In Concert: Douglas Dare im Nachtasyl

“Mindestens so berührend wie auf Platte” – so bewarb der Newsletter Woche für Woche das inzwischen ausverkaufte Nils Frahm-Konzert am kommenden Sonntag auf Kampnagel. Hier irrte Kampnagel: Nils Frahm live schlägt Aufgezeichnetes, sei es nun Download, Silberscheibe oder Vinyl. Gleiches gilt, das weiß ich seit eben, auch für Douglas Dare. Das war nicht nur von den Tasten, der Stimme und den Arrangements her ganz wunderbar, ich bin auch schon lange nicht mehr so fasziniert von einem Drummer gewesen. Schöner Sound, großes Kino.

Wobei ich aber grundsätzlich nichts gegen Tonträger jeglicher Art gesagt haben will. Besonders nicht gegen die von Erased Tapes.

Tomaten zahlen keinen Eintritt!
Tomaten zahlen keinen Eintritt!

Ein dickes Kompliment übrigens noch dem Herrn an der Abendkasse des Nachtasyl, denn er zuckte mit keiner Miene, als ich vorhin mit einer Tomatenpflanze unter dem Arm Einlaß begehrte.

In Concert: Martin Kohlstedt im Volt

Man nehme zweimal Martin Kohlstedt in Hamburg, mit einem vergleichbaren Programm, beide Male in der elektronischen Version, und man bekommt: zwei komplett unterschiedliche Abende.

Ein Teil davon mag dem anderen Raum geschuldet sein. Aber für mich war das heute einer der stärksten Beweise dafür, wie sehr Musik auch Tagesform ist. Und daß genau das kein Handicap bedeuten muß, sondern eine Stärke sein kann.

Junger Mann: Wenn du das durchhältst, dann hast du einen Fan für lange.

In Concert: A Winged Victory for the Sullen in der Volksbühne Berlin

Ich hatte ja gehofft, daß es Ton- und Bildmaterial geben würde von dem A Winged Victory for the Sullen-Konzert am 1. März in der Volksbühne Berlin. Aber der Soundcheck-Film von Robin Thomson trifft die Atmosphäre des Abends tatsächlich noch viel besser, als ein Konzertmitschnitt es vermocht hätte.

N-JOY Abstrait (2005-2015)

Vor Jahren stolperte ich über eine Webseite, auf der Radiopannen gesammelt wurden. Da gab es Klassiker wie den Röschenhof (mdr) und die SWR3-Wanderbaustelle (“Sie erkennen sie am Rucksack!”), den als Blindmann beschimpften Schiedsrichter und auch – obwohl tagesschau und somit nicht Radio, sondern Fernsehen – Dagmar Berghoffs legendäres “WC(T)-Tunier” nebst komplett verlachter Lottozahlen war dort vertreten.

Meine allerliebste Lieblings-Radiopanne ist dagegen vergleichsweise schlicht: “Es ist genull nau Uhr”. Ich schmunzele immer, wenn ich einen Nachrichtensprecher diesen Satz in der korrekten Variante sagen höre. Das kommt nicht so furchtbar oft vor, aber seit geraumer Zeit doch mindestens einmal die Woche. Sofern irgend möglich. Und deswegen, dieses Geheimnis lüfte ich jetzt und hier, liest meine kleine Twitter-Gemeinde diesen Satz an beinahe jedem Sonntag (bzw. Montag) um & bei null Uhr. Oft sind es nur die fünf Wörter. Manchmal ist es mehr, und bisweilen paßt das nicht in 140 Zeichen. So wie heute.

Ist es schon? Ja. Es ist genull nau Uhr. Ich schreibe diesen Satz ab heute noch genau dreimal und werde mir dann ein neues Sonntagabend-Ritual suchen müssen. Und das gefällt mir nicht.

Wenn einer eine Reise tut

Stellt euch vor, ihr denkt: Es ist ja Wetter (Springtide und recht starker Wind), die Fähre hat sicher nur Verspätung. Stellt euch vor, der Ausflugsdampfer, der ersatzweise den Fährdienst übernimmt, fährt euch deswegen vor der Nase weg. Weil es weder ein Schild gibt noch einen sonstigen Hinweis und nicht einmal der Busfahrer auf die Idee kommt, daß es so sein könnte.

Stellt euch dann vor, daß die nächste Fähre erst in zwei Tagen fährt, euer geplanter Halligaufenthalt aber nur vier Tage lang ist.

Nicht schön, oder?

Es lebe die Deutsche Post!
Es lebe die Deutsche Post!

Aber: Alles wurde gut. Unsere rettenden Engel hießen Angelika und Hanni und die beiden haben seit heute praktisch jeden Wunsch bei uns frei.

Noch ein Koffer in Berlin

Als ich 1994 zum ersten Mal nach dem Fall der Mauer nach Berlin fuhr, war es mein Hauptziel, einmal durchs Brandenburger Tor zu gehen. Aber was war das Brandenburger Tor, die ganze Woche lang? Richtig, gesperrt. Es wurden gerade Tribünen für die Verabschiedung der ehemaligen Besatzungsmächte aufgebaut. Ich stand am Bauzaun und bettelte vergeblich; die Bauleute ließen mich nicht durch.

Brandenburger Tor

Die Premiere fand somit erst ein paar Jahre später statt, als ich zu Silvester – 1998/99 war das, glaube ich – von feiernden Massen durchs Tor geschoben wurde. Dabei hat mir so ein armseliger Wicht meine Kamera aus der Jackentasche geklaut. Der konnte ja nicht wissen, daß die mir ein paar Minuten vorher auf die Straße gefallen und somit sehr wahrscheinlich unrettbar kaputt war. Schade war’s nur um den Film.

1994 bin ich auch zum ersten Mal auf dem Prenzlauer Berg gewesen. Das Zeiss-Großplanetarium ist mir damals aufgefallen, aber hingegangen bin ich nicht.

Als ich vor ein paar Tagen meine Gedanken zu einem gewissen Hamburg/Berlin-Resonanzort im (Hamburger) Stadtpark aufschrieb, kam mir die Idee, den Spieß umzudrehen und am kommenden Wochenende das Planetarium in Berlin zu besuchen. Meine Unterkunft ist nämlich passenderweise ganz in der Nähe.

Soeben rufe ich also die Webseite auf und lese: “Wir modernisieren für Sie!” Seit 1. April 2014. Bis voraussichtlich Anfang 2016. Abgesehen davon, daß ich mich frage, ob das mit der Planetariums-Renoviererei vielleicht ansteckend ist: Da bleibt wohl auch diesmal wieder ein Koffer in Berlin.

Je nun. Ich bin’s nicht anders gewohnt.

Verpaßt

Nein, das war nicht mein Lauftag heute. Der Abruch erfolgte bei rund 7,5km an exakt der Stelle des Rundkurses der Bramfelder Winterlaufserie, an der ich schon im Dezember das Handtuch werfen mußte. Vielleicht sollte ich den Ort mal mit einer Wünschelrute abgehen. Aber sei’s drum. Besser jetzt als beim Insellauf im April. Oder gar beim Halbmarathon im Juni.

Viel blöder war, daß ich ein weiteres Mal die Chance auf die Wetteransage im Hamburg Journal verpaßt habe. Die finde ich nämlich ganz besonders niedlich. Außerdem habe ich mal irgendwann, als ich noch recht frisch in Hamburg war, zu irgendwem gesagt: “Wenn ich es schaffe, das Wetter im ‘Hamburg Journal’ anzusagen, dann bin ich hier angekommen!”

Das hatte ich zwar damals nicht ganz ernst gemeint und außerdem bin ich vorsichtig geworden beim arglosen Sprechen in Mikrophone, auf denen das Logo eines öffentlich-rechtlichen Senders prangt. Das kann nämlich noch nach Jahren zu ganz und gar ungeahnten Konsequenzen führen.

Dennoch, es hängt mir irgendwie nach. Mag sein, daß zusätzlich eine Art Wettbewerbssituation eingetreten ist, weil eine gewisse, ebenfalls zugezogene Person in meinem Bekanntenkreis tatsächlich schneller war an dieser Hürde.

Zweimal war es schon knapp bisher: Bei der ersten Gelegenheit hätte ich ein entzückendes blondes Kind ausstechen müssen, was ich insbesondere mit Blick auf die stolzstrahlende Begleitmutti tunlichst vermied. Und dann war da noch die Lotsenschoner-Fahrt, zu der ich entweder nicht konnte oder nicht wollte, ich weiß nicht mehr genau.

Jedenfalls, als ich heute bei meiner zweiten Einlaufrunde das NDR-Fernsehteam sah und im Vorbeizockeln gerade noch die Instruktion “… und es ist wichtig, daß sie ganz deutlich ‘morgens…'” mitbekam, wußte ich: diesmal liege ich wirklich sehr dicht daneben.

Immerhin bin ich beim “Guten Abend, Hamburg!”-Sprechchor dabei. Wenn auch ziemlich weit hinten.