Das Jeansproblem

Onlineversandhandel kann eine praktische Sache sein. Man hat die größtmögliche Auswahl, bestellt unabhängig von Ladenöffnungszeiten bequem von zu Hause aus und bekommt, wenn alles glattläuft, das Gewünschte binnen weniger Tage ins Haus geliefert. Ich bestelle viel und gerne online und möchte diesen Einkaufsweg nicht missen.

Manche Dinge erscheinen mir aber schlicht zu banal, um deswegen einen Bringdienst zu bemühen. Oder ich benötige sie jetzt und sofort und habe daher keine Muße, Lieferfristen abzuwarten. Kleidung und Schuhe online zu kaufen, empfinde ich gar als unpraktisch und umständlich. Für die allermeisten Dinge mache ich mich also weiterhin auf den Weg in den Einzelhandel, um dieser Tage vermehrt enttäuscht zu werden.

Ein Beispiel.

Über Weihnachten hatte ich die Gel-Wärmflasche meiner Mutter in der Mikrowelle zum Platzen gebracht. In der Benutzung dieses Geräts ungeübt, hatte ich versehentlich eine zu hohe Wattzahl eingestellt. Es galt, Ersatz zu besorgen. Das erschien mir nicht als sonderlich herausfordernd. Ich begab mich also zunächst auf die Barmbeker Einkaufsmeile und danach in die Hamburger Innenstadt. Zwei Drogeriemärkte, ein Kaufhaus und zwei Apotheken später gab ich das Vorhaben auf und bestellte online. Wir reden hier von Hamburg, wohlgemerkt. Nicht von Hintertupfingen. Sehr erstaunlich.

Noch erstaunlicher: Eine der besuchten Apotheken gehört zu einer Kette, der auch ein Webshop angegliedert ist. In diesem war das von mir gewünschte Produkt als lieferbar gelistet, vor Ort war die Wärmflasche allerdings nicht am Lager. „In Ihrem Webshop haben Sie so etwas!“, erwähnte ich noch bei der Nachfrage. Das sei gut möglich, erhielt ich zur Antwort, aber man könne eben nicht das gesamte Sortiment in der Filiale bevorraten. Soweit absolut verständlich. Nur bot man mir weder an, die Ware für mich zu besorgen noch wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß ich – wie ich im Nachhinein herausfand – die Wärmflasche im Webshop auch zur Abholung vor Ort hätte bestellen können.

Da möchte ich nun keine Klagen mehr über den bösen Onlinehandel hören, der dem Einzelhandel das Wasser abgräbt. Im vorliegenden Fall muß man leider sagen: selbst Schuld.

Die Sache mit der Wärmflasche ist indes ein zu vernachlässigendes Ärgernis. Viel nachhaltiger trifft mich die Einschränkung des Jeanssortiments in den Hamburger Filialen der Firma CECIL. Im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen meiner Lieblingsfiliale wurde ich ausdrücklich aufgefordert, mich diesbezüglich persönlich bei CECIL zu beschweren. Sie hätten schon so oft um entsprechende Ware gebeten, da die Nachfrage bestehe. Leider ohne Erfolg. Ich verfaßte daraufhin das folgende Schreiben.

Liebe Firma CECIL,

ich bin seit Jahren großer „Toronto“-Fan. Jeans kaufen war bisher so einfach: In den CECIL Store (…) gehen, nach einer „Toronto“ in der Größe irgendwo zwischen 26 bis 28 [gemeint ist die Bundweite in Inches] in 34er Länge suchen, anprobieren, kaufen, glücklich sein.

Nun wurde die Filiale in der Europapassage kürzlich geschlossen – kein großer Verlust, denn außer „meiner“ Jeans habe ich dort schon länger nichts rechtes mehr für mich finden können. Aber auch mein Lieblingsstore (…) bekommt kaum noch Hosen in 34er Länge, obwohl die Nachfrage besteht.

Wohl oder übel bestellte ich also drei lange „Torontos“ über den Webshop. Was ich hasse, denn ich will bei Klamotten anprobieren, entscheiden, was ich kaufe und fertig. Nicht bestellen, in Vorleistung treten, warten, bis das Paket kommt (was u. U. noch beschädigt und verzögert geliefert wird, wie jetzt geschehen), anprobieren, merken, daß „Toronto“ vom Schnitt nicht mehr zwingend „Toronto“ ist, ahnen, daß ich bei diesen beiden Fällen jetzt eine oder zwei Nummern größer anprobieren müßte, diese Größen aber nicht mitbestellt haben, sehr laut fluchen, zwei von drei Jeans wieder einpacken und zurückschicken, auf die Gutschrift warten und mich ärgern.

Liebe Firma CECIL, wissen Sie, was als nächstes passieren wird? Ich werde mich auf die Suche nach einer neuen Lieblingsjeans machen. Woanders.

Sehr schade.

So long,
Susanne Dirkwinkel

Ein paar Tage später erhielt ich eine Textbaustein-Antwort. „Diese direkte Rückmeldungen unserer Kunden“, „sehr wichtig“, „an die zuständige Abteilung weitergeleitet“, „unseren Service und unsere Leistungen stetig optimieren“; ihr kennt das. Weiter passierte nichts und bei den letzten Besuchen in der Lieblingsfiliale stellte ich keine Bewegung fest.

Das Modell „Toronto“ ist, was im Fashionsprech mit „Straight leg, high rise, regular fit“ (gerades Bein, hohe Taille, bequeme Paßform) bezeichnet wird. Ich bevorzuge dunkle bis sehr dunkle Blautöne, bin aber auch für andere Farbvarianten offen und vermeide generell bei meiner Kleidung jeglichen Tüdelüt (Motivstickereien, Strass-Steinchen, lustige Metallnupsis etc.).

Hat eventuell jemand eine heiße Empfehlung für mich?

3 Gedanken zu „Das Jeansproblem“

  1. Tja. Normalerweise springe ich immer gern für den Einzelhandel in die Bresche. Aber manche stellen sich einfach und unverständlicherweise dämlich an. Jeans kaufen ist immer wieder ein Drama. Nachdem ich im letzten Jahr zwei Jeans bei Levi’s kaufte und die ja nur noch aus dünnem Stretchstöffchen bestehen, weshalb sie gerade wieder bei der Schneiderin wegen Radsattelfraßes sind, wurde ich nun im alteingesessenen Modekaufhaus Weingarten in Köln fündig. Da kommt noch auf jede Kundin mindestens eine Fachverkäuferin und eine Frau an der Kasse. Und -simsalabim – hatte ich die gewünschte Hose. Geht doch.

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