In meiner Mastodon-Timeline, dem digitalen Lagerfeuer meiner Wahl, seit man uns von der Plattform formerly known as Twitter vertrieben hat, wurde ich gefragt, ob ich über meine Teilnahme an Max Färberböcks Kunstprojekt „Das Flüstern der Stühle“ bloggen würde.

Darüber habe ich eine Weile nachdenken müssen. Berichten könnte ich natürlich, angefangen von der „Open Call“-Postkarte, die ich auf Kampnagel während des Sommerfestivals eingesteckt hatte über den gebuchten Zeitslot in der K6, in dem Färberböck eine Reihe von Interessierten höchstpersönlich von der Teilnahme zu überzeugen versuchte bis hin zum Drehtag, angefangen mit dem Eintreffen am Ort des Geschehens, dem Gebäude des Kunstvereins in Hamburg. Ein oder zwei Worte über Ausstattung und Möblierung könnte man verlieren, über das Catering, über die Einzelkämpfer und Grüppchen unter den rund 190 Teilnehmenden und über das, was diese taten, um sich die Zeit zu vertreiben, darunter Lesen, Schreiben, Schlafen, Sinnieren, Diskutieren, Rätseln, Spielen, Basteln, Handarbeiten und Musizieren; sogar eine Slackline wurde aufgeriggt. Über den nie wirklich abschwellenden, enormen und dadurch extrem herausfordernden Lärmpegel in der Halle und über die Box, in der (auf freiwilliger Basis) Einzelportraits aufgenommen wurden. Über die acht Kameraleute, die ihren ganz eigenen, fast sechzehnstündigen Marathon absolvierten, beobachteten und dabei stets beobachtet wurden und denen mein höchster Respekt gilt. Über den Initiator, der sich entgegen der ursprünglichen Planung unter das ihm in Teilen wohlbekannte Volk mischte und zum Abschluss gegen halb eins befreit mit auftanzte.

Nicht zuletzt über mein eigenes Empfinden, meine Gedanken und Gefühle, die Gespräche, die ich geführt habe, was mich darüber hinaus beschäftigt hat und womit ich meinen Geist („City on fire“ von Garth Risk Hallberg, ein epischer New York-Roman und Second Hand-Zufallsfund bei Oxfam Wochen zuvor, weit bin ich allerdings nicht damit gekommen) und meine Hände (das Falten einer Chrysanthemenkugel, die nicht nur fertig geworden ist, sondern auch künstlerisch verziert wurde) zu beschäftigten versucht habe.

Vor allem Letzteres wird jedoch im Detail unberichtet bleiben müssen. Weil nämlich am Tag vor dem Drehtag unblogbare Dinge passiert sind, die unmittelbaren Einfluss hatten auf das, was mir während der sechzehn Stunden Kunstprojekt durch Kopf und Hände gegangen ist. Irgendwie haben sich diese zwei Tage zu einer Einheit verbunden; ich werde wohl auch künftig das eine nicht ohne das andere denken oder beschreiben können.
Eins kann ich aber noch verraten: Als Endergebnis ist eine sechzehnstündige Voll- sowie eine sechsstündige Kurzversion geplant und die Kurzversion wird irgendwann im Abaton laufen.