In Concert: Anna Depenbusch im Thalia Theater

Die Musik von Anna Depenbusch lernte ich um und bei 2010 durch das Stück „Heimat“ auf dem Sampler „Genau meine Musik“ kennen. Das mochte ich so sehr, daß ich mir das Album „Ins Gesicht“ kaufte. Um dann festzustellen, daß mir aus diesem schon ein weiteres Stück begegnet war („Streichholz“), und zwar knapp drei Jahre zuvor.

Es dauerte unverständlicherweise noch drei weitere Jahre, bis ich Anna zum ersten Mal live auf einer Bühne sah: solo an Klavier, Gitarre und Ukulele bei der IGS 2013 in Wilhelmsburg. Fan war ich da längst und entzückt ab dem ersten Ton, aber dann setzte sie mit „Der Mann für mich“, einer deutschsprachigen Version von Billy Joels „She’s always a woman“*), meiner Begeisterung noch die Krone auf.

„Gehen Sie zu Anna Depenbusch“, brachte es Dr. Christian Kuhnt, Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals, unlängst bei der Programmvorstellung 2017 in Hamburg auf den Punkt: „Ich verspreche Ihnen, Sie werden am Ende des Abends unsterblich in sie verliebt sein. Und Ihre Frau auch!“

Das Konzert heute im Thalia Theater war restlos ausverkauft. Wer nicht zum Zuge gekommen ist, dem bietet sich am 8. Juli 2017 eine zweite Chance: Für den SHMF-Termin im Lokschuppen der S-Bahn Hamburg gibt es noch Karten. Außerdem für Düsseldorf, Nürnberg, Karlsruhe, Mannheim, Osnabrück, Würselen, Ingelheim, Dreieichenhain, Dresden, Leipzig, Ribbeck und Lübeck.

Hin da!


*) siehe auch „#30DayMusicChallenge (2)“, No. 20

Theater, Theater: „4.000 Tage“ im St. Pauli Theater

Boris Aljinovic ist Hochseesegler, ein im Wortsinne ausgezeichneter sogar. Insofern nicht verwunderlich, daß sich unsere Wege bereits kreuzten. Allerdings nur in meinem beruflichen Umfeld. Abgesehen von diversen Hörbucheinspielungen und Fernsehrollen hatte ich ihn bei seiner Arbeit bislang noch nicht erlebt, dabei ist er regelmäßig auf Hamburgs Bühnen zu sehen. Höchste Zeit also, das nachzuholen. Und überhaupt, wie lange ist es her, daß ich im St. Pauli Theater zuletzt ein Theaterstück sah? Lustiges Volk da übrigens (Spontangedanke: „Ach, hier treiben die sich alle herum.“). Unter anderem sah ich Dagmar Berghoff und lokale Politprominenz.

Zum Stück.

In „4.000 Tage“, geschrieben von Peter Quilter und im Januar 2016 am Londoner Park Theatre uraufgeführt, erwacht Michael (Boris Aljinovic) nach drei Wochen im Koma mit einer Gedächtnislücke von elf Jahren. Das entspricht 4.000 Tagen und exakt dem Zeitraum, in dem er mit seinem Partner Paul (Gustav Peter Wöhler) zusammengelebt hat. Der kämpft nun darum, daß Michael sein Erinnerungsvermögen wiedererlangt, während seine Mutter Carol (Judy Winter) das Ereignis als eine ihr äußerst willkommene Gelegenheit zum Neustart begreift – vorzugsweise in eine Zukunft Michaels ohne Paul an dessen Seite.

Angesichts dieser Ausgangslage hatte ich eine Tragikkomödie erwartet. Dafür war das Stück aber dann doch zu ernst. Ob das eventuell auch an der deutschen Fassung lag, deren Erstaufführung da heute abend stattgefunden hat? Schwer zu sagen. Dafür müßte man das Stück im Original kennen.

Wie dem auch sei, der Kampf zwischen Michaels Mutter und seinem Partner Paul wird in dem Moment zur Nebensache, als Michael aus dem Koma erwacht. Besonders im ersten Teil agierte Judy Winter eine Spur zu exaltiert, während Gustav Peter Wöhler seltsam blaß blieb. Was meines Erachtens nicht allein darauf zurückzuführen ist, daß sie die überdominante Mutter und er eine Spießerfigur spielt. Boris Aljinovic hingegen ist nicht nur ein ausgezeichneter Hochseesegler. Ich bin hin und weg und obendrein ziemlich sicher, heute abend einen der zauberhaftesten Theaterküsse des Jahres gesehen zu haben.

Meine Begleitung murmelte etwas von „… auch am Ernst Deutsch Theater, ab nächsten Monat…“. Das Stück trägt den Titel „Unwiderstehlich“.

Count me in.

In Concert: Jarvis Cocker & Chilly Gonzales auf Kampnagel

„Wie war denn nun das Konzert? Hast Du die Zottelrinder getroffen?“

Anders als in meinem Traum über die Premiere von „Room 29“ mit Chilly Gonzales und Jarvis Cocker auf Kampnagel verlief mein Konzertbesuch am Sonntag vor einer Woche (fast) ohne besondere Vorkommnisse. Ich war am richtigen Tag zur richtigen Stunde da, hatte mein Ticket nicht an der Küchenpinnenwand vergessen, fand den regulären Eingang und traf weder auf Viehzeug noch auf rheinische Bekannte.

Nur den Zimmerschlüssel aus der „Work in Progress“-Vorstellung von vor knapp einem Jahr hatte ich an der Klavierleuchte hängen lassen. Dabei wollte ich doch schauen, ob er noch paßt. Aber offenbar ist „Room 29“ seither nicht nur renoviert worden, es wurde auch das Schloß ausgetauscht. Schade – das kleinere, altmodische Exemplar erschien mir irgendwie passender.

Schlüsselvergleich
Schlüsselvergleich: Oben die „Work in Progress“-, darunter die finale Version

„Room 29“ als „Song Cycle“, also „Liederzyklus“ zu bezeichnen, ist einer der zahlreichen genialen Einfälle des Duos Cocker/Gonzales: Nicht auf ein enger definiertes Format festgelegt zu sein, eröffnet maximalen Spielraum. Den beide weidlich nutzen, insbesondere Cocker in der Rolle als (Ich-)Erzähler und Moderator. Wobei „Room 29“ dadurch in Teilen auszufransen droht – die Episode „Jarvis im Fernseher“ hätte man beispielsweise auslassen können und der an sich großartige Song zum Epilog („Ice Cream As Main Course“) wirkte mühsam angebaut.

Aber das ist letztlich Rosinenpickerei. Unabhängig von Konzept und Inszenierung bleibt es ein ausgemachtes Vergnügen, Jarvis Cocker singen und erzählen und Chilly Gonzales (und das Kaiser Quartett) spielen zu hören. Eine Talentkombination, die sich gesucht und gefunden hat.

Übrigens, wem bei „Room 29“ musikalisch einiges bekannt vorkommen sollte, der hat richtig gehört. Der Song „Clara“ beispielsweise basiert auf „Armellodie“ („Solo Piano“). Den Rest konnte ich nicht dingfest machen, aber es war nicht das einzige akustische Déjà-vu des Abends.

Bleibt noch, eine kleine Warnung auszusprechen: „Room 29“ setzt an einigen Stellen auf Publikumsbeteiligung. Drüben im Soul Stew Blog erzählt Martin, wie es ihm dabei ergangen ist. Insbesondere Jarvis Cocker zeigt trotz seines betont britischen Auftretens keinerlei Berührungsängste. So tauchte er nach dem Kurzausflug in die Flimmerkiste mitten in den Rängen wieder auf und bahnte sich durch das Publikum den Weg zurück auf die Bühne. Aufgrund meines Randplatzes in Reihe 13 kam ich auf diese Weise in den Genuß, eine Zeile lang „angesungen“ zu werden. Ich widerstand dabei nur mit großer Mühe dem absurden Impuls, dem Mann an der Krawatte zu zupfen. „Das kannst Du nicht bringen, der singt doch hier gerade“, warf mein Verstand eben noch rechtzeitig ein.

Ob es mir gelungen wäre, steht auf einem anderen Blatt. Aber mittlerweile ärgert es mich, die Gelegenheit ausgelassen zu haben, Mr. Jarvis Cocker aus dem Konzept zu bringen. Hat man ja schließlich auch nicht alle Tage.

Wer suchet, der findet

Worauf ich mich ja besonders gefreut hatte beim Start dieses Blogs: Endlich eine eigene „Service für Google-Suchende“-Rubrik aufmachen zu können. Bei anderen hatte ich dazu schon viele unterhaltsame Beispiele entdeckt, insbesondere drüben bei Isabel.

Jetzt sind die Besucherzahlen im Susammelsurium weiterhin äußerst moderat, was mich grundsätzlich nicht stört. Nur werden Suchbegriffe zwar gezählt, mir aber überwiegend als „unbekannt“ angezeigt. Aus dem kläglichen, im Klartext angezeigten Rest tauchte beispielsweise „thor steinar barmbek“ auf, wohl des Artikels über die neuen Nachbarn wegen. Daran ist wenig Lustiges zu finden. Die „#30daymusicchallenge“ war dabei, es wurde nach „katrin seddig“, „archäologisches museum hamburg ausstellungsstücke“ sowie „das buch der wunder stefan beuse empfehlung“ geforscht und sogar nach dem „susammelsurium“ höchstselbst. Alles überaus vernunftvoll und zielgerichtet und somit wenig ergiebig für phantasievolle Interpretationen.

Bis gestern! Endlich!

Wie Google es hingebogen hat, daß dieses Blog bei der Suche nach „elbphilharmonie toilettenplan“ angezeigt wurde, ist mir tatsächlich schleierhaft. Aber die Wege der Algorithmen sind nicht immer erforschlich. Das weiß jeder, dem auf Facebook schon einmal abstruse Gruppenmitgliedschaften angetragen wurden. Wie oft habe ich dabei schon gedacht, daß ich mich beruhigt zurücklehnen kann: Vom gläsernen Konsumenten scheinen wir doch bisweilen noch weit entfernt. Wer mir allen Ernstes vorschlägt, der Gruppe „Tantra Dating“ beizutreten, kann unter Berücksichtigung meines vergleichsweise hohen digitalen Freizügigkeitsgrads bisher nicht weit gekommen sein bei der Datenauswertung.

Andererseits war ich gerade vorgestern in der Elbphilharmonie und saß dabei erstmalig in der 16. Etage. Als ich zwischen Einführung und Konzert „nur noch einmal schnell“ ums Eck gehen wollte, stellte ich fest, daß es a. auf der 16. gar kein stilles Örtchen gibt und b. auf der 15. die Damentoilette nur aus zwei Kabinen besteht. Da wäre ein vollständig entschüsselter Toiletten- und Treppenhausplan vor meinem inneren Auge durchaus sinnvoll gewesen. Dem war leider nicht so, weshalb ich mich nach bummelig 15 Minuten Kloschlange ziemlich beeilen mußte, um rechtzeitig zum Konzertbeginn wieder im Großen Saal zu sein. Ich hatte es zwar in Erwägung gezogen, aber geschrieben habe ich darüber nicht in meinem Blogpost über Beethovens Neunte in der südamerikanischen Fassung. Keine Zeile. Nicht mal im Entwurf. Das bringt mich dann ja doch ins Grübeln.

Im Labyrinth
Im Labyrinth

Aber wir wollen den Service nicht vergessen. Einen Toilettenplan der Elbphilharmonie habe ich leider nicht ausfindig machen können, aber immerhin man kann sich via Google Street View in den Foyers verirren. Ungefähr genausogut wie in echt.

Gern geschehen!

In Concert: Gustavo Dudamel und das Orquesta Sinfónica Simón Bolívar in der Elbphilharmonie

Gustavo Dudamel und das Orquesta Sinfónica Simón Bolívar haben Beethoven durchgespielt, und zwar im Wortsinne: Unter der Überschrift „¡Viva Beethoven!“ standen in der Elbphilharmonie in den vergangenen fünf Tagen alle neun Sinfonien auf dem Programm.

Wem der Name Dudamel nichts sagen sollte, der möge sich doch kurz das folgende Video anschauen:

Gut, ganz so turbulent wie Leonard Bernsteins „Mambo“ war es dann doch nicht bei der Neunten. Aber südamerikanisches Feuer in Kombination mit Beethoven, holla, ich sage es euch. Da geht was! Sogar in Hamburg. Standing Ovations, Begeisterung, Jubel!

Gustavo Dudamel, das weiß ich nun also auch aus eigener Anschauung, ist ohne Frage eine Ausnahmeerscheinung. Und zwar eine mit Suchtpotential. Ich habe bisher noch keinen Dirigenten erlebt, der ohne Partitur auskommt, dessen Musikleidenschaft in einem solchen Ausmaß mitreißt und dessen Körpersprache derart im Einklang mit dem dirigierten Stück steht. Dudamel führt Musiker per Schulterzucken präziser und eindeutiger als andere mittels ausladender Armbewegungen. Selbst jemand ohne (klassische) Konzerterfahrung hätte diese Verbindung sehen und hören können.

Apropos hören können, es stimmt, was inzwischen allgemein Verbreitung gefunden hat: Auf den billigen Plätzen bekommt man den besten Elphi-Sound. Wobei es auch unterm Dach noch reichlich gläsern klingt, was ich weiterhin gewöhnungsbedürftig finde. Ein gewisser Herr, den ich einst besser kannte, würde vermutlich etwas in Richtung „untere Mitten… ausbaufähig“ gemurmelt haben. Aber geschenkt. Meine Ohren können da mit.

Die 16. Etage
Die 16. Etage

Das Programmheft hielt zu alledem noch eine Überraschung bereit, denn aus luftiger Höhe und nach mehr als 25 Jahren hätte ich ihn ansonsten wohl nicht erkannt: Neben Orchester, Dirigent und den vier Solisten trat der Chor der EuropaChorAkademie an, gegründet und geleitet von Joshard Daus. Unter ihm habe ich auch schon einmal singen dürfen, damals, im Konzertchor des Städtischen Musikvereins in Lippstadt. Die „Schöpfung“ war’s. Und beinahe auch die „Carmina Burana“, hätte ich nicht damals unmittelbar vor Konzertbeginn ganz spontan mein Abendessen im hinteren Bereich der Bühne… aber so genau will das sicher niemand mehr wissen. Viel wichtiger ist eh die Frage, wie ich den „Freude, schöner Götterfunken“-Ohrwurm je wieder losbekommen soll.

¡Muchas Gracias, Maestro!

#30DayMusicChallenge (3)

Finale! Hier ist der dritte und letzte Teil der #30DayMusicChallenge.

Day 21: A favorite song that has a person’s name in its title

Sorry, could not resist.

Day 22: A song that moves you forward
Das nehme ich jetzt mal wörtlich: Mit dem Ding im Kopf habe ich im September 2014 den Alsterlauf (10km) in 56:18 (Minuten) absolviert. Das ist bis heute meine beste offiziell gemessene Zeit auf dieser Strecke.

Day 23: A song that you think everybody should listen to
Eine harte Nuß! Musikalisch konnte ich das nicht lösen, also bin ich die Aufgabe über den Text angegangen.

Die Version von Marc Lanegan kratzte beim ersten Hören beträchtlich, aber mittlerweile mag ich sie nicht mehr missen.

Day 24: A song by a band you wish were still together
Ach, da gibt es so viele.

Day 25: A song by an artist no longer living
„Life on Mars“ war das erste Stück auf der Setlist eines der besten Konzerte, die ich bisher erleben durfte. Unvergeßlich.

Day 26: A song that makes you want to fall in love
Das Video ist fünf Jahre alt. Enno Bunger spielt den Song mittlerweile mit etwas mehr Ruhe, was ihn auf das Level „garantierte Ganzkörpergänsehaut“ hebt. (Den Song jetzt.)

Day 27: A song that breaks you heart
Gar nicht so einfach: Musik kann per se mein Herz zwar zum Schmelzen bringen, aber nicht brechen. Das schafft ein Song nur in Verbindung mit schmerzhaften Erinnerungen…

… oder über den Text.

Day 28: A song by an artist with a voice that you love

Day 29: A song that you remember from your childhood
Die UNICEF-Benefizplatte „All-Star Festival“ meiner Mutter hat mich als Kind ungeheuer fasziniert. Das dritte Lied auf der zweiten Seite mochte ich besonders gern.

Day 30: A song that reminds you of yourself
Siehe auch „So long, Mr. Cohen“.

Das hat großen Spaß gemacht! An sich müßte man die Liste alle fünf bis zehn Jahre neu angehen und die Ergebnisse miteinander vergleichen. Aber ob ich in fünf Jahren noch blogge? Ob es Twitter dann überhaupt noch gibt?

Wir werden sehen.

Bis in die Träume

Geträumt, ich bin auf dem Weg zur Premiere des Stücks „Room 29“ von und mit Chilly Gonzales und Jarvis Cocker auf Kampnagel. Es sind nur noch wenige Minuten bis zum Beginn der Vorstellung. Ich beeile mich und gelange irgendwie über den falschen Eingang und einen mir bisher unbekannten Nebenraum in die K6, ohne daß mein Ticket kontrolliert wird. Jetzt suche ich, unter den Rängen stehend, hektisch danach, der Sitzplatznummer wegen. Das erweist sich als umständlich, weil ich merkwürdigerweise plötzlich drei Taschen dabei habe und mir immer wieder etwas herunterfällt.

Derweil fängt das Stück an. Ich finde das Ticket nicht und mir geht auf, daß es wahrscheinlich noch an der Küchenpinnwand hängt. „Kein Problem“, denke ich, „du hast es ja online und direkt im Kampnagel-Shop gekauft. Guck einfach in deine E-Mails.“ Leider verweigert ausgerechnet in diesem Moment das Smartphone seinen Dienst.

Plötzlich fällt mir ein, daß ich überhaupt kein Ticket für die Freitags- sondern eins für die Sonntagsvorstellung habe. Ich verlasse peinlich berührt die Katakomben der K6 durch den zuvor neu entdeckten Nebenraum. Dort halten sich mehrere Personen auf. Es handelt sich augenscheinlich um Kongreßteilnehmer. Feldbetten stehen herum und man kann durch eine offene Tür einen Stall erkennen, in dem pechschwarze, zottelige Rinder gehalten werden.

Ich treffe überraschend auf flüchtige Bekannte aus dem Rheinland, darunter eine ehemalige Kommilitonin, die ich seit über 20 Jahren nicht gesehen habe. Die Gruppe begrüßt mich freudig, lacht mit mir über mein Mißgeschick und fragt mich, wo man in Hamburg am besten Tango tanzen könne. Ich muß leider passen, unterhalte mich noch eine Weile und schicke mich zum Gehen an. Da bricht ein gewaltiger Hagelsturm los, der mich zum Bleiben zwingt. Als der Hagel weicht, die Sonne wieder durchbricht und wir am Horizont einen Regenbogen sehen, der nur aus den Farben gelb, orange und rot besteht, klingelt der Wecker.

Hm.

Sind eventuell Traumdeuter anwesend?

Die Schwanenfreundbriefe (12): Frühling

Hamburg-Barmbek, 16. 3. 2016

Lieber M.,

der Frühling ist da! Susanne hat etwas von „dringend mal nach dem Boot gucken“ gemurmelt, als sie es gesehen hat. Ich bin gespannt, ob sie es auch tatsächlich macht. Ich möchte sooooo gerne auch mal aufs Wasser!

Denn schließlich bin ich ja ein Schwan.

Hibbelig,
Dein Schwanenfreund

Bitte die Schwäne nicht füttern!

P.S.: Pffft. Blödes neues Schild. Was erlaube Verein Alsterdampfschiffahrt?!


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

In diesem Jahr werden die Alsterschwäne noch mindestens bis zum 30. März im Winterquartier bleiben müssen – der Vogelgrippe wegen.

12 von 12 im März

Sonne! Frühling! Das bedeutet leider auch Heuschnupfen. Trotzdem beginnt der Tag mit einer Laufrunde durch den Stadtpark.

Startpunkt
Startpunkt

Dort blühen nicht nur Hasel und Erle und das ist gut so.

Frühlingsboten
Frühlingsboten

Schön ist auch, daß das Planetarium wieder geöffnet hat. Das neue Café Nordstern wirbt mit prickelnden Getränken.

Café Nordstern
Café Nordstern

Auf dem Rückweg stolpere ich über die Reste der Protestkundgebung gegen die neuen Nachbarn vor zwei Tagen. Die Polizei hat die Absperrgitter sicherheitshalber im Viertel gelassen. Nicht auszuschließen, daß sie bald wieder gebraucht werden. Das kann ich soweit nachvollziehen, aber die Wasserwerfer und der Räumpanzer dürfen beim nächsten Mal bitte im Stall bleiben. Die braucht hier kein Mensch.

Proteste-Reste
Proteste-Reste

Auch auf dem Balkongarten ist diese Woche der Frühling ausgebrochen.

Schnittlauch!

Kein Sport ohne Ausgleich. Das gilt besonders, wenn der Fuhlsbäcker neue Leckereien zum Probieren hat

Leckerlis

Des Pollenflugs wegen bleibe ich des Rest des Tages lieber drinnen und widme mich einem Teil des geduldig wartenden Lesestoffs.

Lektüre

Wobei, ein paar Balkonminuten zwischendurch schaden nicht.

Balkonschwein

Außerdem finde ich endlich ein bißchen Zeit, das Klavier aus dem Winterschlaf zu wecken. Ich habe es sträflich vernachlässigt in den letzten Wochen. Dafür fluppt der Frahm noch ganz gut.

Sheets Eins & Zwei
Sheets Eins & Zwei & Drei & Vier…

Fürs Protokoll: Das sind selbstverständlich Arbeits- und keine Raubkopien. Für „Went Missing“ verwende ich übrigens eine andere als die „Sheets Zwei“-Transkription. Da hat Annemie van Riel einfach den besseren Job gemacht.

Über den Tasten ist es draußen dunkel geworden. An meiner Klavierleuchte baumelt der Schlüssel zum Zimmer 29 des Hotel Château Marmont in Hollywood. Nein, der ist nicht echt, natürlich nicht. Es ist ein Souvenir der „Work in Progress“-Vorstellung von „Room 29“, einem Stück von Chilly Gonzales und Jarvis Cocker. In einer Woche ist Weltpremiere auf Kampnagel, dann bringe ich den Schlüssel wieder hin und schaue, ob er noch paßt.

Room 29
Room 29

Jetzt ist aber erst einmal Zeit fürs Abendessen.

Abendessen

Leider muß ich mich danach noch dem zickenden Drucker widmen. Der behauptet seit gestern hartnäckig, offline zu sein und ist weder über WLAN noch über den Ethernet- und auch nicht mehr über den USB-Anschluß ansteuerbar. Als letzten Versuch werde ich den Treiber neu installieren. Hoffentlich hilft’s.

Kaputt
Druckt nicht

Fortsetzung folgt (im April).


„12 von 12“ ist ein Fotoprojekt für Blogger, wobei es mittlerweile auch viele Mitstreiter ohne Blog auf Twitter und Instagram gibt. Die gemeldeten Blogeinträge des heutigen Tages werden hier gesammelt.

#30DayMusicChallenge (2)

Wieder sind zehn Tage vergangen – Zeit für den Rückblick auf den zweiten Teil der #30DayMusicChallenge!

Day 11: A song that you never get tired of
Da gibt es ein paar, aber „Says“ sticht aus vielerlei Gründen heraus. Ich habe es bisher fünfmal live gehört, beim MS Dockville, auf Kampnagel, in Paris und in London und jedes dieser Konzerte ist mit bestimmten Erinnerungen und Emotionen verknüpft. Immer, wenn ich das Stück auflege, ist es also auch eine Zeitreise.

Zum Louvre-Konzert existiert ein Bericht, der diesen Satz enthält:

05:23 A chord change provokes wild applause for some reason.

Der Uhrzeit nach muß das „Says“ gewesen sein und ich frage mich bis heute, ob die Autorin tatsächlich Ohren hat oder bloße Attrappen am Kopf trägt.

Day 12: A song from your preteen years
1985 war das Jahr, in dem ich voll eingestiegen bin in das, was man damals Popmusik nannte. Ich könnte problemlos ein Dutzend Titel nennen, aber „The Power of Love“ aus „Zurück in die Zukunft“ ist der, der von allen am lautesten „1985“ schreit.

Day 13: One of your favorite 70’s songs
Im Zweifel kann das „70’s“ gestrichen werden.

Day 14: A song that you would love played on your wedding
Ach, die Sache mit dem Hochzeitssong. An sich eine unlösbare Aufgabe. Geht doch gar nicht, daß ich das einfach so für mich festlege, bevor ich überhaupt weiß, wer da im Falle des Falles neben mir steht. Aber dann fand ich dieses zauberhafte Geschrammel auf Spotify und dachte: Wer ein Problem damit hat, dazu mit mir zu schwoofen, kommt eh nicht infrage.

Day 15: A song that is a cover by another artist
Damals, als ich nach dem Konzert in der Pony Bar auf Facebook schrieb: „Last night an Icelandic troubadour saved my life.“

Day 16: One of your favorite classical songs
Patrick O’Brian ist schuld. Der hat nämlich die Aubrey/Maturin-Bücher geschrieben, insgesamt 21 Bände. Später hat jemand aus zweien davon ein Drehbuch fabriziert und einen Film daraus gemacht. Zu dem es selbstverständlich auch einen Soundtrack gibt. Die besten Stücke aus diesem Soundtrack wurden nicht für den Film komponiert und sind älter als das, was Patrick O’Brian verfaßt hat. Sie stammen von Johann Sebastian Bach, Luigi Boccherini, Arcangelo Corelli, Wolfgang Amadeus Mozart und Ralph Vaughan-Williams.

Day 17: A song that you would sing a duet with on karaoke
Karaoke im Duett? Nicht meine Lieblingsidee. Aber wenn, dann das.

Day 18: A song from the year that you were born
Aus dem Jahr 1973 stammen erstaunlich viele meiner Favoriten. Im dritten Teil liste ich einen, der mir für eine andere Kategorie passender erschien. An dieser Stelle soll Sir Elton John zu Ehren kommen.

Day 19: A song that makes you think about life
Am liebsten in der Version von Marlene Dietrich und am allerliebsten en français.

Begründen muß ich diese Wahl wohl nicht.

Day 20: A song that has many meanings to you
Mit dem Großteil der Musik, zu der ich aufgewachsen bin, fange ich mittlerweile nicht mehr viel an. Die Songs von Billy Joel hingegen blieben außen vor und sind gewissermaßen unkaputtbar (1. Bedeutung). Ich verbinde sie mit diversen Aufenthalten in England und Irland (2. Bedeutung) und mit einer langjährigen Freundschaft (3. Bedeutung).

„She’s always a woman“ ist mein Lieblingssong von Billy Joel und darüberhinaus eines meiner Lieblingsliebeslieder (4. Bedeutung). Jahrelang habe ich mir einen alternativen Text aus der Perspektive „Mädchen liebt Junge“ gewünscht. Nur hätte man dazu den Song covern müssen und das erschien mir undenkbar. Aber dann kam Anna Depenbusch, machte es einfach und siehe da: Das Stück verlor seinen Zauber nicht. Ganz im Gegenteil.

Fortsetzung folgt.