Sonntagsrunde

Inzwischen bin ich bei meinen Laufbemühungen wieder auf dem Stand “15km am Stück sind mühsam, aber machbar” angelangt. Wenn irgend möglich beschränke ich mich daher Sonntag morgens nicht mehr auf den Stadtpark, sondern trabe an dessen südlichen Rand entlang weiter bis zur Alster, einmal links um ebenjene herum und wieder zurück durch den Stadtpark nach Hause.

Die Alsterrunde ist eine sensationell schöne Strecke, aber zugleich auch Naherholungsgebiet und Laufsteg und entsprechend gut frequentiert. Schlau ist, wer möglichst früh startet. Was heute morgen leider wieder nicht geklappt hat. Diesmal nicht etwa, weil ich zu spät aus den Federn kam, sondern weil ich es für sicherer hielt, den Durchzug des Gewitters abzuwarten. Zu eindrucksvoll ist mir noch das Bild vom Freitag abend im Gedächtnis: das Rettungssanitätergrüppchen, heftig bemüht um einen kollabierten Jogger. Ein Teil von mir hofft ja immer noch, daß das ein Training war. Da standen verdächtig viele Retter herum, darunter ein hoher Anteil an jungen Leuten. Andererseits hätte ich mich als Übungsobjekt nicht so bearbeiten lassen. Eine Puppe war das jedenfalls nicht.

Man mische das mit der weiterhin ungelösten Arbeitssituation sowie dem mehr als unbehaglichen Gefühl, Bilder vom “eigenen” Edekamarkt in den Abendnachrichten zu sehen und die entsprechende Meldung dazu zu hören und erhalte einen sehr verhaltenen Wochenendstart.

We shall overcome

Apropos Edeka. Während ich nach absolviertem Sonntagslauf beim Bäcker schräg gegenüber meine Kuchenbelohnung erstehe, steht vor dem Laden ein buntgemischter Chor und singt “We shall overcome”.

One sincerely hopes so.

Happy Birthday

In den letzten drei Jahren verliebte ich mich zweimal.

Das erste Mal war von der Sorte “keine gute Idee”. Das wußte ich gleich, aber manchmal ist das eben so: Der Kopf weiß es besser, aber der Rest des Systems zieht nicht mit. Dennoch dauerte es erstaunlich lange, bis ich damit durch war. Aber eines Tages war es soweit und ehe ich mich versah, verliebte ich mich ein weiteres Mal.

Diesmal ohne wenn und aber. Kopf, Bauch und Herz waren sich in Rekordzeit einig. In einer Weise, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Als wäre alles andere zuvor nur ein Probelauf gewesen. Ich war zu allem bereit und schickte mich zum Höhenflug an.

Jedoch: “It takes two to tango”. Das wußte schon Louis Armstrong.

Was folgte, ist schwer mit Worten zu beschreiben. Meine Gemütslage war derart radikal, daß ich mich dazu entschloß, mir im zarten Alter von 42 Jahren ein Tattoo zuzulegen. Mit dem Gedanken hatte ich schon lange gespielt und der Sommer hatte mir nun auch endlich ein Motiv geliefert. Eines, das Wasser, Himmel und Hamburg symbolisiert und in dieser Kombination zeitlos genug ist, um es sich unter die Haut ritzen zu lassen.

Alsterschwanenfreund
Alsterschwanenfreund

Der Alsterschwanenfreund hatte, ähnlich wie Schnurpsel, der König des Rondeelteichs, keinerlei Berührungsängste bei unserer Begegnung auf dem Wasser. Mangoschale und Studentenfutter trafen seinen Geschmack zwar nicht, aber die Brösel des ebenfalls mitgeführten Müsliriegels wurden begeistert verschlungen. Trotz aller Gier war seine Schnabelführung dabei außergewöhnlich zärtlich. Einmal zwickte er mir sogar ganz sachte in die Nase – wie ist das, schnäbeln Schwäne eigentlich? Dieser hat es jedenfalls versucht.

Schwanenfreund
Schwanenfreund

Der kleine Schwanenfreund auf meinem Rücken wird heute ein Jahr alt.