Die Schwanenfreundbriefe (1): Der erste Advent

Hamburg-Barmbek, 29. 11. 2015

Lieber M.,

heute nachmittag haben Susanne und ich den Schlitten geschmückt. Ja, Schlitten! Susanne hat nämlich keinen Weihnachtsbaum oder Adventskranz, sondern schmückt einen alten Holzschlitten mit ganz vielen verschiedenen Sachen, z. B. dänischen Weihnachtswichteln, Segelschiffen in Glaskugeln, einer Weihnachtsgurke, Sternen aus Holz, Porzellan, Filz und Papier und verschiedenen Tieren.

Der erste Advent

Ich war ein bißchen geknickt, weil kein Schwan dabei ist. Aber Susanne hat mir erklärt, daß der Schwan weder ein Weihnachtssymbol ist, noch als traditionelles Weihnachtsessen gilt. Das ist wiederum sehr beruhigend. Außerdem meint sie, daß es schwierig ist, eine Schwanensache für den Schlitten zu finden, die nicht kitschig oder verglitzert oder beides ist. Da hat sie wohl leider recht.

Draußen stürmt es jetzt und ich bin froh, daß wir auf dem Sofa sitzen. Susanne liest Patrick O’Brian und ich höre Nils Landgren dabei zu, wie er zusammen mit seinen Freunden die zauberhafteste Weihnachtsmusik macht. Im Bratapfelbräter blubbert dazu ein Bratapfel und duftet schon ziemlich lecker.

Ich hoffe, Du hattest einen schönen ersten Advent.

Bis bald,
Dein Schwanenfreund


Der Schwanenfreund hat insgesamt 21 Briefe geschrieben. Sie waren für den Herrn bestimmt, dem er seine Existenz verdankt. Gerade weil sie ihren Zweck verfehlten, sollen einige von ihnen hier zu neuen Ehren kommen. Vielleicht verlieren wir dadurch endlich das Gefühl, über Monate Perlen vor die Säue geworfen zu haben.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nicht nur Namen unkenntlich gemacht, sondern auch einige Passagen gestrichen, gekürzt und/oder leicht verändert.