nämlich mindestens ein weiteres Buch auf meiner Merkliste. Mir reicht schon das, was die BookCrosser*innen „Mt. TBR“ und andere Bookaholics „SuB“ nennen. Von der Pflichtlektüre für das Studium ganz abgesehen. Letztlich erwies sich aber die Kombination aus Live-Event und Stargast als unwiderstehlich. Ein großes Vergnügen! Und im Ergebnis steht – natürlich – ein weiteres Buch auf der Liste. „Glitterschnitter“ nämlich von Sven Regener. Irgendwie ist an mir vorbeigegangen, dass es mittlerweile sechs „Herr Lehmann“-Bücher gibt. Ich kenne davon erst drei. Das muss sich ändern! Ich weiß nur noch nicht, wann.

Thees Uhlmann und Benedict Wells: „Bruce, der Tod und wir“ in der Elbphilharmonie

Die Kombination Uhlmann/Wells hätte sich mir nicht zwingend aufgedrängt. Aber da scheinen sich wirklich zwei gefunden zu haben. Spaß hatten sie, vielleicht ein wenig zu sehr; es wurde mit der Wiederholung etwas anstrengend, dieses „Boah, Mensch! Wir zwei in der Elbphilharmonie!!!!“ Andererseits aber auch sehr rührend. Auf alle Fälle unterhaltsam. Das Springsteen-Cover hat mich zwar nicht ganz überzeugen können, alles Übrige dagegen sehr. Bruce, der Tod, Thees, Benedict und das Danke für die Angst-Trio wurden zu Recht mit Standing Ovations belohnt. Ein Abend, den die Brüder im Geiste auf der Bühne bestimmt nicht vergessen werden.

Buchpremiere „Unsterblich sind nur die anderen“ von und mit Simone Buchholz in der FABRIK

Es war einmal ein #Segelsexbuch. Das hieß zum Zeitpunkt der Buchpremiere in der FABRIK aber noch nicht so. Erst später am Abend eskalierten die Dinge auf Twitter wie in den besten Zeiten dort und das war schön. Ist es immer noch. Ganz großer Spaß und so viel positive Energie, man möchte baden darin. Um nicht zu sagen: SEGELN!

Den neuen Roman von Simone Buchholz – ob mittels Hashtag oder ohne – auf die (Segel-)Sexszenen reduzieren zu wollen ist allerdings Unfug. Ihn ins tradierte Genreschema einzuordnen erscheint unmöglich. Alles sowieso zweitrangig, da für die Wirkung vollkommen irrelevant. Und Wirkung hat er zweifelsohne, wenn auch auf jede*r eine etwas andere – das lese ich zumindest aus den ersten Reaktionen heraus, die im Netz zu finden sind.

Mich trafen dieser Abend und das Buch geradezu irritierend passgenau an einem Kreuzungspunkt. Sie lösten einen dieser glasklaren Augenblicke aus, in denen man sich fragt: „Was mache ich da eigentlich?“ oder, wahlweise: „Was bin ich da im Begriff, zuzulassen?“ und auch gleich die wahrscheinlichste Antwort darauf kennt. „Halt!“, befahl sodann die innere Stimme, „Nicht wieder aufs Riff lotsen lassen.“ Innehalten, nachspüren. Die sich abzeichnende Weichenstellung direkt vor mir betrachten, die nicht meine ist. Sollte ich die ändern? Falls ja: Kann ich es? Falls nein: Ist Weiterfahren ok? Oder besser nicht?

Da hatte ich das Buch noch gar nicht gelesen. Das habe ich inzwischen nachgeholt. Da sind so viele Sätze, den halben Roman könnte ich zitieren und nahtlos drum herum meine eigene Biographie des Liebens und des größtenteils daran Scheiterns formen. Im Moment bewege ich mich zwischen zwei ganz bestimmten Sätzen, aber in ein paar Wochen oder Monaten, wenn ich das Buch ein weiteres Mal lese, werden es andere sein.

Wahrhaftig ein Buddelschiff für den täglichen Bedarf.

In Concert: Clannad in der FABRIK

Zu dem „In a Lifetime – The Farewell Tour“-Konzert von Clannad in der FABRIK kam ich ursprünglich über einen Corona-Konzertgutschein, den ich dann doch nicht einlösen konnte. Last chance to see, dann doch schon!

Clannad begleiten mich seit Mitte der 80er. Der Soundtrack „Legend“ zur britischen Serie „Robin of Sherwood“ war eine der ersten LPs, die ich mir kaufte.

Ich mochte den New Age-Touch dieser Stücke damals sehr, ebenso Titel wie „Newgrange“, „Sirius“, „I Will Find You“ und „In a Lifetime“. Aber wirklich verliebt habe ich mich in die Truppe, als ich das Album „The Celtic Voice“ aus dem Jahr 1997 entdeckte, welches ganz und gar akustisch daherkommt.

Wie es sich für eine „Farewell Tour“ gehört, war am vorgestrigen Abend von allem etwas dabei. In der FABRIK hatten sich mehrheitlich Fans versammelt, die mit ihrer Band in Ehren ergraut waren. Einer der Konzerttermine, bei denen man mit Ende 40 noch den Schnitt senken kann. Ich kannte nur wenige Stücke nicht und befand mich im permanenten Gänsehaut-Modus.

Fazit: Clannad live, das hätte ich längst schon eher machen sollen. Immerhin, ich habe die letzte Chance genutzt.

 

Platzhalter

Worüber ich in den letzten Tagen mangels Zeit, Ruhe und Konzentration nicht gebloggt habe:

Gestern Abend hätt‘ ich können, aber da habe ich diverse Trockenfrüchte in Alkohol eingelegt. Und heute Plätzchen gebacken.

Muss an der Jahreszeit liegen.


*) des laufenden Jahres

In Concert: Das Tingvall Trio in der FABRIK

Ich erinnere nicht mehr genau, wann die Algorithmen bei Spotify angefangen haben, mir Jazz und -verwandtes in den „Mix der Woche“ zu spülen. Plötzlich war da „Remembering“ von Avishai Cohen, dann kamen zwei, drei Sachen von Ibrahim Maalouf dazu, „Kneel Down“ vom Neil Cowley Trio, „746“ vom Trio Elf und so weiter; nicht auffällig viel, aber es war immer mal wieder etwas aus der Richtung dabei.

So auch geschehen mit „Den Gamla Eken“ vom Tingvall Trio. Das war, und das weiß ich in diesem speziellen Fall genau, Anfang Mai dieses Jahres und traf meine seinerzeit (vorsichtig) optimistische Frühlings-Aufbruchsstimmung auf den Punkt. Zwar wurde diese wenige Tage später brutalstmöglich ausgebremst, doch der Titel verblieb in meiner „Best of ‚Mix der Woche'“-Playlist und der Name Tingvall in meinem Gedächtnis.

Auch aus diesem Grunde saß ich Ende August in der Staatsoper und sah und hörte Martin Tingvall zum ersten Mal live spielen. Es gibt einige Pianisten, die mich beeindrucken, faszinieren, deren Spiel ich bewundere und deren Musik zu meinen Lieblingen zählt. Es gibt aber nur sehr, sehr wenige, in die ich aus dem Stand klavierverliebt bin. Martin Tingvall ist erst der Zweite.

Warum genau, ist schwer zu erklären. Wenn ich schreibe, dass ich bei Martin Tingvall nicht höre, wo der Mann aufhört und der Flügel anfängt und dass ihm das Instrument Stimme ist, ist das nur ein Teil. Die Art des Körpereinsatzes spielt eine Rolle, ebenso wie die Tatsache, dass er zu den Menschen gehört, die einem ausgewachsenen Steinway & Sons-Konzertflügel mit all seinen Stärken und Schwächen ganz und gar spielerische, leichte, ja zärtliche Töne entlocken können. Überhaupt, Spielfreude: Wenn es jemanden gibt, auf den dieser Begriff zutrifft, dann auf Martin Tingvall.

Da kommt der Rest des Trios ein bisschen zu kurz, zugegeben. Das ist nicht gerecht, aber ich bin nun einmal hemmungslos pianozentriert. Ich hoffe, Jürgen Spiegel (Drums) und Onar Rodriguez Calvo (Bass) können mir das verzeihen.

Jedenfalls, es war grandios gestern. Die komplett ausverkaufte FABRIK tobte und es wird mit Sicherheit nicht mein letztes Tingvall Trio-Konzert gewesen sein.