Die Schwanenfreundbriefe (6): Der Alsterschwanenfreund

Hamburg-Barmbek, 19. 12. 2015

Lieber M.,

es ist etwas Kurioses passiert. Susanne hat dieser Tage ein Foto gesucht. Sie erinnerte sich grob, daß es aus dem Sommer 2014 stammen mußte, hat all ihre Handyfotos durchwühlt und dabei ein Schwanenbild gefunden.

Alsterschwanenfreund (2014)

Sie hat diesen charmanten Bettler im Juli 2014 an der Vierjahreszeiten-Terrasse geknipst.

Es könnte schon sein, daß das der Alsterschwanenfreund ist, meinst Du nicht? Guck Dir mal die Form des Höckers an, das Gesicht ingesamt und insbesondere auch die ringförmige Einbuchtung um den Hals.

Aber vor allem: die Haltung.

Alsterschwanenfreund (2015)

Wir haben jedenfalls bisher keinen meiner Freunde gesehen, der dem Alsterschwanenfreund dermaßen ähnlich sieht. Susanne hat darauf geachtet, jedes Mal, wenn ihr ein Schwan über den Weg geschwommen ist seitdem, und besitzt mittlerweile einen ganz passablen Blick für die kleinen Unterschiede. Es paßt dazu auch, daß der Schnabel auf dem 2015er Bild etwas orangener und der Höcker ein wenig größer ist. So ist das nämlich, wenn wir Schwäne erwachsen werden.

Vielleicht sollten wir den Schwanenvater einmal danach fragen. Der würde unseren Freund vermutlich einen „unverpartnerten männlichen Jungschwan“ nennen. Eine ziemlich nüchterne Bezeichnung für einen so attraktiven Artgenossen (ja, ich bin ein bißchen eifersüchtig!). Jedenfalls, solange Susanne Papa Nieß nicht verrät, wo ich mich versteckt halte, ist das in Ordnung für mich.

Alles Liebe,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.