In Concert: Nonkeen in der Laeiszhalle

Dann waren da noch Nonkeen, gestern in der Laeiszhalle, und sie kamen dort live & in Farbe deutlich nilsfrahmiger daher als auf dem Tonträger “The Gamble”. Wenn man die Augen etwas zukniff, den Blick auf die rechte Bühnenhälfte konzentrierte und außer Acht ließ, dass da weder “Una Corda”, noch das kleine Klavier, noch der Flügel und auch keine Klobürsten zu sehen waren, konnte man sich kurzfristig einbilden, im Zeitsprung 9 bzw. 12 Monate zurück wieder auf Kampnagel zu sein. Was durchaus großartig war; wenn auch etwas herausfordernd, aus emotionalen Gründen. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls: Nils Frahm mit Groove, das geht hervorragend. Entscheidenden Anteil daran hatte Gastmusiker Andrea Belfi, der mir gelegentlich gern auch in anderen musikalischen Zusammenhängen wieder begegnen darf.

Wie immer ganz furchtbar und ein Abzug in der B-Note: die Luft in der voll besetzten Laeiszhalle nach einem sonnigen Tag. Das hätte mich beinahe die Zugabe (mit Martyn Heyne) gekostet. Schlimme Sache, die war nämlich ganz besonders phantastisch.

Vielen Dank übrigens an die “Quatschmacher” am Mikro, das vor der Orgel stand. Ich sah nämlich auf der Bühne zwar den weiß verkleideten Spieltisch, suchte aber vergebens die zugehörigen Pfeifen von “Maus Hahn Petersohn” und begriff zuerst gar nicht, wo der Fehler im Bild war…

Hattrick

Und so ergab es sich also, dass per Stand heute Tickets an meiner Küchenpinnwand hängen für

  1. Nils Frahm mit Nonkeen in der Laeiszhalle (5. 5.),
  2. Ólafur Arnalds mit Kiasmos im Uebel & Gefährlich (13. 5.),
  3. Nils Frahm & Ólafur Arnalds im Musée du Louvre (29. 5.).
Une nuit sous la Pyramide
Une nuit sous la Pyramide

That escalated quickly.

In Concert: Ludovico Einaudi und Ensemble in der Laeiszhalle

Die 1. Reihe in der 1. Loge des 2. Ranges der Laeiszhalle entpuppte sich heute wider Erwarten als perfekter Platz. Von dort aus sieht man die Bühne aus der Art Vogelperspektive, wie man sie aus Musikvideos kennt. Nur die Zoomstufe hätte etwas größer sein können. Sowieso, denn von der Höhe her ist das meine Schmerzgrenze. Ludovico Einaudi war zudem dankenswerterweise mit dem Rücken zum Publikum am Flügel positioniert und dann sitzt man dort sogar noch hinter den Boxen. Man hört die Musik also ungefähr so, wie auch die Musiker sie hören.

Signor Einaudi und sein Ensemble starteten verhalten. Aber spätestens bei der Solostrecke wusste ich wieder, warum ich fast 60 Euro für das Ticket in luftiger Höhe bezahlt und ca. 6 Monate vor dem Konzerttermin damit gerade eben den letzten Platz ergattert hatte, von dem aus man die Bühne noch einigermaßen einsehen konnte. “Nuvole Bianche” motte ich hiermit ein. Ich werde das Stück nie wieder spielen können, ohne die Version im Kopf zu haben, die ich heute gehört habe. Ich kann das so nicht einmal ansatzweise reproduzieren. Das muss ich gar nicht erst versuchen, da kenne ich mein Limit.

Zu meiner Überraschung lernte ich heute außerdem zwei mir bis dato komplett unbekannte Musikinstrumente kennen: Eine Metallplatte, die, in einen Wasserbehälter getaucht, mit einem Schlägel geschlagen wird und ein Objekt, das wie ein schräg abgesägter Vogelkäfig mit Mittelstange aussah, mit einem Bogen gespielt wurde und ebenfalls Wasser enthielt. Keine Ahnung, wie die Dinger heißen. Eine Umfrage in Reihe 1 der Loge 1 brachte kein Ergebnis; wir hatten alle die gleichen Fragezeichen im Gesicht.

Eine andere Geschichte ist, warum ich beinahe mit einer Bohrmaschine unterm Arm zum Konzert gekommen wäre. Mir schien das unangemessen, weswegen ich es dann doch nicht tat. Das wäre nicht nötig gewesen: Auf der Bühne gab es nämlich außerdem noch eine (singende) Säge.

In Concert: Kent Nagano und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg in der Laeiszhalle

“Ich liebe unsere Laeiszhalle”, hat Kent Nagano vorhin gesagt. Aber in Wirklichkeit ist er ganz wild darauf, sich demnächst in der Elbphilharmonie austoben zu können. Im nächsten Jahr wird es so weit sein (Pssst: irgendwas mit Mahler). Uh, das wird teuer – aber da muss ich wohl mit. Mein Vorsatz für die kommende Spielzeit lautet nämlich: mehr Philharmonisches Staatsorchester Hamburg.

Zum heutigen Abend (6. Philharmonisches Konzert): Eine Schwäche für Debussy habe ich sowieso, vielleicht werde ich diesem Leben doch noch Fan von Béla B. und “Le Sacre du Printemps” ist schlicht & einfach ein saugeiles Stück. Oder, wie Chilly Gonzales sagen würde: “Hashtag #TeamStravinsky!”

In Concert: “Stan & Olli” mit Stephan Graf von Bothmer in der Laeiszhalle

Durch die Internationalen Bonner Stummfilmtage entdeckte ich vor Jahren meine Liebe zum Stummfilmkonzert. Um auf die Idee zu kommen, dieser Leidenschaft auch in Hamburg weiter zu frönen, musste ich erst einmal nach Berlin fahren. Klingt komisch, war aber so und ist wieder eine andere Geschichte. Kurzum: Die Filmkonzerte des NDR Sinfonieorchesters und der Hamburger Symphoniker sind seither fester Bestandteil meines Konzertkalenders.

Bei Stephan Graf von Bothmer ist ein Stummfilmkonzert nicht nur das, sondern besteht aus einem (Ostfriesen-)Witz, Werbung (“Kupferberg Gold”, von 1912), Trailern (Eigenwerbung, aber hey!), einem Musikstück ohne Film und dann kommt der Film, bzw. in diesem Falle: die Filme (4x “Stan & Olli”). Man lernt so nebenher einiges über die Stummfilmzeit, wie damals Filme vorgeführt wurden und kommt darüber hinaus ganz unverhofft in den Genuss, dem Pianisten dabei zuzuschauen, wie er Rachmaninow mit mit Bondage-Tape – welches übrigens aus Vinyl besteht, hättet ihr’s gewusst? – verbundenen Augen zu spielen versucht. Hat die Laeiszhalle wohl auch noch nicht gesehen.

Unterm Strich: großes Kino! Den “Nosferatu” im April überleg ich mir glatt noch. Obwohl da meine Lieblingsversion eigentlich schon lange feststeht.

Eins noch: Stephan Graf von Bothmer macht übrigens auch Fußballkonzerte. Das ist “Public Viewing” ohne Ton, statt dessen filmmusikalische Klavierimprovisation. Das möchte er gerne auch in Hamburg machen und sucht dafür einen Raum. Wer was weiß: Er freut sich! Und ich mich auch, das will ich nämlich sehen/hören.

In Concert: “Panzerkreuzer Potemkin” mit dem NDR Sinfonieorchester auf Kampnagel

Was ich ja fast unterschlagen hätte: das gestrige (Stumm-)Filmkonzert “Panzerkreuzer Potemkin” (1925) auf Kampnagel mit dem NDR Sinfonieorchester. Wie immer ganz großes Kino und zudem ein interessanter Kontrast zum spanischen “Blancanieves” (2012) mit den Hamburger Symphonikern zwei Tage zuvor.

Als Nächstes ist wieder die Laeiszhalle dran! Und dann ist es bitte wieder ausverkauft – wo kommen wir denn sonst hin, das geht doch so nicht.

In Concert: “Lichter der Großstadt” mit den Hamburger Symphonikern in der Laeiszhalle

Sagte ich bereits, wie großartig diese (Stumm-)Filmkonzerte sind? Das gilt nicht nur für die des NDR Sinfonieorchesters auf Kampnagel, sondern auch für die Reihe der Hamburger Symphoniker in der Laeiszhalle.

Nächste Chance: Dezember 2015 (“Blancanieves”) und Februar 2016 (“Goldrausch”)!

In Concert: Jeffrey Tate und die Hamburger Symphoniker in der Laeiszhalle

Dass es eher weniger fröhlich wird, hatte ich erwartet. „Mahlers Neunte“ – das 3. Symphoniekonzert der Hamburger Symphoniker, mit einem Satz aus “Der Tod und das Mädchen” als dramaturgisches Intro, im November, bei entsprechendem Wetter und obendrein noch am Volkstrauertag. Nicht eben antizyklisch. Aber geschenkt; ich war schwer angefixt durch das “Planeten”-Konzert vor ein paar Wochen, wollte sehen, wie Jeffrey Tate diese Packung dirigiert und fühlte mich ausreichend gewappnet.

Zu Beginn des Konzerts “Do not go gentle into that good night” von Dylan Thomas – von ihm selbst gelesen – abzuspielen, war allerdings Strafverschärfung. Dahin war das Gewappnet-Sein, noch bevor die erste Note erklang.

Respekt, liebe Symphoniker! Das hat gesessen. Ich komme wieder.