Sonntagsrunde

Inzwischen bin ich bei meinen Laufbemühungen wieder auf dem Stand „15km am Stück sind mühsam, aber machbar“ angelangt. Wenn irgend möglich beschränke ich mich daher Sonntag morgens nicht mehr auf den Stadtpark, sondern trabe an dessen südlichen Rand entlang weiter bis zur Alster, einmal links um ebenjene herum und wieder zurück durch den Stadtpark nach Hause.

Die Alsterrunde ist eine sensationell schöne Strecke, aber zugleich auch Naherholungsgebiet und Laufsteg und entsprechend gut frequentiert. Schlau ist, wer möglichst früh startet. Was heute morgen leider wieder nicht geklappt hat. Diesmal nicht etwa, weil ich zu spät aus den Federn kam, sondern weil ich es für sicherer hielt, den Durchzug des Gewitters abzuwarten. Zu eindrucksvoll ist mir noch das Bild vom Freitag abend im Gedächtnis: das Rettungssanitätergrüppchen, heftig bemüht um einen kollabierten Jogger. Ein Teil von mir hofft ja immer noch, daß das ein Training war. Da standen verdächtig viele Retter herum, darunter ein hoher Anteil an jungen Leuten. Andererseits hätte ich mich als Übungsobjekt nicht so bearbeiten lassen. Eine Puppe war das jedenfalls nicht.

Man mische das mit der weiterhin ungelösten Arbeitssituation sowie dem mehr als unbehaglichen Gefühl, Bilder vom „eigenen“ Edekamarkt in den Abendnachrichten zu sehen und die entsprechende Meldung dazu zu hören und erhalte einen sehr verhaltenen Wochenendstart.

We shall overcome

Apropos Edeka. Während ich nach absolviertem Sonntagslauf beim Bäcker schräg gegenüber meine Kuchenbelohnung erstehe, steht vor dem Laden ein buntgemischter Chor und singt „We shall overcome“.

One sincerely hopes so.

Meanwhile on the Balcony

  • Rucola „Wild West“,
  • Ringelblumen,
  • Pflücksalat „Drunken Woman“,
Drunken Woman
Drunken Woman
  • Erbeeren: 3x „Ostara“, 3x „Mieze Schindler“,
  • Tomaten: 2x „Harzfeuer“, 1x „Namenlos“ „Micro Cherry“,
Strawberry Fields
Strawberry Fields
Harzfeuer
Harzfeuer
  • Paprika „Orange Bell“
  • Thymian
  • Schnittlauch,
Sgt. Pepper
Sgt. Pepper
Schnittlauch
Schnittlauch
  • rotes Basilikum,
  • Kapuzinerkresse,
  • Borretsch,
  • Rosmarin und
  • anderthalb Hibiskusse.

Barmbek bleibt bunt

Liebe Nachbarn, die ihr mit skeptischer Miene am Straßenrand oder in den Fensterrahmen standet und zugeschaut habt: Selbst wenn euch die Demonstrationen wegen „der ganzen Chaoten“ suspekter sind als es der Thor Steinar-Laden in der Fuhlsbütteler Straße 257 ist, lauft bitte trotzdem mit beim nächsten Mal. Denn: Je mehr Menschen mitmachen, desto schneller verschwindet der Laden. Und dann ist auch wieder Ruhe in eurer kleinen Welt. Vorher nicht.

Barmbek bleibt bunt
Barmbek bleibt bunt

Andererseits, die „Lautis“ von heute mögen doch bitte ihren Soundtrack und auch die Lautstärke überdenken. Es mag den einen oder die andere abgeschreckt haben und das ist schließlich so ganz und gar nicht Sinn und Zweck der Übung.

Neue Nachbarn

Die Fuhlsbütteler Straße in Barmbek-Nord zwischen Emil-Janßen- und Tischbeinstraße (Westseite):

  • eine Bankfiliale,
  • ein Bestattungsinstitut,
  • eine Apotheke,
  • ein EMS-Trainingscenter,
  • ein Beautysalon,
  • eine Zahnarztpraxis,
  • ein italienisches Restaurant,
  • ein Waschcenter,
  • eine Videothek („Räumungsverkauf – wegen Geschäftsaufgabe“),
  • eine ehemalige Shisha-Bar („zu vermieten“)

und

Ich möchte das nicht.

Hauptsache Karneval

Vorhin beim Bäcker. Karnevalsdekoration gibt es keine, aber die Mehrzahl des Personals ist dezent kostümiert.

Ich: „Alaaf!“
Bäckereifachverkäuferin: ?
Ich: „Oder ist ‚Helau‘ besser?“
Bäckereifachverkäuferin (lacht verlegen): „Ach so! Ich stecke da ja nicht so drin. Es hieß halt, wir sollen uns verkleiden.“

Ich glaube beinahe, die Firma R**lfs*) hat da noch Beratungsbedarf.


*) Name der Verfasserin bekannt

Hindernisrennen

Kiki hat über Radrowdys geschrieben. Wobei „geschrieben“ für diesen Text etwas schwach erscheint – „gekotzt“ trifft es wohl besser*). Ich will gar nicht bestreiten, daß Radrowdytum in Hamburg existiert. Ich habe es selbst schon erlebt, insbesondere im Innenstadtbereich und rund um die Alster. Dennoch, wenn ich diese Verschärfung betrachte, frage ich mich: Ist das, was Kiki da schildert, ein anderes Hamburg als das, in dem ich lebe und mich bewege?

Das folgende Textfragment verfaßte ich vor ein paar Wochen nach einer Einkaufsfahrt auf dem neugestalteten Abschnitt der Fuhlsbütteler Straße zwischen dem Barmbeker Bahnhof und der Wellingsbütteler Straße. In diesem Bereich wurden Gehwege zugunsten von Fußgängern (jaha!), Gewerbe und Gastronomie erweitert und der Radverkehr auf Radstreifen an der (verkleinerten) Fahrbahn transferiert.


Samstags in Barmbek: Für die Runde Budni – Bäcker – Markt nehme ich das Fahrrad.

Auf der kurzen Strecke muß ich einem Taxi, einem Lieferwagen und drei DHL-Fahrern ausweichen, ich muß Fußgänger, die jenseits der Übergänge und Ampeln die Straße überqueren wollen, zur Raison klingeln und mich fluchend hinter einen Gelenkbus zurückfallen lassen, der erst im Anfahren von der Haltestelle beginnt, links zu blinken. Und der mich entweder nicht sieht oder den es nicht interessiert, daß ich in diesem Moment schon neben ihm fahre.

Seit der Umgestaltung der Fuhlsbütteler Straße liegt der Fahrradweg auf der Fahrbahn, als Pufferzone zwischen Bushaltestellen, Parkbuchten und dem Autoverkehr. Es soll Fahrradfahrer geben, die das so bevorzugen. Das ist mir unbegreiflich.

Ich lebe nämlich ganz gern.


Ich selbst bin überwiegend Bahnfahrerin/Fußgängerin und seltener Radfahrerin. Der Hauptgrund ist, daß ich mich auf dem Rad in Hamburg nicht sicher fühle. Vor dreieinhalb Jahren, im Sommer, habe ich einige Male meinen 8km langen Arbeitsweg mit dem Rad zurückgelegt. Obwohl ich defensiv fahre und mich bemühe – nobody’s perfect -, stets alle Verkehrsregeln zu beachten, gab es bei den ersten Fahrten gleich mehrere brenzlige Situationen, in denen Autofahrer mich beim Abbiegen übersahen oder mir Fußgänger hakenschlagend vor die Reifen liefen – auf dem Fahrradweg, wohlgemerkt, nicht selten blind für die Umgebung durch den Blick aufs Smartphone. Ich kaufte mir daraufhin einen Fahrradhelm, etwas, was ich zu tragen bisher kategorisch abgelehnt hatte. Wodurch ich somit aus Erfahrung auch gleich zur Aufklärung des „Warum behalten Radfahrer ihren Helm auf, z. B. im Supermarkt“-Rätsels beitragen kann: Man kann den Helm entweder absetzen und mit ins Geschäft nehmen, dann baumelt er einem ständig im Weg herum, man hat ja nicht plötzlich eine Hand mehr. Oder man kann ihn am Rad zurücklassen, dann hängen da nachher zwei. So einfach ist das.

Zurück zur Verkehrssituation. Viele von uns erleben täglich Rücksichtslosigkeit in Straßen- und Bahnverkehr. Es stimmt schon: Als Fußgängerin bin ich potentiell Freiwild für praktisch alles, was Räder hat. Aber umgekehrt brachte als Fahrradfahrerin mich einst eine Fußgängerin zu Fall, weil sie ohne Seitenblick über den Radweg (und die Straße) sprintete, um einen Bus zu erreichen. Sie riskierte noch einen kurzen Blick über die Schulter, sah mich und mein Rad am Boden liegen und hüpfte schulterzuckend in die Linie 172. Es ist richtig: Selbst in einem Auto kann ich mich nicht sicher fühlen, und sei es nur deshalb, weil es im Zweifel immer noch ein größeres Kraftfahrzeug gibt als das, in dem ich gerade sitze. Aber auch, weil es manchen Zweiradfahrern mit und ohne Motor und gelegentlich sogar Fußgängern eine Freude ist, Autofahrer zu provozieren. Und wann lernt die Menschheit endlich, daß man Leute aus Bussen und Bahnen erst aussteigen lassen muß, um selbst einsteigen zu können?

Die Lösung des Problems neben einer Verkehrspolitik, die die Gleichberechtigung aller (!) Verkehrsteilnehmer fördert, ist und bleibt gesunder Menschenverstand, Augenmaß und gegenseitige Rücksichtnahme. Es hilft alles nichts, es ist, um das unerschütterliche Treuebekenntnis gewisser Fußballfans zu ihrem bisweilen wenig siegreichen Verein zu zitieren, die einzige Möglichkeit.


*) Nachtrag: Kikis Originalartikel ist inzwischen offline. Die Gründe dafür kann man hier nachlesen.