Starman

Als bekannt wurde, daß David Bowie im Sommer 2002 anläßlich der Albumveröffentlichung von „Heathen“ nur ein einziges Konzert in Deutschland geben würde, im knapp 2.500 Personen fassenden Kölner E-Werk, war klar, daß es Normalsterblichen nur unter sehr günstigen Umständen gelingen würde, an Karten heranzukommen.

Das traf mich nicht besonders, stand ich doch zu diesem Zeitpunkt sowohl der Musik als auch der Person eher gleichgültig gegenüber. Aber da gab es diesen einen glühenden Bowie-Fan in meiner unmittelbaren Umgebung und so versuchten wir unser Glück bei einem WDR 2-Gewinnspiel – zu unserer Verblüffung mit Erfolg.

Das Event selbst erwies sich zunächst als riesiges Medienspektakel. Alles, was in der Musikbranche Rang und Namen zu haben glaubte sowie zahlreiche sonstige Prominenz gab sich die Ehre und die wenigen Optimisten, die sich mit „Suche Tickets“-Schildern am Rande aufgestellt hatten, ernteten nicht mehr als mildlächelndes Mitleid.

Schließlich betrat David Bowie zu den Klängen von „Life on Mars“ die Bühne und hatte nach wenigen Takten meine volle Aufmerksamkeit. Daß wir sehr weit hinten in der Halle standen, spielte dabei keine Rolle. Es folgte ein grandioses Konzert und als alle dachten, das war’s jetzt, meinte Mr. Bowie, daß die Türen verschlossen seien und deswegen keiner den Saal verlassen könne, zückte ein Saxophon und spielte „Low“ als Zugabe. Das komplette Album. Mit offenem Mund stand ich da und wußte: Das passiert so bestimmt kein zweites Mal.

Ich hatte nie zuvor einen Liveauftritt mit derartiger Wirkung erlebt. Menschen zwischen 17 und 70, Männlein wie Weiblein (und alles dazwischen), Arrivierte wie Alternative verließen nach Konzertende einträchtig und mit strahlenden Augen das Gelände. Ich kaufte im Anschluß zwei Bowie-Alben, sah mir „Der Mann, der vom Himmel fiel“ an, besuchte später noch ein weiteres Konzert und holte nebenbei ein ganzes Kapitel Musikgeschichte nach. In dieser Form hat bis heute niemand geschafft, das zu übertreffen.

„Can you hear me, Major Tom?“

Gute Reise, Mr. Bowie.