(All we hear is) Radio Ga Ga

Listen to the radio

Es ist mir fast ein bißchen peinlich, aber bis vor kurzem habe ich noch NDR 2 gehört, wenn in der Küche einfach mal nur das Radio laufen sollte. Das hat historische Gründe. Zu den wenigen Dingen, die ich nach meinen Umzug aus Nordrhein-Westfalen nach Hamburg vermißte, gehörte mein damaliger Lieblingsradiosender WDR 2. Jetzt kann man den natürlich auch in Hamburg hören, Kabel, Internet und so weiter, aber was nutzen mir hübsche Beiträge über Bielefeld und Verkehrsnachrichten für das Ruhrgebiet, wenn ich in Barmbek (bzw. anfangs noch Wandsbek) wohne. Die Zielgruppe von NDR 90,3 verfehlte ich deutlich und N-JOY, naja, da gab es diese eine Sendung, aber ansonsten: viel zu laut.

Also landete ich bei NDR 2 und genoß dort insbesondere die samstäglichen Bundesligakonferenzen. All die vertrauten Stimmen: Manni Breuckmann! Sabine Töpperwien! Und sowieso: Kindheitserinnerung! Herrlich.

Allein, es ist und bleibt die meiste Zeit des Tages ein gräßlicher Dudelfunk ohne nennenswerten Informationsgehalt. Ich schraubte mich also durch die Kanäle und landete überraschenderweise beim Nordwestradio. Substantielle Wortbeiträge, Feist zum Frühstück, Stoppok live am Abend: ja, doch, geht schon. Bißchen viel Bremen, aber das war immerhin schon mal eine ganze Ecke näher als Castrop-Rauxel. Nicht nah genug allerdings: Der Empfang am Küchenfenster entpuppte sich als phasenweise grottig und wenn ich etwas nicht leiden kann, dann das.

Ich bin inzwischen beim Deutschlandfunk angekommen und es tut mir tatsächlich gut, einen Radiosender zu hören, in dem verhältnismäßig wenig Musik läuft. Für jemanden, der Radio immer als Musikquelle betrachtet hat, ist das eine neue Erfahrung. Aber es stimmt eben doch: Sich weniger bedudeln zu lassen, fördert die Konzentration. Auch und gerade, was das Musikhören betrifft.

29 Gedanken zu „(All we hear is) Radio Ga Ga“

  1. So wahr. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als ich mir haufenweise CDs zulegte aufgrund der Musik im WDR5 Morgenecho. Als noch nur Instrumentales lief: Jazz, Swing, Bossanova. Jahre her.
    Inzwischen höre ich eher DLF, DKultur oder DRadio Wissen. Da ist die Musik zwar auch oft quälend, aber, nun ja.
    (WDR5 hat übrigens immer noch eine Musikredaktion. Was machen die da eigentlich?)

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  2. Gibt es eigentlich noch das „Club Wunschkonzert“ mit Günter Fink, das ich in meiner Jugend – natürlich mit dem nervösen Finger auf der Aufnahmetaste des Kassettenrekorders – stets verfolgt hatte? Und wenn ja: Haben die Hörer von heute noch genügend Ausdauer für „Die lange Rille“? =D

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  3. NDR 2 hat meine Jugend geprägt. (Und eine kurze Zeit auch Radio Hamburg, ich gebe es zu …) Jetzt bin ich extrem froh, dass ich in Berlin radioeins hören kann. Da ich so wenig Musik auf anderen Kanälen höre, brauche ich das immer mal wieder. Deutschlandfunk mag ich für die meisten Beiträge, mich nervt aber die Fahrstuhlmusik zwischen den Beiträgen. Und gerade morgens fehlt mir die Geduld und die Ruhe, längere Beiträge zu hören.

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  4. Man muss doch heute nicht mehr in Berlin wohnen, um Radio Eins zu hören. Über’s Internet geht das ganz prima. 😉 Früher konnte man das sogar im Kabel empfangen und nannte sich in NRW „WDR 2“, aber das ist leider vorbei. Ich höre morgens gerne WDR 5, auch wegen der Indie-Musik zwischendurch. Aber es rotiert dort zu oft – bei einem Wortsender sollte man auf Hot Rotation jeglicher Art verzichten.

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    1. Den Unmut über die Veränderungen kann ich verstehen. Ich würde mich auch über einen breiteren Genre-Mischung freuen. Ich freue mich allerdings auch, dass ich bei WDR 5 einen Wortsender mit dafür untypischer Musik hören kann. Da sind zweifelsohne gute Sachen dabei. Arcade Fire z. B., Bell & Sebastian, Ray LaMontagne. Die Auswahl krankt aber wohl insgesamt an der Prämisse, nicht zu aufdringlich zu sein. Wenn ich darauf mal keine Lust habe, schalte ich DLF ein. Und wenn ich Lust auf gute Musik habe, suche ich mir die entsprechenden Sendungen bei DLF, DKultur, WDR 3 oder Radio Eins heraus. Funkhaus Europa zählt ja leider nicht mehr zu den Sendern mit handgemachten Autorensendungen. Die Qualität eines Senders wie WDR 5, der sein Programm noch mit echten Einschaltsendungen bestreitet, sollte man aber insgesamt in der heutigen Zeit wohl zu schätzen wissen.

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