In Print: “Geschichte vom Soldaten und dem Schwanenprinzen” von Dagmar Möhring

Dieses Buch fiel mir kürzlich bei der Vernissage einer Schülerausstellung der Kunstschule Hamburg-KAW in die Hände und wer die Einträge der letzten Wochen hier verfolgt hat, wird nachvollziehen können, warum ich es sofort gründlich begutachten und dann auch kaufen musste. Aber es sind nicht nur die zauberhaften (Schwanen-)Illustrationen, die mich begeistern.

Geschichte vom Soldaten und dem Schwanenprinzen
Geschichte vom Soldaten und dem Schwanenprinzen

Der Prinz wird vor dem Traualtar von der unglücklich in ihn verliebten Gärtnerin in einen Höckerschwan verwandelt. Der Soldat hat seine eigenen Gründe, warum er sich das Tier im anschließenden Trubel kurzerhand unter den Arm klemmt, um sich mit ihm auf die Suche nach der (mittlerweile verschwundenen) Gärtnerin zu machen. Als die beiden diese nach Jahren der Wanderschaft schließlich finden, erfolgt die Rückverwandlung des Schwanenprinzen nicht ganz nach den üblich verdächtigen Märchenregeln. Sicher ein Grund, warum Dagmar Möhring die Geschichte mit dem Untertitel “Ein Märchen für Erwachsene” versehen hat.

Das Buch ist in Eigenregie erschienen und für 15 Euro in der Kunstschule Hamburg-KAW zu kaufen. Aber eigentlich gehört es in das Programm eines entsprechenden Verlags – nahezu so, wie es ist, nur selbstverständlich als Hardcover – und wenn ich wen kennen würde, der in einem Haus arbeitet, für das solches infrage käme, ja dann!

Aber vielleicht liest hier ja jemand mit, auf die oder den das zutrifft. Eine Leseprobe kann man hier herunterladen.

Die Schwanenfreundbriefe (5): Paul

Colonnaden, 10. 12. 2015

Lieber M.,

heute hat Susanne mich zum Gesundheitscheck gebracht. Wir haben dabei unseren Freund Paul wiedergetroffen.

Paul ist eine französische Bulldogge und ein bisschen seltsam. Susanne lacht immer noch, wenn sie daran denkt, wie er direkt vor ihr auf den Teppich gekotzt hat. An dem Tag, an dem ich aus F.s Tintentopf geschlüpft bin. Und ihre Begleiterin wusste zu berichten, dass er später noch ganz furchtbar geschnarcht hat.

Aber ich schweife ab. Susanne hat Dir ja schon erzählt, dass meine Federkleidlinie an einigen Stellen blass geworden ist. Nun muss ich kurz vor dem Jahreswechsel nochmal unters Messer bzw. unter die Nadel. Onkel A. meint zwar, wir sollen ganz entspannt bleiben. Das komme sehr häufig vor, ja, es sei fast schon normal. Gerade er muss es eigentlich wissen; er ist der tätowierteste Mensch, den Susanne kennt. Mir ist trotzdem ein wenig bang zumute.

Drückst Du mir bitte die Federn?

Etwas geknickt,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Die Schwanenfreundbriefe (4): Verliebt!

Hamburg-Barmbek, 6. 12. 2015

Lieber M.,

ich bin verliebt! Schau doch mal, was Susanne gefunden hat!

Verliebt!

Wobei, Susanne hat es gar nicht gefunden. Das war die schöne, kluge Frau und das kam so: Susanne war neulich mit ihr und Onkel F. beim BOY-Konzert. Nach den ersten zwei Stücken sagte Susanne zur schönen, klugen Frau:

“Wieso denke ich eigentlich, dass das Sommermusik ist… ach, warte, habe ich die neue CD nicht als Erstes bei euch gehört?”

Schöne, kluge Frau: “Stimmt! Zu F.s Geburtstag!”
Susanne: “Das war an dem Tag, an dem ich den Alsterschwanenfreund kennengelernt habe – -”
Schöne, kluge Frau: “Ich erinnere mich. Du hast noch Fotos von dem Trompeterschwan-Buch gemacht, das bei uns im Regal steht…”
Susanne: “… und das vorne drauf einen Höckerschwan hat. Da hat bei Diogenes einer nicht richtig aufgepasst. Aber großartige Illustration.”
Schöne, kluge Frau: “Du, da fällt mir ein, guck doch mal bei Armed Angels, die haben gerade ein ganz tolles Shirt…”

Susanne hat es gleich am nächsten Tag bestellt. “Das schenken wir uns zum Nikolaus”, hat sie gesagt. “Weil du so brav warst.” Leider ist das Päckchen nicht mehr rechtzeitig vor Nikolaus angekommen. Trotzdem, das ist so schön! Ich freue mich.

Begeistert,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Die Schwanenfreundbriefe (3): Der e-te Dezember

An der Elbphilharmonie, e. 12. 2015

Lieber M.,

apropos lustige Weihnachtsgeschichte. Als Susanne und ihre Schwestern noch ganz klein waren, hat Susannes Mama ihnen einen Adventskalender gebastelt und sich dabei verstickt.

Der e-te Dezember

Jahrelang ist das keinem aufgefallen, bis eines Tages einer ihrer Onkel feixend davor stand und meinte: “Was ist denn das, der e-te Dezember?!” und seitdem gibt es diesen ganz speziellen Feiertag in Susannes Familie.

Das auf dem Foto ist übrigens nicht das Original. Susannes Schwester hat den Kalender vor einiger Zeit reproduziert, damit in jedem der inzwischen vier Haushalte der e-te gebührend gefeiert werden kann.

Als Susanne heute Morgen ihren Freunden einen fröhlichen e-ten Dezember gewünscht hat, hat Tante G. prompt reagiert: Auf ihrem Adventskalender ist heute auch der e-te! Sie meint, der stamme aber wohl aus chinesischer Massenproduktion. Ich finde das trotzdem ziemlich toll.

Alles Liebe,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Die Schwanenfreundbriefe (2): Die Weihnachtsgurke

Im Amber Café, 1. 12. 2015

Lieber M.,

eine Weihnachtsgurke ist doch aber gar nichts zum Essen! Die ist aus Glas!

Dazu gibt es eine lustige Geschichte. Vor Jahren hat nämlich Tante M. aus Vancouver Susanne erzählt, dass da drüben, auf der anderen Seite des Atlantiks, ganz viele Leute glauben, dass es in Deutschland den traditionellen Brauch des “Christmas Pickle” gibt. Das Lustige dabei: In Deutschland hat kaum einer je davon gehört. Susanne sagt, so etwas nennt man heutzutage eine Urban Legend.

Die Weihnachtsgurke

Sie hat sich jedenfalls köstlich darüber amüsiert, sofort ein Exemplar gekauft, es bei ihrer Mutter in den Weihnachtsbaum gehängt und Tante M. Fotos davon geschickt. Und seitdem gehört die Gurke zum Schlitten dazu.

Die Sache mit dem Sturm und Drang habe ich nicht so ganz verstanden. Susanne hat gelächelt und gemeint, das sei ein Wortspiel. Mehr wollte sie mir nicht erklären; ich sei dafür noch zu klein. Dabei bin ich so klein gar nicht, meine Flügelspannweite beträgt ungefähr 17 cm!

Alles Liebe,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Die Schwanenfreundbriefe (1): Der erste Advent

Hamburg-Barmbek, 29. 11. 2015

Lieber M.,

heute Nachmittag haben Susanne und ich den Schlitten geschmückt. Ja, Schlitten! Susanne hat nämlich keinen Weihnachtsbaum oder Adventskranz, sondern schmückt einen alten Holzschlitten mit ganz vielen verschiedenen Sachen, z. B. dänischen Weihnachtswichteln, Segelschiffen in Glaskugeln, einer Weihnachtsgurke, Sternen aus Holz, Porzellan, Filz und Papier und verschiedenen Tieren.

Der erste Advent

Ich war ein bisschen geknickt, weil kein Schwan dabei ist. Aber Susanne hat mir erklärt, dass der Schwan weder ein Weihnachtssymbol ist, noch als traditionelles Weihnachtsessen gilt. Das ist wiederum sehr beruhigend. Außerdem meint sie, dass es schwierig ist, eine Schwanensache für den Schlitten zu finden, die nicht kitschig oder verglitzert oder beides ist. Da hat sie wohl leider recht.

Draußen stürmt es jetzt und ich bin froh, dass wir auf dem Sofa sitzen. Susanne liest Patrick O’Brian und ich höre Nils Landgren dabei zu, wie er zusammen mit seinen Freunden die zauberhafteste Weihnachtsmusik macht. Im Bratapfelbräter blubbert dazu ein Bratapfel und duftet schon ziemlich lecker.

Ich hoffe, Du hattest einen schönen ersten Advent.

Bis bald,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen. Vielleicht verlieren wir dadurch endlich das Gefühl, über Monate Perlen vor die Säue geworfen zu haben.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Happy Birthday

In den letzten drei Jahren verliebte ich mich zweimal.

Das erste Mal war von der Sorte “keine gute Idee”. Das wusste ich gleich, aber manchmal ist das eben so: Der Kopf weiß es besser, aber der Rest des Systems zieht nicht mit. Dennoch dauerte es erstaunlich lange, bis ich damit durch war. Aber eines Tages war es so weit und ehe ich mich versah, verliebte ich mich ein weiteres Mal.

Diesmal ohne Wenn und Aber. Kopf, Bauch und Herz waren sich in Rekordzeit einig. In einer Weise, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Als wäre alles andere zuvor nur ein Probelauf gewesen. Ich war zu allem bereit und schickte mich zum Höhenflug an.

Jedoch: “It takes two to tango”. Das wußte schon Louis Armstrong.

Was folgte, ist schwer mit Worten zu beschreiben. Meine Gemütslage war derart radikal, dass ich mich dazu entschloss, mir im zarten Alter von 42 Jahren ein Tattoo zuzulegen. Mit dem Gedanken hatte ich schon lange gespielt und der Sommer hatte mir nun auch endlich ein Motiv geliefert. Eines, das Wasser, Himmel und Hamburg symbolisiert und in dieser Kombination zeitlos genug ist, um es sich unter die Haut ritzen zu lassen.

Alsterschwanenfreund
Alsterschwanenfreund

Der Alsterschwanenfreund hatte, ähnlich wie Schnurpsel, der König des Rondeelteichs, keinerlei Berührungsängste bei unserer Begegnung auf dem Wasser. Mangoschale und Studentenfutter trafen seinen Geschmack zwar nicht, aber die Brösel des ebenfalls mitgeführten Müsliriegels wurden begeistert verschlungen. Trotz aller Gier war seine Schnabelführung dabei außergewöhnlich zärtlich. Einmal zwickte er mir sogar ganz sachte in die Nase – wie ist das, schnäbeln Schwäne eigentlich? Dieser hat es jedenfalls versucht.

Schwanenfreund
Schwanenfreund

Der kleine Schwanenfreund auf meinem Rücken wird heute ein Jahr alt.

Der König des Rondeelteichs

Drei Sommer lang habe ich im eigenen Kajak auf dem Rondeelteich ungestört mein Abendessen genießen dürfen. Das ist jetzt vorbei, denn heute hat Er mich entdeckt. Er, das ist Schnurpsel, der König des Rondeelteichs. Er mag Pizza, gerne auch ohne Bitte & Danke in ganzen Stücken und direkt aus der Tupperdose.

Der König des Rondeelteichs

“Hach, diese Ruhe! Und endlich Abendessen.”

Der König des Rondeelteichs

“Hab ich da ‘Abendessen’ gehört? Was gibt’s denn?”

Der König des Rondeelteichs

“Hmmm! Pizza! Selbstgemacht?”

Der König des Rondeelteichs

“Sieht echt lecker aus…”

Der König des Rondeelteichs

*SCHNAPP*

Der König des Rondeelteichs

*SCHNURPSELSCHNURPSEL* – “Ey! Das war mein Abendessen!”

Der König des Rondeelteichs

“Ich hab nix mehr!”

Der König des Rondeelteichs

“Och. Doof…”

Der König des Rondeelteichs

“… echt nicht?” – “Echt nicht.”

Nächstes Mal nehme ich Nudelsalat mit.