Die Schwanenfreundbriefe (12): Frühling

Hamburg-Barmbek, 16. 3. 2016

Lieber M.,

der Frühling ist da! Susanne hat etwas von „dringend mal nach dem Boot gucken“ gemurmelt, als sie es gesehen hat. Ich bin gespannt, ob sie es auch tatsächlich macht. Ich möchte sooooo gerne auch mal aufs Wasser!

Denn schließlich bin ich ja ein Schwan.

Hibbelig,
Dein Schwanenfreund

Bitte die Schwäne nicht füttern!

P.S.: Pffft. Blödes neues Schild. Was erlaube Verein Alsterdampfschiffahrt?!


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

In diesem Jahr werden die Alsterschwäne noch mindestens bis zum 30. März im Winterquartier bleiben müssen – der Vogelgrippe wegen.

Die Schwanenfreundbriefe (9): Großpapa Nieß

Hamburg-Neustadt, 7. 1. 2016

Lieber M.,

Großpapa Nieß ist gestorben. Er ist 84 Jahre alt geworden. Meine Freunde und ich sind sehr traurig.

Susanne und ich hatten uns gestern Abend eine Dokumentation über die Alsterschwäne angeschaut. Da war auch eine Szene mit Papa und Großpapa Nieß dabei und Susanne dachte noch: Er muß schon ziemlich alt sein, sieht aber echt fit aus. Hm.

Jedenfalls fragen wir uns jetzt nicht mehr, warum wir vom Schwanenvater bisher keine Antwort bekommen haben. Der hatte wahrscheinlich ganz andere Sorgen.

Man sollte in der Stadt etwas nach Großpapa Nieß benennen. Prominent genug ist er wohl gewesen. Sie müssen ja nicht gleich den Schwanenwik umtaufen – obwohl, warum eigentlich nicht. Vielleicht findet sich aber auch eine angemessen große Wasserfläche, die einen neuen Namen braucht. Das wäre für uns Schwäne sowieso viel besser als so ein dummes Stück Asphalt.

Mit einer Träne im Knopfloch,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Hamburgs Alsterschwäne
Hamburgs Alsterschwäne

Harald („Großpapa“) Nieß hat übrigens ein ganz wundervolles Buch verfaßt. Es heißt „Hamburgs Alsterschwäne“ und erschien 1997 bei Rasch und Röhring. Es ist leider nur noch antiquarisch erhältlich, aber der Schwanenfreund und ich legen es jedem wärmstens ans Herz, dem die Alsterschwäne am Herzen liegen.

Die Schwanenfreundbriefe (6): Der Alsterschwanenfreund

Hamburg-Barmbek, 19. 12. 2015

Lieber M.,

es ist etwas Kurioses passiert. Susanne hat dieser Tage ein Foto gesucht. Sie erinnerte sich grob, daß es aus dem Sommer 2014 stammen mußte, hat all ihre Handyfotos durchwühlt und dabei ein Schwanenbild gefunden.

Alsterschwanenfreund (2014)

Sie hat diesen charmanten Bettler im Juli 2014 an der Vierjahreszeiten-Terrasse geknipst.

Es könnte schon sein, daß das der Alsterschwanenfreund ist, meinst Du nicht? Guck Dir mal die Form des Höckers an, das Gesicht ingesamt und insbesondere auch die ringförmige Einbuchtung um den Hals.

Aber vor allem: die Haltung.

Alsterschwanenfreund (2015)

Wir haben jedenfalls bisher keinen meiner Freunde gesehen, der dem Alsterschwanenfreund dermaßen ähnlich sieht. Susanne hat darauf geachtet, jedes Mal, wenn ihr ein Schwan über den Weg geschwommen ist seitdem, und besitzt mittlerweile einen ganz passablen Blick für die kleinen Unterschiede. Es paßt dazu auch, daß der Schnabel auf dem 2015er Bild etwas orangener und der Höcker ein wenig größer ist. So ist das nämlich, wenn wir Schwäne erwachsen werden.

Vielleicht sollten wir den Schwanenvater einmal danach fragen. Der würde unseren Freund vermutlich einen „unverpartnerten männlichen Jungschwan“ nennen. Eine ziemlich nüchterne Bezeichnung für einen so attraktiven Artgenossen (ja, ich bin ein bißchen eifersüchtig!). Jedenfalls, solange Susanne Papa Nieß nicht verrät, wo ich mich versteckt halte, ist das in Ordnung für mich.

Alles Liebe,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Happy Birthday

In den letzten drei Jahren verliebte ich mich zweimal.

Das erste Mal war von der Sorte „keine gute Idee“. Das wußte ich gleich, aber manchmal ist das eben so: Der Kopf weiß es besser, aber der Rest des Systems zieht nicht mit. Dennoch dauerte es erstaunlich lange, bis ich damit durch war. Aber eines Tages war es soweit und ehe ich mich versah, verliebte ich mich ein weiteres Mal.

Diesmal ohne wenn und aber. Kopf, Bauch und Herz waren sich in Rekordzeit einig. In einer Weise, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Als wäre alles andere zuvor nur ein Probelauf gewesen. Ich war zu allem bereit und schickte mich zum Höhenflug an.

Jedoch: „It takes two to tango“. Das wußte schon Louis Armstrong.

Was folgte, ist schwer mit Worten zu beschreiben. Meine Gemütslage war derart radikal, daß ich mich dazu entschloß, mir im zarten Alter von 42 Jahren ein Tattoo zuzulegen. Mit dem Gedanken hatte ich schon lange gespielt und der Sommer hatte mir nun auch endlich ein Motiv geliefert. Eines, das Wasser, Himmel und Hamburg symbolisiert und in dieser Kombination zeitlos genug ist, um es sich unter die Haut ritzen zu lassen.

Alsterschwanenfreund
Alsterschwanenfreund

Der Alsterschwanenfreund hatte, ähnlich wie Schnurpsel, der König des Rondeelteichs, keinerlei Berührungsängste bei unserer Begegnung auf dem Wasser. Mangoschale und Studentenfutter trafen seinen Geschmack zwar nicht, aber die Brösel des ebenfalls mitgeführten Müsliriegels wurden begeistert verschlungen. Trotz aller Gier war seine Schnabelführung dabei außergewöhnlich zärtlich. Einmal zwickte er mir sogar ganz sachte in die Nase – wie ist das, schnäbeln Schwäne eigentlich? Dieser hat es jedenfalls versucht.

Schwanenfreund
Schwanenfreund

Der kleine Schwanenfreund auf meinem Rücken wird heute ein Jahr alt.