In Concert: Sir Jeffrey Tate und die Hamburger Symphoniker in der Laeiszhalle

„Mehr Philharmonisches Staatsorchester Hamburg“, lautete einer meiner Konzertvorsätze für die Saison 2016/17 – so sehr hatte mich das 6. Philharmonische Konzert mit Kent Nagano im Februar letzten Jahres begeistert. Nun kann man mir nicht ganz zu Unrecht vorwerfen, daß ich leicht zu begeistern bin. Was aber an diesem Abend besonders war: Ich saß in der Laeiszhalle, hörte einem Hamburger Orchester zu, auf dem Programm stand unter anderem ein Komponist, nach dessen Stücken es mich nicht zwingend gelüstet und ich brachte dennoch das gesamte Konzert auf der Stuhlkante sitzend zu. Der hinter mir liegende Arbeitstag, der schmerzende Rücken, der laeiszhallentypische Sauerstoffmangel: alles unwichtig, solange Nagano den Taktstock in der Hand hielt.

Ich bin nicht sehr versiert, wenn es um Orchester- und Dirigentenvergleiche geht. Dazu fehlen mir Hintergrundwissen und Hörerfahrung. Wenn ich in Kritiken von „analytischer Durchdringung“ lese oder von „furchterregend stählerner Brillanz“, dann erinnert mich das an Geschmacksbeschreibungen bei Weinproben oder Whisky-Verkostungen. „Goldener Sirup, braunes Brot, Erdnußbutter, Zimt, weißer Pfeffer, Cocktailkirschen“, las ich da unlängst, und aus eigener Kraft wäre ich höchstens auf „goldener Sirup“ gekommen – ganz vielleicht auch noch auf „Erdnußbutter“. Ein schlichtes „Schmeckt mir“- oder „Schmeckt mir nicht“-Urteil ist sehr viel wahrscheinlicher.

Mein Maßstab für Orchesterkonzerte ist daher: Wie sehr fesselt mich das Aufgeführte? „Kriegt“ mich das, selbst wenn ich mit dem Komponisten, dem Werk oder der Musikrichtung wenig anfange? Kent Nagano und die Philharmoniker schafften das mühelos und ich wollte unbedingt mehr davon.

Nur kann ich meinen Vorsatz leider nicht einhalten. Ich bin zwar nicht leer ausgegangen beim Elphi-Vorverkauf, aber den Run hatte ich in dieser Wucht doch unterschätzt und daher keine Karte mehr für ein Philharmonie-Konzert ergattern können.

Aber schließlich sind da ja noch die Hamburger Symphoniker, die der Laeiszhalle als neues Residenzorchester die Treue halten. „Andere Säle haben auch (noch) schöne Konzerte“, dachte ich, als ich das Plakat zum 5. Symphoniekonzert sah, „und außerdem kannst Du das Ticket im Zweifel noch spontan zwei Wochen vor dem Termin kaufen. Hat auch was für sich.“

Es war schon ein besonderes zeitliches Zusammentreffen. Jeffrey Tate ist erst kürzlich zum „Sir“ geschlagen worden, in Anerkennung der Verdienste um die Musik seines Heimatlandes im Ausland. Es war das erste Konzert, das er nach dieser Auszeichnung dirigierte, und das Programm unter dem Titel „London, my love“ bestand bezeichnenderweise ausschließlich aus britischer Musik: der „Horoscope“-Suite von Constant Lambert, dem Liederzyklus „Sea Pictures“ op. 37 von Edward Elgar, vorgetragen von Mezzosopranistin Jennifer Johnston und der Sinfonie No. 2 („A London Symphony“) von Ralph Vaughan-Williams.

Intendant Daniel Kühnel ließ es sich verständlicherweise nicht nehmen, das Publikum vor Konzertbeginn darauf hinzuweisen. Er konnte sich dabei nur leider eine Spitze Richtung Elbphilharmonie nicht verkneifen. „Schön, daß Sie den Weg hierher gefunden haben“, so seine Begrüßung. „Die Laeiszhalle wird heute Abend ganz wunderbar klingen. So wie schon die letzten 108 Jahre und 15 Tage!“ Mit der Reaktion des Publikums setzte das die Stimmung. „Laß die anderen in dieses neumodische Glas-Ding da rennen, wir haben unsere Laeiszhalle und die Symphoniker!“, klatschte es halb selbstgewiß, halb mürrisch aus dem Parkett.

Das Konzert schloß sich nahtlos an: Ich war aufnahmewillig und hörbereit, hatte aber Schwierigkeiten, die Konzentration zu halten. Einzig beim zweiten Satz der Vaughan Williams-Sinfonie klappte das vollumfänglich (Wie zauberhaft ist der denn! Team Vaughan-Williams! Hach!). Das mag in Teilen der Tatsache geschuldet gewesen sein, daß Sir Jeffrey Tate mit einem grippalen Infekt zu kämpfen hatte. Dennoch, es erinnerte mich an frühere Erfahrungen ähnlicher Art bei Symphoniekonzerten und das Erlebnis mit den Philharmonikern hatte mir gezeigt, daß es so nicht sein muß.

Ein kniffliger Zwiespalt: Hätte Kent Nagano mit den Philharmonikern auf dem Podium gestanden, ich hätte zum Gähnen keine Muße gehabt. Andererseits hätte es das Konzert in dieser Zusammenstellung ohne Sir Jeffrey Tate in Hamburg sehr wahrscheinlich gar nicht gegeben.

Wenn mich ein Programm lockt, werde ich daher wohl auch künftig zu den Symphonikern in die Laeiszhalle kommen. Aber die Entscheidung dafür wird zögerlicher ausfallen.

Von allen musikalischen Vergleichen und der Tagesform einzelner Beteiligter abgesehen hat das viel mit dem gestern präsentierten Gesamtbild zu tun. Insbesondere die trotzig-unentspannt wirkende Ansage war alles andere als sexy. Durch solches wird das (Abo-)Publikum weder diverser noch jünger und ganz bestimmt nicht zahlreicher. Da wird eine Philharmonie eröffnet, die ganze Stadt redet über klassische Musik, aber viele, zum Teil erstmals Interessierte haben keine Tickets bekommen – das ist doch super! Nicht schmollen, ausnutzen und abgreifen!

In dem Zusammenhang sei erwähnt, daß die Webseite der Symphoniker sehr dringend ein Facelift gebrauchen kann. Als ersten Schritt sollte man den „x Jahre, x Tage, x Stunden und x Minuten seit Eröffnung der Laeiszhalle“-Ticker von der Startseite nehmen. Damit gegen die mutmaßlich Tausende Euro schwere „Sounddown“-Kampagne der Elbphilharmonie anstinken zu wollen, riecht nicht nur schwer nach Verzweiflung.

So etwas hat die würdige alte Lady gar nicht nötig.

Die Schwanenfreundbriefe (10): Schwanensee

Hamburg-Barmbek, 29. 1. 2016

Lieber M.,

juhu! Susanne hat bei „HEUTE IN HAMBURG“ Tickets gewonnen! Für „Schwanensee“! Am nächsten Sonntag! Russisches Staatsballett! Wie toll!

Da wären wir natürlich zu gerne mit Dir hingegangen. Aber Susanne hat gesagt, daß sie keinen Korb mehr verträgt und Dich nach reiflicher Überlegung deswegen doch lieber nicht fragen will. Ich finde das total doof. Aber es hat keinen Sinn, mit ihr zu diskutieren, wenn sie so entschlossen ist. Also geht sie jetzt mit Tante I. hin.

Ich erzähle Dir dann, wie es war.

Alles Liebe,
Dein Schwanenfreund

P.S.: Es war schön und die Tänzer waren bestimmt Weltklasse, aber die Musik war vom Band; es paßt halt leider kein Orchester ins CCH. Das mag ich nicht so gern und Susanne erst recht nicht.


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Getting political

Looking back at the presidency of Barack Obama, I feel that I owe him an apology.

As much as I liked the man (and I still do): His political achievements neither seemed to meet his nation’s nor the world’s expectations, not even his own announcements. I kept thinking that being a decent, educated, graceful, humorous, compassionate, witty and, as far as the office would allow it, honest human being was not enough to fulfill the tasks he encountered.

Lunch meeting. See more #ObamaAndKids highlights from the #YearInPhotos at the link in the bio.

Ein von The Obama White House (@obamawhitehouse) gepostetes Foto am

I regret that now.

It is only day two after the transition of power and Obama’s successor has cut back the newly installed healthcare system without providing an alternative – I seriously doubt that we will ever see one -, declared war on the media and let his press secretary shout out an outright lie. He fired all foreign US ambassadors without granting them even the shortest period of grace. With his wife he opened the dance at one of the inauguration balls to Frank Sinatra’s „My Way“, of all songs (though I loved that line about facing the final curtain being sung in this context). And this inauguration speech… well. Let us say it left no doubt about his goals and in which style he is going to pursue them.

Our hope now lies not only in the US constitutional entities, the opposition, international media and, last but not least, the people (look at those marches! Restored my faith! Well, in parts) to check on this presidency to the best of their abilities. It also depends on the world’s leaders including, much as I hate to say it, Vladimir Putin to keep calm and act sensibly in the face of threat, bully, desinformation and narcissism.

Thus I am considering in earnest, for the first time in my life as a voter, to support the conservative candidate in the upcoming German federal election. Due to our electoral system, I am able to do so only by voting for her party, the none too Christan democrats. But all facts considered, as of today, they may be the only ones capable of rallying enough votes to build a sustainable majority. I do not like the thought of Angela Merkel now being the leader of the free world, as so many people seem to think. I do not like it at all. Nevertheless there may be some truth in it.

Speaking of leaders, I am actually looking forward to Frank-Walter Steinmeier becoming our next federal president. Even if you do not approve of what he did during his time as Chief of Staff of the Chancellery under Gerhard Schröder, both to the German social democrats and their supporters, let alone to the German social security system: There is a diplomat and a professional if I ever saw one.

For we desperately need professionals to deal with an amateur going berserk.

„Otello“ in der Staatsoper Hamburg

In der Staatsoper Hamburg war ich nun schon ein paar Mal, aber erst als ich im vergangenen Herbst die Liveübertragung der Spielzeiteröffnung 2016/17 am Jungfernstieg sah, fiel mir auf, daß ich dort zwar Ballettvorführungen und Konzerte, aber noch nie eine Oper besucht hatte. In über 11 Jahren in Hamburg nicht. Höchste Zeit, das nachzuholen.

Warum es nun ausgerechnet der „Otello“ wurde, tja. Mag sein, daß die mannshohe Plakatierung im U-Bahn-Durchgang zwischen Rathausmarkt und Jungfernstieg eine Rolle spielte (Print wirkt!). Kann aber auch am Datum gelegen haben.

Wie dem auch sei, ich fand kurzfristig noch einen freien Platz mit halbwegs brauchbarem Blick auf das Bühnengeschehen für äußerst erschwingliche 12 Euro, konsultierte den zuvor entstaubten Opernführer und informierte mich grob über die Inszenierung: zeitgenössisch offenbar, von Buhrufen aus dem Publikum war zu lesen; das versprach Kontroverse.

Ob es in Calixto Bieitos Sinne war, daß sich in meinem Kopf angesichts der italienisch singenden Anzugträger auf der Bühne schon ab der ersten Szene Mafiaassoziationen festsetzten – ich bin mir da nicht ganz sicher.

Die vorgetragene Version der Geschichte um Intrigen, Eifersucht, Gewalt und Mord erinnerte mich jedenfalls an die klassischen Macho-Machtspiel-Szenarien innerhalb eines Clans. In einer Hafenstadt, des das Bühnenbild beherrschenden orangefarbenen Krans wegen, sei es nun auf Zypern, wie das Libretto es vorgibt, oder sonst irgendwo auf der Welt. Ein testosterongesteuertes Wetteifern, in dem Frauen nur als devote Opfer und Status- bzw. Sexobjekte vorkommen. Selbst die Liebesszenen atmen in dieser Inszenierung Unterdrückung und Mißbrauch und das ist soweit stimmig.

Was nicht ganz paßte, war der Chor. Ein Heer von abgerissenen, schicksalsergebenen und sich um die Champagnerspritzereien der Herrschenden balgender Gestalten, die Textstellen wie

Mentre all’aura vola,
vola lieta la canzon,
l’agile mandòla
ne accompagna il suon.

Zur Mandola klingen
Soll der Freude Lied,
Das auf leichten Schwingen
Durch die Lüfte zieht.

singen, während Desdemona mit einem Blumenstrauß im Arm sich unter ihnen bewegt – das läßt sich meines Erachtens höchstens mittels Ironie in Einklang bringen.

Vermutlich habe ich also auch hier wieder nicht in Gänze begriffen, was der Regisseur dem Publikum mit seiner Inszenierung sagen wollte. Es hat mir trotzdem sehr gut gefallen.

Die musikalischen Gewinner des Abends waren Claudio Sgura als Jago und Svetlana Aksenova als Desdemona – großartig. Und überhaupt, Verdi! Nicht kaputtzukriegen. Schlimmstenfalls hätte das auch mit geschlossenen Augen noch funktioniert.

Apropos, ich merke mir fürs Ohr: Die Staatsoper-Akustik funktioniert sehr gut auch in der Holzklasse auf den günstigen Plätzen (und ist gnadenlos zu klappernden Streichern).

Den dramatischen Abend mit einem doppelten Grappa ausklingen zu lassen, erschien mir im Anschluß nur recht und billig. Wobei das wiederum ganz bestimmt auch dem Datum geschuldet war. Und der anderen Oper da, jenseits des großen Teichs.

Salute.

Das Jeansproblem

Onlineversandhandel kann eine praktische Sache sein. Man hat die größtmögliche Auswahl, bestellt unabhängig von Ladenöffnungszeiten bequem von zu Hause aus und bekommt, wenn alles glattläuft, das Gewünschte binnen weniger Tage ins Haus geliefert. Ich bestelle viel und gerne online und möchte diesen Einkaufsweg nicht missen.

Manche Dinge erscheinen mir aber schlicht zu banal, um deswegen einen Bringdienst zu bemühen. Oder ich benötige sie jetzt und sofort und habe daher keine Muße, Lieferfristen abzuwarten. Kleidung und Schuhe online zu kaufen, empfinde ich gar als unpraktisch und umständlich. Für die allermeisten Dinge mache ich mich also weiterhin auf den Weg in den Einzelhandel, um dieser Tage vermehrt enttäuscht zu werden.

Ein Beispiel.

Über Weihnachten hatte ich die Gel-Wärmflasche meiner Mutter in der Mikrowelle zum Platzen gebracht. In der Benutzung dieses Geräts ungeübt, hatte ich versehentlich eine zu hohe Wattzahl eingestellt. Es galt, Ersatz zu besorgen. Das erschien mir nicht als sonderlich herausfordernd. Ich begab mich also zunächst auf die Barmbeker Einkaufsmeile und danach in die Hamburger Innenstadt. Zwei Drogeriemärkte, ein Kaufhaus und zwei Apotheken später gab ich das Vorhaben auf und bestellte online. Wir reden hier von Hamburg, wohlgemerkt. Nicht von Hintertupfingen. Sehr erstaunlich.

Noch erstaunlicher: Eine der besuchten Apotheken gehört zu einer Kette, der auch ein Webshop angegliedert ist. In diesem war das von mir gewünschte Produkt als lieferbar gelistet, vor Ort war die Wärmflasche allerdings nicht am Lager. „In Ihrem Webshop haben Sie so etwas!“, erwähnte ich noch bei der Nachfrage. Das sei gut möglich, erhielt ich zur Antwort, aber man könne eben nicht das gesamte Sortiment in der Filiale bevorraten. Soweit absolut verständlich. Nur bot man mir weder an, die Ware für mich zu besorgen noch wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß ich – wie ich im Nachhinein herausfand – die Wärmflasche im Webshop auch zur Abholung vor Ort hätte bestellen können.

Da möchte ich nun keine Klagen mehr über den bösen Onlinehandel hören, der dem Einzelhandel das Wasser abgräbt. Im vorliegenden Fall muß man leider sagen: selbst Schuld.

Die Sache mit der Wärmflasche ist indes ein zu vernachlässigendes Ärgernis. Viel nachhaltiger trifft mich die Einschränkung des Jeanssortiments in den Hamburger Filialen der Firma CECIL. Im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen meiner Lieblingsfiliale wurde ich ausdrücklich aufgefordert, mich diesbezüglich persönlich bei CECIL zu beschweren. Sie hätten schon so oft um entsprechende Ware gebeten, da die Nachfrage bestehe. Leider ohne Erfolg. Ich verfaßte daraufhin das folgende Schreiben.

Liebe Firma CECIL,

ich bin seit Jahren großer „Toronto“-Fan. Jeans kaufen war bisher so einfach: In den CECIL Store (…) gehen, nach einer „Toronto“ in der Größe irgendwo zwischen 26 bis 28 [gemeint ist die Bundweite in Inches] in 34er Länge suchen, anprobieren, kaufen, glücklich sein.

Nun wurde die Filiale in der Europapassage kürzlich geschlossen – kein großer Verlust, denn außer „meiner“ Jeans habe ich dort schon länger nichts rechtes mehr für mich finden können. Aber auch mein Lieblingsstore (…) bekommt kaum noch Hosen in 34er Länge, obwohl die Nachfrage besteht.

Wohl oder übel bestellte ich also drei lange „Torontos“ über den Webshop. Was ich hasse, denn ich will bei Klamotten anprobieren, entscheiden, was ich kaufe und fertig. Nicht bestellen, in Vorleistung treten, warten, bis das Paket kommt (was u. U. noch beschädigt und verzögert geliefert wird, wie jetzt geschehen), anprobieren, merken, daß „Toronto“ vom Schnitt nicht mehr zwingend „Toronto“ ist, ahnen, daß ich bei diesen beiden Fällen jetzt eine oder zwei Nummern größer anprobieren müßte, diese Größen aber nicht mitbestellt haben, sehr laut fluchen, zwei von drei Jeans wieder einpacken und zurückschicken, auf die Gutschrift warten und mich ärgern.

Liebe Firma CECIL, wissen Sie, was als nächstes passieren wird? Ich werde mich auf die Suche nach einer neuen Lieblingsjeans machen. Woanders.

Sehr schade.

So long,
Susanne Dirkwinkel

Ein paar Tage später erhielt ich eine Textbaustein-Antwort. „Diese direkte Rückmeldungen unserer Kunden“, „sehr wichtig“, „an die zuständige Abteilung weitergeleitet“, „unseren Service und unsere Leistungen stetig optimieren“; ihr kennt das. Weiter passierte nichts und bei den letzten Besuchen in der Lieblingsfiliale stellte ich keine Bewegung fest.

Das Modell „Toronto“ ist, was im Fashionsprech mit „Straight leg, high rise, regular fit“ (gerades Bein, hohe Taille, bequeme Paßform) bezeichnet wird. Ich bevorzuge dunkle bis sehr dunkle Blautöne, bin aber auch für andere Farbvarianten offen und vermeide generell bei meiner Kleidung jeglichen Tüdelüt (Motivstickereien, Strass-Steinchen, lustige Metallnupsis etc.).

Hat eventuell jemand eine heiße Empfehlung für mich?

12 von 12 im Januar

Das hier ist nicht meine erste, aber meine erste ordnungsgemäße Teilnahme, denn „12 von 12“ ist eigentlich ein Fotoprojekt für Blogger. Wobei es mittlerweile auch viele Mitstreiter ohne Blog auf Twitter und Instagram gibt. Die gemeldeten Blogeinträge des heutigen Tages werden hier gesammelt.

Ich bin ziemlich pingelig mit meinen Fotos und veröffentliche nur, was mich entweder ästhetisch überzeugt oder bei dem der Inhalt die unter Umständen mäßige Qualität rechtfertigt. An einem regulären Arbeitstag im Januar zwölf in meinen Augen ausreichende oder gar schöne Bilder zu produzieren, ist daher eine echte Herausforderung.

Proviant bunkern
Proviant bunkern

Ich bin ein bißchen spät dran heute morgen. An meiner Lieblingskaffeeklappe besorge ich mir trotzdem erst einmal Proviant für die Mittagspause.

Lesungen im Ledigenheim
Lesungen im Ledigenheim

Auf der letzten Teilstrecke ins Büro fallen mir einige bekannte Namen ins Auge. Wer etwas über das Ledigenheim und die Bemühungen um dessen Erhalt wissen will, kann sich hier informieren.

Norwegen à la carte
Norwegen à la carte

Im Souterrain ist der Kartendrucker schon fleißig. Es stehen dort mittlerweile zwei Geräte: Eines, was ausschließlich britische Karten druckt und eines, was bisher ausschließlich norwegische Karten druckt (im Bild). Bitte nicht fragen, es ist kompliziert.

Elphi
Elphi

Die Mittagspause verbringe ich möglichst draußen. Heute muß ich natürlich erstmal schauen, wie die Elphi die gestrige Eröffnung überstanden hat. Sie guckt noch ein bißchen verkniffen, scheint aber ansonsten guter Dinge.

Zutritt verboten
Zutritt verboten

Daß die Elbphilharmonie ein offenes Haus sein soll, merkt man dieser Tage verständlicherweise nicht. Vor Ort ist noch das volle Security-Programm in Kraft. Aber auch aufgrund der aufwendigen Lichtinstallation sind Absperrungen notwendig, z. B. diese.

Weihnachten an der "Kaiserperle"
Weihnachten an der „Kaiserperle“

An der „Kaiserperle“ ist derweil noch Weihnachten.

Motivalarm
Motivalarm

Dann plötzlich, auf dem Rückweg: Motivalarm! Menschen in Traditionsschiff-Takelage vor Elbphilharmonie-Fassade. Quasi formvollendete HafenCity-Symbolik. Einer dieser Momente, in denen man sich dringend eine ordentliche Fotoausrüstung nebst der entsprechenden vollumfänglichen Kenntnisse wünscht. Wobei der Schnappschuß so schlecht nicht geworden ist.

Oben
Oben

Ganz schön pustig. Da oben merkt man das noch einmal mehr, das weiß ich aus Erfahrung.

Schirmtod
Schirmtod

Die Windstärke kann man in Hamburg im Übrigen auch sehr gut an der Schirmtodquote ablesen. Gestern und heute wurden ziemlich hohe Werte erzielt.

Digger
Digger

Nachmittags bekommen wir Besuch von einem unserer Lieblingskunden. Meistens bringt der seinen Assistenten mit. Digger hat bei uns sein eigenes Spielzeug. Das rote Quietsche-Krönchen stammt aus dem Buckingham Palace Shop.

Crew only
Crew only

Wenn die Kollegen aus dem unteren Stockwerk das Schild vor den Treppenabgang hängen, ist es bis zum Feierabend nicht mehr weit.

BSH
BSH

Das Kleberli am Monitor soll verhindern, daß ich die Seekartenbestellung beim BSH vergesse. Meistens klappt’s.

Mein Feierabend ist heute unspektakulär und besteht aus Risotto kochen und essen, ein bißchen TV und Internet und zum Abschluß ein paar Zeilen Bodo Kirchhoff. Alles ohne Bild.

Fortsetzung folgt (im Februar).

The Elphi is open

Nun ist sie endlich eröffnet, unsere Elphi, und es gibt kaum jemanden, der keine Meinung oder wenigstens Meldung dazu hat.

Der komplette NDR und nicht nur die Lokalpresse überschlugen sich tagelang, der (klassische) Musikbetrieb kannte kaum ein anderes Thema und auch meine Timelines mischten kräftig mit: Falk schrieb über Kunst, die kein bürgerliches Vergnügen sei, Torsten berichtete vom fotografischen Scheitern und bei „Hamburg unter sich“ gab „die Neue“ bereits im vergangenen November ihren Einstand.

Am Nachmittag fiel mir auf Twitter dann noch ein Beitrag des Kunstmagazins „art“ ins Auge, geteilt von Anke Groener. „In Hamburg sagt man Philli“, so lautet die Überschrift. Der Spitzname ist auch Thema des letzten Artikelabsatzes:

Was sagt der Volksmund? „Elbphilharmonie“ ist als Rufname definitiv zu lang, da war man sich einig. „Elphi“ johlte es deshalb vorschnell auf großgedruckten Überschriften, so solle das Wahrzeichen von nun an heißen. Derweil hatte sich unmittelbaren Nachbarschaft längst das bedeutend mondänere „Philli“ als Abkürzung für das Schmuckstück durchgesetzt. Also Vorsicht: Wer in Hamburg weiterhin von der „Elphi“ spricht, outet sich unfreiwillig als Pinneberger.

Ist das so? Seltsam nur, daß sämtliche Social Media-Kanäle der Elbphilharmonie höchstselbst mit „Elphi“ arbeiten, ebenso der Eigentümer, die Stadt Hamburg, sowie das Residenzorchester und überhaupt: alle, die ich kenne, ob in Hamburg oder außerhalb. Als Verballhornung der Verniedlichung ist vielerorts auch vom „Elbvieh“ zu hören und zu lesen.

Also, liebe Kollegen von „art“: Guten Morgen! Der Drops ist längst gelutscht.

Ich freue mich derweil auf meinen ersten Konzertbesuch im Großen Saal: Am 10. Februar ist es endlich soweit.

Die Schwanenfreundbriefe (9): Großpapa Nieß

Hamburg-Neustadt, 7. 1. 2016

Lieber M.,

Großpapa Nieß ist gestorben. Er ist 84 Jahre alt geworden. Meine Freunde und ich sind sehr traurig.

Susanne und ich hatten uns gestern Abend eine Dokumentation über die Alsterschwäne angeschaut. Da war auch eine Szene mit Papa und Großpapa Nieß dabei und Susanne dachte noch: Er muß schon ziemlich alt sein, sieht aber echt fit aus. Hm.

Jedenfalls fragen wir uns jetzt nicht mehr, warum wir vom Schwanenvater bisher keine Antwort bekommen haben. Der hatte wahrscheinlich ganz andere Sorgen.

Man sollte in der Stadt etwas nach Großpapa Nieß benennen. Prominent genug ist er wohl gewesen. Sie müssen ja nicht gleich den Schwanenwik umtaufen – obwohl, warum eigentlich nicht. Vielleicht findet sich aber auch eine angemessen große Wasserfläche, die einen neuen Namen braucht. Das wäre für uns Schwäne sowieso viel besser als so ein dummes Stück Asphalt.

Mit einer Träne im Knopfloch,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.

Hamburgs Alsterschwäne
Hamburgs Alsterschwäne

Harald („Großpapa“) Nieß hat übrigens ein ganz wundervolles Buch verfaßt. Es heißt „Hamburgs Alsterschwäne“ und erschien 1997 bei Rasch und Röhring. Es ist leider nur noch antiquarisch erhältlich, aber der Schwanenfreund und ich legen es jedem wärmstens ans Herz, dem die Alsterschwäne am Herzen liegen.

Hindernisrennen

Kiki hat über Radrowdys geschrieben. Wobei „geschrieben“ für diesen Text etwas schwach erscheint – „gekotzt“ trifft es wohl besser*). Ich will gar nicht bestreiten, daß Radrowdytum in Hamburg existiert. Ich habe es selbst schon erlebt, insbesondere im Innenstadtbereich und rund um die Alster. Dennoch, wenn ich diese Verschärfung betrachte, frage ich mich: Ist das, was Kiki da schildert, ein anderes Hamburg als das, in dem ich lebe und mich bewege?

Das folgende Textfragment verfaßte ich vor ein paar Wochen nach einer Einkaufsfahrt auf dem neugestalteten Abschnitt der Fuhlsbütteler Straße zwischen dem Barmbeker Bahnhof und der Wellingsbütteler Straße. In diesem Bereich wurden Gehwege zugunsten von Fußgängern (jaha!), Gewerbe und Gastronomie erweitert und der Radverkehr auf Radstreifen an der (verkleinerten) Fahrbahn transferiert.


Samstags in Barmbek: Für die Runde Budni – Bäcker – Markt nehme ich das Fahrrad.

Auf der kurzen Strecke muß ich einem Taxi, einem Lieferwagen und drei DHL-Fahrern ausweichen, ich muß Fußgänger, die jenseits der Übergänge und Ampeln die Straße überqueren wollen, zur Raison klingeln und mich fluchend hinter einen Gelenkbus zurückfallen lassen, der erst im Anfahren von der Haltestelle beginnt, links zu blinken. Und der mich entweder nicht sieht oder den es nicht interessiert, daß ich in diesem Moment schon neben ihm fahre.

Seit der Umgestaltung der Fuhlsbütteler Straße liegt der Fahrradweg auf der Fahrbahn, als Pufferzone zwischen Bushaltestellen, Parkbuchten und dem Autoverkehr. Es soll Fahrradfahrer geben, die das so bevorzugen. Das ist mir unbegreiflich.

Ich lebe nämlich ganz gern.


Ich selbst bin überwiegend Bahnfahrerin/Fußgängerin und seltener Radfahrerin. Der Hauptgrund ist, daß ich mich auf dem Rad in Hamburg nicht sicher fühle. Vor dreieinhalb Jahren, im Sommer, habe ich einige Male meinen 8km langen Arbeitsweg mit dem Rad zurückgelegt. Obwohl ich defensiv fahre und mich bemühe – nobody’s perfect -, stets alle Verkehrsregeln zu beachten, gab es bei den ersten Fahrten gleich mehrere brenzlige Situationen, in denen Autofahrer mich beim Abbiegen übersahen oder mir Fußgänger hakenschlagend vor die Reifen liefen – auf dem Fahrradweg, wohlgemerkt, nicht selten blind für die Umgebung durch den Blick aufs Smartphone. Ich kaufte mir daraufhin einen Fahrradhelm, etwas, was ich zu tragen bisher kategorisch abgelehnt hatte. Wodurch ich somit aus Erfahrung auch gleich zur Aufklärung des „Warum behalten Radfahrer ihren Helm auf, z. B. im Supermarkt“-Rätsels beitragen kann: Man kann den Helm entweder absetzen und mit ins Geschäft nehmen, dann baumelt er einem ständig im Weg herum, man hat ja nicht plötzlich eine Hand mehr. Oder man kann ihn am Rad zurücklassen, dann hängen da nachher zwei. So einfach ist das.

Zurück zur Verkehrssituation. Viele von uns erleben täglich Rücksichtslosigkeit in Straßen- und Bahnverkehr. Es stimmt schon: Als Fußgängerin bin ich potentiell Freiwild für praktisch alles, was Räder hat. Aber umgekehrt brachte als Fahrradfahrerin mich einst eine Fußgängerin zu Fall, weil sie ohne Seitenblick über den Radweg (und die Straße) sprintete, um einen Bus zu erreichen. Sie riskierte noch einen kurzen Blick über die Schulter, sah mich und mein Rad am Boden liegen und hüpfte schulterzuckend in die Linie 172. Es ist richtig: Selbst in einem Auto kann ich mich nicht sicher fühlen, und sei es nur deshalb, weil es im Zweifel immer noch ein größeres Kraftfahrzeug gibt als das, in dem ich gerade sitze. Aber auch, weil es manchen Zweiradfahrern mit und ohne Motor und gelegentlich sogar Fußgängern eine Freude ist, Autofahrer zu provozieren. Und wann lernt die Menschheit endlich, daß man Leute aus Bussen und Bahnen erst aussteigen lassen muß, um selbst einsteigen zu können?

Die Lösung des Problems neben einer Verkehrspolitik, die die Gleichberechtigung aller (!) Verkehrsteilnehmer fördert, ist und bleibt gesunder Menschenverstand, Augenmaß und gegenseitige Rücksichtnahme. Es hilft alles nichts, es ist, um das unerschütterliche Treuebekenntnis gewisser Fußballfans zu ihrem bisweilen wenig siegreichen Verein zu zitieren, die einzige Möglichkeit.


*) Nachtrag: Kikis Originalartikel ist inzwischen offline. Die Gründe dafür kann man hier nachlesen.