Jedes Jahr suche ich mir ein oder zwei Konzerte aus dem Programm des Schleswig Holstein Musik Festival aus, zumeist solche, die dem Etikett zum Trotze in Hamburg stattfinden. Aber auch Lübeck und Elmshorn sind unter normalen Umständen selbst unter der Woche und ohne Übernachtungsarrangement mit dem ÖPNV realistisch erreichbare Ziele.
Dieses Jahr fiel meine Wahl auf die „Nordic Alehouse Sessions“ mit den Barokksolistene in der Alten Reithalle Elmshorn. Nur hatte ich dummerweise die Rechnung ohne die Deutsche Bahn AG gemacht. Denn seit dem 18. Juli und noch bis zum 31. August 2026 haben wir hier in Hamburg eine Pinneberg-Situation. Soll heißen: Die RE 6, 7 und 70 fahren, von Westerland auf Sylt beziehungsweise Kiel beziehungsweise Flensburg kommend, nicht bis zum Hamburger Hauptbahnhof und auch nicht bis zum Bahnhof Hamburg-Altona, sondern enden in Pinneberg. Es kommt außerdem zu diversen Ausfällen und auf die Baustellenfahrpläne kann man sich in aller Regel nicht verlassen. (Mindestens) Doppelte Fahrzeiten, multiple Umstiege und keine Garantien für nichts – sollte ich es unter diesen Umständen wirklich wagen, mich auf die Expedition ins Nachbarbundesland zu begeben?
Die Konzertlust siegte. Genug verpasst für dieses Jahr! Mit Wasser, Käsebrot und Buch bewaffnet setzte ich mich in die S-Bahn Richtung Wedel und lernte auf der Anschlussbusfahrt völlig neue Haltestellen kennen. Den Klöterbarg in Moorrege zum Beispiel. Hübsche Gegend, aber die Anbindung – nun ja.
Die Atmosphäre in der und rund um die historische Reithalle des Holsteiner-Verbandes entschädigte für die Mühsal der Anreise. „Konzert mit Pferd“, immer wieder schön!



Nur die Möhrchen hatte ich auch dieses Mal vergessen.
Und das Konzert selbst? Mir gefielen Konzept und Stückauswahl („Let’s Party Like It’s 1699“) der in Norwegen beheimateten Truppe um den Violinisten Bjarte Eike, auch wenn ich die tänzerischen Darbietungen nicht zwingend gebraucht hätte und mir manches reichlich aufgesetzt vorkam. Der Stimmung in der ausverkauften Halle zufolge kam die Mischung aus Musik, Tanz und Inszenierung aber mehrheitlich gut bis sehr gut an.
Die Rückfahrt wurde durch eine unverhoffte Pausenbegegnung und ein daraus resultierendes Mitnahmeangebot deutlich erleichtert. So musste ich nicht vor den Zugaben zur Bushaltestelle sprinten, um es noch zu einer halbwegs zivilen Zeit ins Bett zu schaffen. Nochmals lieben Dank, wir sehen uns!