Osterlauf

Heute habe ich es vor den Osterspaziergängern in den Stadtpark geschafft. Am Karfreitag war mir das nicht gelungen, und so wurde ich dank meines immer noch sehr langsamen Lauftempos Zeugin zahlreicher kleinerer (Familien-)Dramen. Eine gewisse Ähnlichkeit mit der tags zuvor vom Fräulein Read On berichteten Gründonnerstags-Szenerie war nicht von der Hand zu weisen. Ein klein wenig Schadenfreude erzeugt solches bei mir ebenfalls, ja, doch, ich gebe es zu. Aber vor allem: Erleichterung. Das ist nicht mein Problem, jenes auch nicht, und das da drüben erst recht nicht. Vielleicht nicht sehr nett von mir. Aber manchmal muß das sein.

Jetzt ist alles ruhig. Vereinzelte Gassigeher wechseln sich mit Joggern und Walkern ab. Noch eine Stunde, vielleicht auch nur eine halbe, dann kommen die Flaneure. Am Modellboot-Becken sitzen zwei ältere Herren, sich lebhaft unterhaltend. Einer von beiden steuert einen Zweimastgaffelschoner, seine Hände und die Fernsteuerung sind mit einer wasserdichten Hülle bedeckt. Vom weiten sieht es aus, als trage er einen Muff.

Das Stadtparksee-Schwanenpaar steht augenscheinlich sehr gut im Futter, möglicherweise als Nebenwirkung des verlängerten Winterquartiers. Der Schwanenmann wagt sich dennoch weit aus dem Wasser, bis über den Weg und zur Bank, der raschelnden Brottüte entgegen.

Auf dem gesamten Gelände grünt und blüht es derzeit um die Wette. Dennoch fällt an einer Stelle ein gänzlich anderes Bunt ins Auge.

Love is on the egg
Love is on the egg
Das Haiop-Ei
Das Haiop-Ei

Die Haiopeis als Ostermotiv sind mir zwar neu, aber nun. Jeder wie er mag.

Frohe Ostern!
Frohe Ostern!

Vorsicht, Kamikazemütter

An die Mutter mit dem SUV-großen Kinderwagen, die mich mit Leidensbittermiene und radikaler Entschlossenheit zu einem kurzfristigen Ausweichmanöver durch eine große Matschpfütze zwang: Ich freue mich schon darauf, wenn dein Nachwuchs mich einst an der Alster auf Fahrrad, Long- oder Hoverboard ohne Federlesens vom Gehweg fegt.

Nicht.

Gut erzogen

Auf der Laufrunde. Die Spaziergängergruppe bestehend aus Mutter mit Kinderwagen, Kleinkind an der Hand und Golden Retriever nebendran erreicht die Wiese vorm Planetarium. Der Retriever dreht sich um und fixiert das Kleinkind in vorfreudiger Erwartungshaltung, angereichert mit einer Prise „Ich war doch auch immer soooo lieb!“ im Blick.

Das Kind wendet sich zur Mutter: „Ball!“

Klassischer Fall von gut erzogen.

Lage, Lage, Lage!

Auf der Laufrunde. Hinter mir joggt ein frischgebackener Vater mit Kumpel, beide offenbar in der Versicherungsbranche. Es geht um Kitaplätze, wann und in welcher Form die Frau wieder zu Arbeiten anfangen will (und vor allem, wie der frischgebackene Vater es gerne hätte) und um Immobilienerwerb im Hamburger Umland. Die Hauptvokabeln: „Safe“, „Anzapfen“ und „Am Ende des Tages“.

„Lage, Lage, Lage!“, denkt derweil Specht 3 und hämmert weiter an seinem Eigenheim in Sichtweite des Planetariums.

So! (Vol. 2)

Überraschenderweise mit einer gar nicht so viel besseren Zeit als bei der No. 1 in Wilhelmsburg, aber mit deutlich mehr Spaß. Ich möchte jetzt gerne öfter zu den Klängen von Pharrell Williams‘ „Happy“ über die voll gesperrte Reeperbahn an den tanzenden Türmen vorbeihüpfen. Und die ganzen Trommler! Super, ganz großer Sport!

Aber den nächsten, der mir erzählt, daß es in Hamburg keine Berge gibt, den hau ich. Uff.

Verpaßt

Nein, das war nicht mein Lauftag heute. Der Abruch erfolgte bei rund 7,5km an exakt der Stelle des Rundkurses der Bramfelder Winterlaufserie, an der ich schon im Dezember das Handtuch werfen mußte. Vielleicht sollte ich den Ort mal mit einer Wünschelrute abgehen. Aber sei’s drum. Besser jetzt als beim Insellauf im April. Oder gar beim Halbmarathon im Juni.

Viel blöder war, daß ich ein weiteres Mal die Chance auf die Wetteransage im Hamburg Journal verpaßt habe. Die finde ich nämlich ganz besonders niedlich. Außerdem habe ich mal irgendwann, als ich noch recht frisch in Hamburg war, zu irgendwem gesagt: „Wenn ich es schaffe, das Wetter im ‚Hamburg Journal‘ anzusagen, dann bin ich hier angekommen!“

Das hatte ich zwar damals nicht ganz ernst gemeint und außerdem bin ich vorsichtig geworden beim arglosen Sprechen in Mikrophone, auf denen das Logo eines öffentlich-rechtlichen Senders prangt. Das kann nämlich noch nach Jahren zu ganz und gar ungeahnten Konsequenzen führen.

Dennoch, es hängt mir irgendwie nach. Mag sein, daß zusätzlich eine Art Wettbewerbssituation eingetreten ist, weil eine gewisse, ebenfalls zugezogene Person in meinem Bekanntenkreis tatsächlich schneller war an dieser Hürde.

Zweimal war es schon knapp bisher: Bei der ersten Gelegenheit hätte ich ein entzückendes blondes Kind ausstechen müssen, was ich insbesondere mit Blick auf die stolzstrahlende Begleitmutti tunlichst vermied. Und dann war da noch die Lotsenschoner-Fahrt, zu der ich entweder nicht konnte oder nicht wollte, ich weiß nicht mehr genau.

Jedenfalls, als ich heute bei meiner zweiten Einlaufrunde das NDR-Fernsehteam sah und im Vorbeizockeln gerade noch die Instruktion „… und es ist wichtig, daß sie ganz deutlich ‚morgens…'“ mitbekam, wußte ich: diesmal liege ich wirklich sehr dicht daneben.

Immerhin bin ich beim „Guten Abend, Hamburg!“-Sprechchor dabei. Wenn auch ziemlich weit hinten.