Die Schwanenfreundbriefe (5): Paul

Colonnaden, 10. 12. 2015

Lieber M.,

heute hat Susanne mich zum Gesundheitscheck gebracht. Wir haben dabei unseren Freund Paul wiedergetroffen.

Paul ist eine französische Bulldogge und ein bisschen seltsam. Susanne lacht immer noch, wenn sie daran denkt, wie er direkt vor ihr auf den Teppich gekotzt hat. An dem Tag, an dem ich aus F.s Tintentopf geschlüpft bin. Und ihre Begleiterin wusste zu berichten, dass er später noch ganz furchtbar geschnarcht hat.

Aber ich schweife ab. Susanne hat Dir ja schon erzählt, dass meine Federkleidlinie an einigen Stellen blass geworden ist. Nun muss ich kurz vor dem Jahreswechsel nochmal unters Messer bzw. unter die Nadel. Onkel A. meint zwar, wir sollen ganz entspannt bleiben. Das komme sehr häufig vor, ja, es sei fast schon normal. Gerade er muss es eigentlich wissen; er ist der tätowierteste Mensch, den Susanne kennt. Mir ist trotzdem ein wenig bang zumute.

Drückst Du mir bitte die Federn?

Etwas geknickt,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Happy Birthday

In den letzten drei Jahren verliebte ich mich zweimal.

Das erste Mal war von der Sorte “keine gute Idee”. Das wusste ich gleich, aber manchmal ist das eben so: Der Kopf weiß es besser, aber der Rest des Systems zieht nicht mit. Dennoch dauerte es erstaunlich lange, bis ich damit durch war. Aber eines Tages war es so weit und ehe ich mich versah, verliebte ich mich ein weiteres Mal.

Diesmal ohne Wenn und Aber. Kopf, Bauch und Herz waren sich in Rekordzeit einig. In einer Weise, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Als wäre alles andere zuvor nur ein Probelauf gewesen. Ich war zu allem bereit und schickte mich zum Höhenflug an.

Jedoch: “It takes two to tango”. Das wußte schon Louis Armstrong.

Was folgte, ist schwer mit Worten zu beschreiben. Meine Gemütslage war derart radikal, dass ich mich dazu entschloss, mir im zarten Alter von 42 Jahren ein Tattoo zuzulegen. Mit dem Gedanken hatte ich schon lange gespielt und der Sommer hatte mir nun auch endlich ein Motiv geliefert. Eines, das Wasser, Himmel und Hamburg symbolisiert und in dieser Kombination zeitlos genug ist, um es sich unter die Haut ritzen zu lassen.

Alsterschwanenfreund
Alsterschwanenfreund

Der Alsterschwanenfreund hatte, ähnlich wie Schnurpsel, der König des Rondeelteichs, keinerlei Berührungsängste bei unserer Begegnung auf dem Wasser. Mangoschale und Studentenfutter trafen seinen Geschmack zwar nicht, aber die Brösel des ebenfalls mitgeführten Müsliriegels wurden begeistert verschlungen. Trotz aller Gier war seine Schnabelführung dabei außergewöhnlich zärtlich. Einmal zwickte er mir sogar ganz sachte in die Nase – wie ist das, schnäbeln Schwäne eigentlich? Dieser hat es jedenfalls versucht.

Schwanenfreund
Schwanenfreund

Der kleine Schwanenfreund auf meinem Rücken wird heute ein Jahr alt.